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Ranking-Achterbahn und Glamour-Freundinnen

Was Federers Achtelfinal-Gegner Grigor Dimitrov gefährlich macht und warum der Maestro selber über den Bulgaren sagt: «Ich hoffe, das wird ihm zum Verhängnis gegen mich.»

Bei den Fans beliebt: Grigor Dimitrov posiert in Wimbledon nach gewonnenen Spiel mit Anhängern.
Bei den Fans beliebt: Grigor Dimitrov posiert in Wimbledon nach gewonnenen Spiel mit Anhängern.
ADRIAN DENNIS, AFP

Der junge Mann hat zwei Handicaps, und die klingen paradox: Grigor ­Dimitrov spielt ein höchst attraktives, komplettes Tennis, und er sieht aus wie ein Coverboy. Das Erste führte dazu, dass er schon früh mit Roger Federer verglichen wurde, den (längst abgenutzten) Über­namen «Baby-Fed» erhielt und die ­Erwartungen ins Grenzenlose stiegen. Das Zweite half ihm insofern nicht, als die potenziellen Verlockungen im Alltag für ihn ungleich grösser sind als für viele seiner Kollegen. Zu seinen Ex-Freundinnen gehören Maria Scharapowa und (­neuerdings) Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls.

Vor diesem Hintergrund tönt es umso spannender, dass der 26-jährige, 1,91 m grosse Bulgare mit Wohnsitz Monte Carlo sagt, das Wichtigste, was ihm das Tennis gelehrt habe, sei Disziplin. «Sie war meine grösste Stärke über die Jahre, zusammen mit meinem Arbeitswillen. Auch wenn es schlecht lief und ich enttäuscht von mir war, suchte ich immer nach Wegen, um besser zu werden. Und das lässt sich für mich in einem Wort zusammenfassen – eben, Disziplin.»

Karriere auf der Achterbahn

Dimitrov hatte sein grosses Potenzial früh angedeutet, 2013 etwa mit einem Sieg über ­Novak Djokovic in Madrid, 2014 mit dem Titel im Queen’s Club und dem Vorstoss in die Halbfinals von Wimbledon. Er wurde darauf zu Bulgariens erstem Top-10-Spieler. Doch statt auf- ging es wieder abwärts, bis auf Rang 40. Unter dem südamerikanischen Coach Dani Vallverdu, der früher mit Andy Murray gearbeitet hatte, konnte er sich in den vergangenen Monaten wieder stabilisieren und auf Rang 11 zurückarbeiten.

Dimitrovs Start in diese Saison war fulminant. Nach Turniersiegen in Brisbane und Sofia und dazwischen einem Halbfinal am Australian Open, den er gegen Rafael Nadal in fünf Sätzen verlor, war er Dritter der Jahreswertung. «Dann fiel er halt wieder in ein Loch», ist auch Roger Federer nicht entgangen. Der 7-­­fache Wimbledonsieger verfolgt ­Dimitrovs Achterbahn-Karriere kritisch. «Ich hatte mehr erwartet von ihm in den letzten Jahren. Speziell 2016 hatte er ein echtes Tief, wobei er auch drei Endspiele verlor, was ihn zurückwarf.»

Dimitrov wird, wie auch Del Potro, von Team-8 betreut, der Agentur, die ­Federer mit seinem Manager Tony Godsick gegründet hat. «Vielleicht sehen wir uns dadurch etwas häufiger, und er ist auch immer sehr nett mit allen, auch mit meiner Familie», sagt Federer zur speziellen Konstellation, «trotzdem ist er für mich ein Spieler wie jeder andere.»

Roger Federer gab mit Grigor Dimitrov auch schon seine Gesangskünste zum Besten. Video: Tamedia/Facebook

Spezieller sei für ihn, dass ­Dimitrov tatsächlich sehr ähnlich spiele wie er selber. Das sieht er für sich als Vorteil: «Ich überlege mir: Was würde mir Probleme bereiten? Und das versuche ich dann anzuwenden gegen ihn.» Anders gesagt: Wollen Sie wissen, wie Federer – der alle fünf Duelle mit Dimitrov gewonnen hat – gegen sich selber spielen würde, schauen Sie heute genau hin!

Hang zur Passivität

Der Bulgare aus Haskovo ist nach Siegen über Diego Schwartzman, Marcos Bagh­datis und Dudi Sela (der nach zwei Sätzen aufgab) wie Federer noch ohne Satzverlust. Das beeindruckt diesen aber wenig: «Er hatte doch eine sehr einfache Auslosung. Ich hoffe, das wird ihm zum Verhängnis gegen mich.» Dimitrov habe zudem die Tendenz, passiv zu werden, nicht ­jeden Ball mit letzter Konsequenz zu spielen, «das muss ich ausnützen».

Dimitrov gewann bisher sechs kleinere Turniere und knapp neun Millionen Dollar Preisgeld. Er wollte sich nach seinem Samstagsmatch nicht gross zu Federer äussern, zumal dieser als Gegner da noch nicht feststand. Er erweckt aber den Eindruck eines Mannes, der auf der Höhe seines Könnens angelangt ist und sagte, sein Selbstvertrauen sei «himmelhoch». Er sei ganz auf sich und sein Spiel konzentriert, «was auf der anderen Seite des Netzes geschieht, kann ich ohnehin nicht kontrollieren». Seine Zuversicht sei gross, er möge seine Aussichten. «Mein Job ist noch längst nicht erledigt.»

Vallverdu hat Dimitrov das Gefühl ­zurückgeben können, dass seine Karriere noch vor ihm liege, noch vieles möglich sei und er stolz sein dürfe auf das bisher Erreichte. «Ich musste viele Hindernisse überwinden, auch ausserhalb des ­Platzes», so Dimitrov. «Und ich denke, ich bin damit ziemlich gut umgegangen.» Er sei auf dem richtigen Weg und klar besser als 2014, als er im Halbfinal gegen Djokovic 4:6, 6:3, 6:7, 6:7 verlor. Am Ende dieses Weges soll, natürlich, ein Grand-Slam-Pokal warten – vorzugsweise der Challenge Cup in Wimbledon. Ein Sieg über Federer heute könnte ­einiges dazu beitragen.

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