«Ich war fett und ass jeden Tag KFC»

Der notorisch lustlose Nick Kyrgios hat auf einmal Spass am Tennis und steht in seinem ersten Masters-1000-Final. Kann er auch am US Open glänzen?

«Der talentierteste Spieler seit Roger Federer»: An Talent mangelt es Nick Kyrgios beileibe nicht.

«Der talentierteste Spieler seit Roger Federer»: An Talent mangelt es Nick Kyrgios beileibe nicht.

(Bild: Keystone)

Bei Nick Kyrgios (ATP 21), der einst Stan Wawrinka mitten in einem Match beleidigte, ist eigentlich nur eines sicher: dass nichts sicher ist. In Washington vor zweieinhalb Wochen noch vom Publikum ausgebuht, weil er am dritten Turnier in Folge einen Match aufgegeben hatte, glänzt er in Cincinnati mit Kampfgeist und Spielwitz. Der Lohn: die erstmalige Qualifikation für ein Endspiel der zweithöchsten Stufe. Dort trifft er am Sonntag auf den Bulgaren Grigor Dimitrov.

In den Halbfinals bezwang Kyrgios den Spanier David Ferrer, der ihm in seiner Karriere stets wohlwollend gegenübergestanden hatte. Unter anderem 2013, als er dem australischen Enfant terrible eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen überreichte. Ein zentraler Punkt darauf war die Ernährung. «Ich war fett und ass jeden Tag KFC», blickt Kyrgios zurück.

«Lerne zu leiden» stand ausserdem auf dem Blatt. Ein Ratschlag, den der 22-Jährige allerdings längst nicht immer so sehr beherzigte wie nun in Cincinnati, wo er sich unter anderem in beeindruckender Manier gegen Rafael Nadal durchsetzte. Am weitesten trieb es Kyrgios im vergangenen Oktober, als er in Shanghai gegen Mischa Zverev nur vier Games gewann und bei Breakball für den Deutschen den Aufschlag übers Netz schubste, ehe er Richtung Spielerbank trottete. Die Aktion trug ihm eine achtwöchige Sperre ein.

Kyrgios' bisweilen so lustloses Auftreten empört die Beobachter auch wegen seines unbestritten enormen Potenzials. «Ich glaube, dass Nick Kyrgios der talentierteste Spieler ist, seit Roger Federer die Tennisszene betreten hat», sagt Paul Annacone einmal zur «New York Times». Der frühere Federer-Coach, der auf die Rasensaison 2017 hin zum Team von Stan Wawrinka stiess, erklärte, Kyrgios sei an guten Tagen locker ein Top-5-Spieler.

Am US Open (28. August bis 10. September) könnte das launische Supertalent nun endlich seine perönliche Grand-Slam-Bestmarke übertreffen, die Viertelfinalqualifikationen in Wimbledon 2014 und Melbourne 2015. Wegen der zahlreichen Verletzten, zu denen auch Wawrinka zählt, ist die Chance für Kyrgios so gross wie wohl noch nie. Bei den Wettanbieter gehört er zu den zehn am höchsten gehandelten Spielern.

ak

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