Federer gewinnt, Kyrgios tobt und Mirka pfeift

Roger Federer entscheidet einen dramatischen Tiebreak-Krimi gegen Nick Kyrgios zu seinen Gunsten. Der junge Australier fluchte, beleidigte und kämpfte vergeblich.

Unterstützt ihren Mann: Mirka Federer beteiligt sich am Pfeifkonzert gegen Kyrgios, denn der rastet im Halbfinal immer wieder aus. Video: Tamedia/AP/SRF

Kyrgios, bekannt für seine Motivations-Schwankungen, wurde seinem Ruf als Riesentöter in der Night Session gegen Federer diesmal nicht gerecht – aber fast. Der exzentrische Australier konnte im Tiebreak des Entscheidungssatzes beim Stand von 5:4 zum Sieg aufschlagen, doch wie im Viertelfinal gegen Tomas Berdych konnte sich Federer aus der Bedrängnis lösen. Nach 3:10 Stunden (!) verwertete der Schweizer seinen dritten Matchball zum Sieg – die ersten zwei hatte er im Tiebreak des zweiten Satzes besessen.

Nachdem Kyrgios den 35-jährigen Maestro im ersten Duell vor zwei Jahren in Madrid knapp geschlagen hatte, glich Federer die Bilanz gegen den 14 Jahre jüngeren Australier mit seinem 18. Sieg im 19. Spiel seit dem Comeback Anfang Jahr aus. Alle sechs Sätze zwischen den beiden wurden im Tiebreak entschieden. Von den Top 5 schnitt der Kyrgios einzig gegen Andy Murray schlecht ab (0:5).

Sieg in drei Sätzen: Das sind die wichtigsten Ballwechsel des Spiels. Video: Tamedia/AP

Die ganze Tennis-Palette

Gegen Federer präsentierte Kyrgios sein ganzes Repertoire. Sein Einsatz pendelte zwischen wild entschlossen und verbissen. Für einen lauten Fluch wurde er im ersten Satz verwarnt. Später rutschte ihm im Tiebreak auch noch ein «Shut up» in Richtung Publikum über die Lippen, weil das Natel eines Zuschauers läutete, mehrmals schmiss er sein Racket. Für seine Kontrollverluste erntete Kyrgios denn auch Pfiffe und Buhrufe. Selbst Mirka Federer stimmte teils ins Pfeifkonzert gegen den jungen Australier mit ein.

Kyrgios zeigte sich aber auch von seiner humorvollen Seite: Als der im dritten Satz wegen Zeitüberschreitung ermahnt wurde, hastete er demonstrativ zum nächsten Ballwechsel. Ansonsten wusste er sein Temperament positiv einzusetzen und die Zuschauer auch auf spielerische Weise zu unterhalten. Anfang des zweiten Satzes passierte er Federer mit einem «Tweener», seinem Lieblingsschlag zwischen den Beinen hindurch. Immer wieder bewies er Nervenstärke und befreite sich aus der Bedrängnis mit Assen und Servicewinnern. Zudem demonstrierte er Fairness, indem er den Schiedsrichter beim Stand von 3:3 im dritten Satz zu seinen Ungunsten überstimmte.

Auch Federer, der fast durchwegs stark servierte und bei seinen Aufschlagspielen seltener Probleme bekundete als Kyrgios, aber mit der Vorhand einige ungewohnte Fehler machte, war bei den Big Points zur Stelle. Bevor er im Tiebreak des ersten Satzes seinen dritten Satzball verwertete, wehrte er deren zwei von Kyrgios ab, den zweiten beim Stand von 8:9 mit einem glänzenden Return auf einen starken ersten Aufschlag Kyrgios'. Im Finish, in dem es gleich zu mehreren Millimeter-Entscheiden kam, zog er zum zweiten Mal in Folge den Kopf aus der Schlinge.

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Der Fedal-Traumfinal ist perfekt

Am Sonntag (ca. 19 Uhr) kommt es damit in Key Biscayne wie vor zwölf Jahren zum Traumfinal zwischen Federer und Nadal. Der Spanier hatte in seinem Halbfinal gegen Fabio Fognini (ATP 40) keine Schwierigkeiten bekundet und sich klar in zwei Sätzen durchgesetzt.

Federer und Nadal duellieren sich am Sonntagabend zum 37. Mal. Nadal führt im Head to Head 23:13, verlor aber die letzten drei Duelle, unter anderem Ende Januar im Final des Australian Open und vor zwei Wochen im Achtelfinal von Indian Wells. Für Nadal ist es der fünfte Final in Miami, gewonnen hat er das Turnier indes noch nie. 2005, damals noch über drei Gewinnsätze, gab er gegen Federer eine 2:0-Satzführung aus der Hand.

nos/sda

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