Nach der Depression will er auch Federer wieder besiegen

Juan Martin Del Potro gewann im September 2009 das US Open und galt als grösste Gefahr für Rafael Nadal und Roger Federer. Danach fiel er aber ins Bodenlose und klettert erst jetzt wieder nach oben.

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Alexander Kühn@alexkuehnzh

«Ich habe in den vergangenen Monaten zu Hause in Argentinien sehr hart an mir gearbeitet. Meine Betreuer glauben an mich und auch ich tue das. Ich bin bereit, wieder lange und intensive Matches zu spielen», sagte Juan Martin Del Potro nach seinem 6:7, 7:6, 7:6-Auftaktsieg gegen Feliciano Lopez am ATP-Turnier von Sydney. Nun ist ein erkrampfter Dreisatzsieg gegen die Nummer 32 der Weltrangliste für einen Athleten vom Format Del Potros eigentlich keiner weiteren Erwähnung wert, wäre da nicht ein Duell mit dem gleichen Gegner im vergangenen Oktober, das sinnbildlich war für den Absturz des früheren US-Open-Champions aus dem argentinischen Städtchen Tandil.

Del Potro unterlag Lopez damals in der ersten Runde des Turniers von Tokio sang- und klanglos 3:6, 0:6. Ein gutes Jahr nach dem grössten Triumph seiner Karriere war er im Alter von nur 22 Jahren an einem historischen Tiefpunkt angekommen. Dass Del Potro nun die Revanche schaffte, zeigt, dass er nach den hartnäckigen Problemen mit dem Handgelenk, die viele für ein Ablenkungsmanöver von seiner Depression hielten, nicht nur physisch wieder am Kommen ist. Immerhin wehrte er in der entscheidenden Phase der Partie sechs Breakbälle ab und bewies damit mentale Stabilität.

«Ich bin bereit für die Rückkehr in die Top 10»

Del Potro spricht wieder gerne über Tennis. «Wir haben einen wunderschönen Match gespielt. Ich bin bereit, den langen Weg zurück in die Top 10 zu gehen. Ich fühle mich rundum zufrieden, ich liebe das Leben. Es ist schön, ohne Schmerzen zu spielen», diktierte er den Reportern in die Notizblöcke. Der nächste Gegner, den der Südamerikaner mit seiner Vorhandpeitsche bezwingen will, heisst Florian Mayer. Der Deutsche war bis zum Sieg über Lopez der letzte Spieler, den Del Potro bezwingen konnte – in der dritten Runde des Australian Open 2010 setzte er sich 6:3, 0:6, 6:4, 7:5 durch.

Die Geister der Vergangenheit

Offenbar hat es der enorm talentierte Del Potro nun geschafft, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Noch im Herbst hiess es aus seinem Umfeld, er habe unter Depressionen und Panikattacken gelitten. «Er mag ein Problem mit dem Handgelenk haben, aber ein noch viel grösseres mit dem Kopf», sagte etwa sein langjähriger Mentor und Weggefährte Juan Monaco damals. Der grosse Empfang in Tandil nach seinem US-Open-Triumph 2009 habe Del Potro aus der Bahn geworfen. Im Internet kursierten Fotos, die Del Potro auf wilden Partys zeigen – mit schönen Frauen und viel Alkohol.

Diese Bilder entsprachen so gar nicht dem Bild des wohlerzogenen Musterathleten, das der 21-Jährige zu Beginn seiner Karriere abgegeben hatte. Die Geschehnisse lassen sich durchaus als Akt der Rebellion werten. Del Potros Vater Daniel führte seinen Sohn stets mit strenger Hand, traf alle Entscheidungen für ihn und trieb ihn zum Training.

DerBund.ch/Newsnet

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