Innerlich zerrissen

Das Davis-Cup-Dilemma von Andy Murray spitzt sich weiter zu. Eine mögliche Absage der World Tour Finals provoziert nun den ATP-Präsidenten.

In der Zwickmühle: Andy Murray will sich für den Davis-Cup schonen, müsste dafür aber die ATP-Finals sausen lassen.

In der Zwickmühle: Andy Murray will sich für den Davis-Cup schonen, müsste dafür aber die ATP-Finals sausen lassen.

(Bild: Keystone)

Sebastian Rieder@RiederSebastian

Chris Kermode ist Engländer, also auch Brite und könnte für das Gedankenspiel des Schotten durchaus Verständnis zeigen. Aber das Oberhaupt der ATP ist auf Englisch gesagt «not amused» wie Andy Murray derzeit über das Saisonfinale in London denkt. «Die World Tour Finals sind ein Pflichtturnier», sagt Kermode und betont, dass alle Spieler, die sich qualifizieren, «aufgefordert sind, am Event teilzunehmen, ausser sie sind verletzt.»

Andy Murray ist nicht verletzt, aber er hat Angst sich an den World Tour Finals im November zu verletzen und nur wenige Tage später den anstehenden Davis-Cup-Final gegen Belgien nicht im Vollbesitz seiner besten Form zu bestreiten. Kommt hinzu, dass die Belgier für das Endspiel aus taktischen Gründen während der Hallensaison ausgerechnet Sand als Unterlage gewählt haben.

Belastung für den Rücken

Da sich voraussichtlich keiner aus dem belgischen Team für die ATP-Finals in London qualifizieren wird, besteht für das Heimteam in der Tennisarena in Gent genug Zeit, um sich ausreichend vorzubereiten. Ein Vorteil, den auch die Franzosen vor einem Jahr gegen die Schweiz im Davis-Cup-Endspiel ausspielen wollten, dann am Ende an der Klasse von Stan Wawrinka und Roger Federer scheiterten.

Aber gerade Roger Federer bringt Andy Murray ins Grübeln. Die Rückenprobleme des Schweizers nach dem hartumkämpften Halbfinal an den ATP-Finals gegen Wawrinka sind auch dem Schotten in bester Erinnerung, ein Risiko, das er gerne vermeiden würden – vor allem auf Sand. «Ich brauche mehr Zeit auf Sand, damit mein Rücken sich daran gewöhnt.»

Notlüge als Lösung

Der Präsidenten der ATP kennt trotz seiner patriotischen Nähe zu Andy Murray kein Pardon, er sieht jedoch von einer eigentlichen Drohung ab. «Wir sind uns bewusst über die Kommentare, die nach der Davis-Cup-Partie in Glasgow gemacht wurden. Wie auch immer, unsere Erwartung ist es, dass Andy dieses Jahr beim Turnier dabei ist, wenn er vollständig fit ist.»

Gut möglich, dass sich Murray für London ein kleine Notlüge einfallen lässt, nur dürfte ihm diese niemand abnehmen, am wenigsten der Präsident der ATP.

DerBund.ch/Newsnet

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