Reifer Kyrgios, unruhiges Publikum und Renaissance eines Klassikers

Die Tenniswelt ist immer noch aufgewühlt von Roger Federers Krimi-Sieg über Nick Kyrgios. Die Reaktionen gehen in unterschiedliche Richtungen.

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Was Roger Federer und Nick Kyrgios im Halbfinal von Miami geboten haben, war spektakuläres und nervenaufreibendes Tennis. «Jetzt schon eines der besten Spiele des Jahres», sagte ein englischer Kommentator am Ende des Matches.

«Nur Kyrgios kann das gegen Federer tun.» Video: Twitter.

Kyrgios' Reaktion auf den verwerteten Matchball. Video: Twitter.

7:6, 6:7, 7:6 lautete das Resultat. Winner, Tweener, Asse in entscheidenden Momenten: Die Tennisfans wurden verwöhnt. Darunter auch der ehemalige Tennisspieler Pat Cash, der sich während der Partie im Flugzeug befand und sich bei den Spielern für die tolle Unterhaltung bedankte. «Kyrgios hat Federer verunsichert, das Spiel hätte in beide Richtungen gehen können», schrieb der Australier.

Ein Grossteil dieser Unterhaltung ist Kyrgios, dem exzentrischen Australier, anzurechnen. «Er hat enormes Talent und diese verrückte Seite an sich. Du weisst nie, was als Nächstes kommt», sagte Federer nach dem Spiel. Diese verrückte Seite kam zum Vorschein. Zeitüberschreitungen, kaputte Schläger, Fluchtiraden: Kyrgios zeigte sich erneut emotional auf dem Court. Dennoch ist Federer wie auch die Tennisfans positiv überrascht vom 21-Jährigen. «Man sieht, wie er sich als Spieler und als Person entwickelt. Ich denke, dass die Leute ihn nun besser kennenlernen werden.» Könnte das Problemkind des Tennis endlich reifen?

Kyrgios' Antwort auf Twitter

Überraschend sorgte nicht das Verhalten von Kyrgios für Gesprächsstoff, sondern das amerikanische Publikum – es sei nämlich unfair gewesen. Mehrmals wurde der Australier ausgepfiffen, auch von Mirka Federer, und bei seinen Fehlern wurde gejubelt. Eine entscheidende Szene ereignete sich im letzten Tiebreak beim Stande von 4:3 für Kyrgios. Mitten im Ballwechsel rief eine Zuschauerin «out» und provozierte beim Australier so einen Fehler. Tennisfans spekulierten, dass die Partie ohne diese Szene vielleicht anders verlaufen wäre.

Federer hat das unruhige Publikum ebenfalls bemerkt: «Die Menge hat ziemlich schnell auf seine Aktionen reagiert.» Dadurch habe es aber eine gute Atmosphäre gegeben «und am Ende des Tages ist nicht mehr alles so schlimm.»

Auch Nick Kyrgios meldete sich nach dem Spiel nochmals zu Wort: «Wenn es scheint, dass alle deine Niederlage bejubeln, musst du sie daran erinnern, dass du deinen Platz verdient hast.» An das Zitat angehängt ist ein Video von Kyrgios' Hammer-Schlag im zweiten Satz.

Doch auf dem Court stand nicht nur ein 21-jähriger Australier. Da war noch ein 35-jähriger Schweizer, der in der 19. Partie dieses Jahres zum 18. Mal gewonnen hat. Roger Federer wirkt in seinem Comeback-Jahr unaufhaltsam. Doch: So stark der Schweizer wieder auftritt, ein Spiel ist noch zu absolvieren. Im Final von Miami steht ihm ein Altbekannter gegenüber – Rafael Nadal.

«Ein Wendepunkt in meiner Karriere»

«Bei Rafa fühlt es sich an, als müsse man einen Berg besteigen», sagte Federer an der Medienkonferenz. Trotzdem freue er sich auf die Partie. Es scheint, als würde der alte Klassiker zwischen Federer und Nadal sich in seiner Renaissance befinden. In den letzten zwei Monaten sind sich die beiden bereits zweimal gegenübergestanden – alle Duelle gewann der Schweizer. Das letzte Aufeinandertreffen in Miami liegt aber schon weiter zurück. 2005 gewann Federer das Endspiel. Damals lag er 0:2 nach Sätzen und im dritten Durchgang 1:4 hinten – und drehte die Partie.

«Dieser Final war unglaublich und ein Wendepunkt in meiner Karriere. Dort habe ich gezeigt, dass ich in solchen Spielen wirklich kämpfen kann», sagte der Baselbieter. Ein ähnlicher Krimi wäre auch morgen denkbar. Für die Nerven von Federer – und wohl auch seinen Fans – wäre es die letzte Probe.

nry

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