Wawrinka gewinnt nach Wutausbruch

Stan Wawrinka besiegt in den Achtelfinals des US Open den Amerikaner Donald Young in vier Sätzen. Die Fragezeichen hinter seiner Form konnte der Schweizer nicht loswerden.

Wütend: Wawrinka zerstört seinen Schläger. (Video: ESPN)
René Stauffer@staffsky

«Manchmal werde ich aus ‹Stanimal› ­einfach nicht schlau», sagte der frühere Spitzenspieler und TV-Experte Brad Gilbert am amerikanischen TV-Sender ESPN. Wie ihm ergeht es am US Open vielen. Stan Wawrinka setzte auch im Achtelfinal gegen Donald Young (ATP 68) seine Berg-und-Tal-Fahrt fort. Mit dem Unterschied, dass er diesmal seine schlechte Phase auf einen Satz konzentrierte, diesen in nur 22 Minuten 1:6 verlor und erneut einen seiner Schläger mit Gewalt aus der Form brachte.

Der French-Open-Sieger fing sich nach dem ersten Satzverlust in New York aber bemerkenswert rasch. «Ich schaffte es, mich zu beruhigen und versuchte, mich besser zu bewegen und aggressiver zu sein», erklärte er. Im desolaten zweiten Satz sei er «mental nicht da gewesen». Er spielte danach deutlich besser, mit Variationen und teilweise Aufschlag/Volley. Diese Taktik funktionierte, er ging im dritten Satz rasch 5:0 in Führung, schaffte auch im vierten Satz sogleich das Break und hatte keine Mühe, diesen Vorsprung zu verteidigen. Nach 2:09 Stunden bedeutete ein Rückhandvolley den Sieg (6:4, 1:6, 6:3, 6:4).

Sechster Viertelfinal in Folge

Der 30-jährige Lausanner hat damit seine starke Grand-Slam-Serie verlängert: Nur an einem der letzten neun ­Majorturniere verpasste er die Viertel­finals (am French Open 2014 scheiterte er im Startspiel). Seither hat er sechsmal hintereinander mindestens die letzten Acht erreicht. In New York kam er zum vierten Mal so weit, zum dritten Mal in Serie. Um wie 2013 in die Halbfinals vorzustossen, muss er am Mittwoch Andy Murray oder Kevin Anderson schlagen.

«Ein Viertelfinal ist für mich immer noch ein grossartiges Resultat, darüber bin ich glücklich», sagte Wawrinka, der sehr erleichtert wirkte. «Es war schön, wieder einmal auf dem Ashe-Court antreten zu können. Die ­Atmosphäre war toll, ich genoss es.» Young sei ein grossartiger Spieler und Kämpfer, lobte er.

Schwacher erster Aufschlag

Tatsächlich entwickelte sich an diesem Feiertag in New York, dem Labor Day, rasch eine Art Davis-Cup-Stimmung. Der 26-jährige Amerikaner, einst die grösste Hoffnung des US-Tennis, brachte zwar schnelle Beine und grosse Kampfkraft mit ins Spiel, doch dies und die Unterstützung der Fans reichten nicht mehr gegen einen Spieler vom ­Kaliber Wawrinkas. Auch der Vaudois wirkte kämpferisch, klar engagierter als in den drei Partien zuvor.

Um die Viertelfinals zu überstehen, muss er sich aber zweifellos weiter steigern. Die Quote der ersten Aufschläge war erneut tief (53 Prozent), die Zahl der unerzwungenen Fehler hoch (48). Dennoch zeigte Wawrinka insgesamt eine gute Leistung, seine Konzentration war besser als in den früheren Partien, und seine besten Schläge (52 Winner) wiesen jene Klasse auf, die ihm zu zwei Grand-Slam-Titeln verholfen haben.

Winner schlägt Wawrinka auch in New York klar mehr mit der Vorhand als mit seinem Paradeschlag, der Rückhand. «Seine Vorhand ist vielleicht jener Schlag im Männertennis, der in den letzten zwei Jahren am meisten verbessert wurde», sagte TV-Experte Brad Gilbert.

Wawrinka hat damit erstmals an allen Majorturnieren des Jahres mindestens die Viertelfinals erreicht, was nicht vielen gelingt. Und er tat dies trotz eher zwiespältigen Leistungen in New York ziemlich effizient, mit nur einem Satzverlust und einer Gesamtspielzeit von neuneinhalb Stunden, was ihm noch zugute kommen könnte. «Er ist eben nicht mehr der gleiche Spieler wie vor drei Jahren», sagt Davis-Cup-Coach Severin Lüthi. «Früher hätte er wahrscheinlich eine der ersten drei Partien verloren.»

Geschenke für zwei Fans

Dass er zum zweiten Mal einen Schläger zerstörte, bedauerte der Weltranglistenfünfte hinterher. «Es ist nie gut, das zu tun. Ich versuchte zwar, mich zu kontrollieren. Aber irgendwie muss man auch Dampf ablassen», sagte er im Platz­interview. In diesem darauf angesprochen, dass er das deformierte Stück noch während der Partie zwei Knaben geschenkt hatte, sagte er: «Damit kann man nicht mehr viel anfangen. Sie sollen zu mir kommen, und ich schenke ihnen ­etwas, T-Shirts oder so.»

DerBund.ch/Newsnet

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