«Ich wollte im Mini schneller sein als ein Ferrari»

Timea Bacsinszky blickte in Kalifornien voraus auf ihre «neue» Karriere als Topspielerin – und spricht über ihr Wettkampffieber.

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René Stauffer@staffsky

Timea Bacsinszky kam am Freitag, dem 13., zu ihrem 13. Sieg in Folge. «Ich bin überhaupt nicht abergläubisch –ausser dass ich weisse Socken trage», sagte sie nach dem 4:6, 6:3, 6:2 über Marina Erakovic (WTA 80) aus Neuseeland. Sie trifft nun auf die russische Top-Ten-Spielerin Jekaterina Makarowa (9), gegen die sie Ende 2014 in Wuhan gewann. Sie sei zwar müde, «aber irgendwie schaffe ich es doch noch zu spielen», sagte sie in indian Wells. Im Interview mit DerBund.ch/Newsnet blickte sie schon weiter voraus, in die Zeit nach dem Turnier in Kalifornien.

Wie geht es für Sie nach Indian Wells weiter?

Mein nächster Einsatz ist der Fed-Cup in Polen (18./19. April). Danach spiele ich in Marrakesch, Rom, Madrid und Roland Garros. Leider reicht es nur für vier Turniere auf Sand, aber der WTA-Kalender erlaubt nicht mehr, sonst müsste ich jede Woche spielen.

Warum verzichten Sie auf Miami, eines der grössten Turniere der Welt?

Wir haben das im Team so entschieden, denn ich will mich erholen und gut vorbereitet in die nächsten Turniere gehen. Ich spüre meinen Körper schon, nachdem ich in Mexiko in zwei Wochen 13 Partien bestritt. Es ist mir auch egal, wenn ich für Miami einen Nuller in der Weltrangliste erhalte. Dafür spiele ich vielleicht an einem anderen Turnier besser, dann gleich sich das aus.

Haben Sie Respekt vor ihrem neuen Status als Top-30-Spielerin und dem gesteigerten Erwartungsdruck?

Die Situation ist zwar neu, aber ich fühle mich bereit. Auch darum haben wir letztes Jahr das kleine Turnier in Tallin gespielt, wo ich die Nummer 1 war und von mir erwartet wurde, dass ich es gewinne (was ihr auch gelang). Das war eine Lehre. Ich musste das Ego zur Seite schieben und sagen: Okay, ich bin in Tallin, es ist minus 20 Grad, die Bedingungen sind miserabel, aber ich werde alles tun, um diese 15 Punkte zu gewinnen. Und ich investiere 4000 Franken, um 1000 Dollar Preisgeld zu gewinnen. Ich weiss, dass die Leute mehr von mir erwarten, und das dürfen sie auch. Aber ich weiss auch, dass ich kein Roboter bin und nicht jede Woche etwas Unglaubliches erreichen kann.

Was zeichnet Sie in Ihren Augen als Spielerin aus?

Ich weiss, dass ich ein spezielles Spiel habe. Ich kann fast alle Schläge, bin ganz gut am Netz und habe gezeigt, dass ich auch eine gute Doppelspielerin sein kann. Ich habe einen korrekten Aufschlag, obwohl ich schon einige Schulterprobleme hatte. Ich weiss, dass ich den Rhythmus wechseln und auf beiden Seiten sehr hart spielen kann. Und ich bin ich auch körperlich sehr gut vorbereitet.

Würden Sie sich selber als grosses Tennistalent bezeichnen?

(zögert) Ich habe ein Talent: Dass ich manchmal Lösungen finde, wenn alle denken, dass ich keine mehr habe. Und ich schaffe es oft, im Kopf in wichtigen Momenten ruhig zu bleiben.

Heinz Günthardt sagt von Ihnen, Sie seien eine wahrhaftige Spielerin, eine, die den Kampf liebe. Sehen Sie das auch so?.

Ja, und dafür habe ich ein Beispiel: Vor einiger Zeit kaufte ich mit einem Freund eine Kokosnuss, wir schnitten sie in zwei Hälften und teilten sie. Und ich wollte meine Kokusnusshälfte unbedingt schneller auskratzen als er... (lacht) Das sagt alles. Ich mag solche kleinen Spielchen, solche Vergleiche. Und ich bin eine Taktikerin.

Und beim Autofahren, wollen Sie da auch alle überholen?

Jetzt nicht mehr. Weil ich weiss, dass mein Leben und das anderer wichtig ist. Aber in früheren Jahren wollte ich immer die Schnellste sein, an einem Rotlicht, mit meinem Mini. Auch wenn neben mir ein Ferrari stand.

Vor zwei Jahren absolvierten Sie in einem Fünfsternhotel in Villars-sur-Ollon ein Praktikum, um danach in Genf die Hotelfachschule zu besuchen. Mit welchen Gefühlen denken Sie heute an diese Zeit zurück?

Mit dem Gefühl, dass sich das Leben schnell ändern kann... Vor meiner Reise nach Mexiko übernachtete ich dort mit meinem Freund. Es war interessant, die Leute dort wieder zu treffen. Ich war damals glücklich, dass ich das machen konnte. Vielleicht werde ich das ja noch nachholen.

DerBund.ch/Newsnet

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