«Wenn das Flugzeug in Turbulenzen gerät, schlafe ich noch besser»

Roger Federer erklärt vor dem Masters-Turnier von Indian Wells, wie er die zwölf Stunden Zeitdifferenz zu Dubai bewältigt.

TV-Interviews, Posieren: Roger Federer im Kreuzverhör. Foto: Keystone

TV-Interviews, Posieren: Roger Federer im Kreuzverhör. Foto: Keystone

René Stauffer@staffsky

«Willkommen im Tennisparadies», lautet der Slogan der ­Veranstalter in Indian Wells, am grössten Turnier nach den vier Grand-Slams. Gerade paradiesisch ist der erste Mittwoch für die Topspieler aber nicht – es ist der Medientag, und da werden sie hin- und hergeschoben und ausgefragt. TV-Interviews, Posieren für Fotos, hier eine Unterschrift und schliesslich der Auftritt im Interviewraum. Als Roger Federer am runden Tisch Platz nimmt, stehen die Reporter und Kamerateams mehrere Reihen tief, und schon beginnt das Kreuzverhör. Auszüge aus seinen Antworten.

Federer über die Reise von Dubai nach Kalifornien:
Zwölf Stunden Zeitdifferenz, das spürt man einfach. Deshalb war es wichtig, dass ich möglichst schnell hierherkam und mich sogleich anpasse an die Essenszeiten, rechtzeitig ins Bett gehe und genug schlafe. Mit den Kids zu reisen, macht es nicht einfacher, aber wir sind sehr zufrieden. Wir kamen am Montag an. Nun geht es mir viel besser.

… über seine Jetlag-Strategie:
Sobald ich einen Ort verlasse, bin ich schon in der Zukunft und bereite mich auf den nächsten vor. Weil ich meistens müde bin beim Reisen, kann ich zu meinem grossen Glück immer gut schlafen, auch im Flugzeug. Wenn es zu rütteln beginnt und in Turbulenzen gerät, schlafe ich noch besser. Weil ich gar keine Lust habe auf diesen «Seich», schlafe ich sogleich ein. (Gelächter)

… über die Erinnerungen an seine 100 Turniersiege:
Ich könnte wahrscheinlich jeden einzelnen Final aufzählen, wenn auch nicht mit allen genauen Resultaten. Aber wenn Sie mich fragen, gegen wen ich in Wimbledon 2006 in der vierten Runde gewann – keine Ahnung. Ich kann mich aber an vieles erinnern, und Finals bleiben stärker präsent. Wegen der speziellen Vorbereitung, der Siegerehrung, der Highlights im Fernsehen.

… über Dubai 2020 und seine Fernplanung:
Mein Ziel ist weiterzuspielen. Entsprechend läuft die Planung – dass ich die Karriere fortsetzen werde. Für Anfang Jahr ist noch einiges unklar, mit dem Hopman-Cup, dem neuen ATP-Cup. In Dubai fragten sie mich am Donnerstag, ob ich mir eine Rückkehr vorstellen könnte. Ich besprach es mit meinem Team und sagte spontan zu. Für mich geht eh alles weiter.

… über den Reiz neuer Turniere:
Ich würde gerne in Südamerika oder häufiger in Asien spielen, auch andere Sandturniere kennen lernen. Aber es ist schwierig, die ganze Planung zu ändern. Ich könnte es mit Schaukämpfen machen, die sind auch lässig und cool. Aber seit meiner Knieverletzung habe ich fast keine mehr gespielt. Mein grosser Wunsch ist es, in Südafrika einen Match for Africa zu machen. Das bin ich am Planen.

… über die Erleichterung, den 100. Titel geschafft zu haben:
Ich bin froh, dass es gleich beim ersten Final geklappt hat und das Thema erledigt ist. Sonst hätte es mich noch länger begleitet, und auch die anderen Spieler hatten langsam genug davon. Die 109 Titel von Connors sind kein Ziel. Mein Ziel ist, die 100 zu ­geniessen und vielleicht irgendwann den 101. zu holen.

… über Turniersiege, die er wenig zwingend verpasste:
Zu viele, um sie aufzuzählen.

… über seinen Lieblingsfinal:
Möglicherweise jener gegen Nadal 2017 am Australian Open. Das war ein märchenhaftes Ende eines grossartigen Comebacks.

… über den Final, vor dem er am nervösesten war?
Auch da gibt es einige. Vielleicht Roland Garros 2009.

… über die inzwischen beschlossene und umstrittene Nichterneuerung des Vertrags von Chris Kermode, seit 2014 CEO der ATP:
Das Thema ist so heiss, dass ich nichts dazu sagen werde. Schon gar nicht vor den Medien.

… über die Ansicht, er verkörpere im Sport Perfektion:
Die Leute erhöhen Topsportler oft in einen Superstarstatus. Aber wenn man uns trifft, findet man heraus, dass wir normale Menschen sind, die einfach etwas grossartig können. Ich mag es, Leuten Freude zu bereiten. Aber ich kann nicht allen gefallen. Wenn das mein Ziel wäre, wäre ich für immer unglücklich.

Das wars. Bis am Sonntag, wenn er auf Seppi oder Gojowcyk trifft, hat Federer wieder etwas Ruhe.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt