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«Ich fand sehr schnell ein anderes Leben»

Zum Jubiläum des Zurich Open, das nächste Woche zum 25. Mal stattfindet, sprach Rekordsiegerin Stefanie Graf in einem Interview über ihre Karriere und ihr Leben nach dem Sport.

Steffi war einmal: Heute nennt sich die erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten mit ihrem vollen Namen.
Steffi war einmal: Heute nennt sich die erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten mit ihrem vollen Namen.
Keystone

Knapp zehn Jahre ist es her, seit Steffi Graf - die sich inzwischen Stefanie nennt - im Sommer 1999 vom Spitzensport zurücktrat. Die 22fache Grand-Slam-Siegerin tat das viel resoluter als andere; Interviews und öffentliche Auftritte von ihr sind rar, und seit vor zwei Jahren auch ihr Mann Andre Agassi abtrat, ist sie auch hinter den Kulissen der Tennistour nicht mehr anzutreffen. Sie fehlte sogar bei der 40-Jahr-Feier des Profitennis am US Open.

Für das Buch «Tennis-Prinzessinnen» (erhältlich ab kommender Woche im Buchhandel und am Turnier im Hallenstadion, Orell-Füssli, 39 Franken)), das die organisierende Agentur Octagon zur 25. Austragung des Zurich Open (11.- 19. Oktober) herausgibt, war die 39-jährige Deutsche jedoch bereit, auf ihre Karriere und die sechs Turniersiege in Zürich zurückzublicken und einen kleinen Einblick in ihr neues Leben zu gewähren. Die Mutter von Jaden Gil (8) und Jaz Elle (6) sprach dabei auch über das spezielle Leben in Las Vegas sowie ihre Aktivitäten für ihre Stiftung Children for Tomorrow und das Fitnessklub-Projekt Mrs. Sporty. Redaktion Tamedia bringt in einem Vorabdruck Auszüge aus dem Gespräch.

Stefanie Graf, Sie leben inzwischen in einer anderen Welt, sind mit Andre Agassi verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Mit welchen Gefühlen blicken Sie nun auf Ihre Tennisjahre zurück? Ist das, wie wenn Sie einen Film anschauen mit einer fremden Hauptdarstellerin, oder ist das noch immer ganz ein Teil von Ihnen? Ich schaue sehr selten retour, aber wenn, dann mit Freude und auch ein wenig Stolz. Das Tennis hat mir so viel gegeben und so viel ermöglicht. Wenn ich nur an mein jetziges Leben mit meinem Mann denke. Durch den Sport habe ich ihn kennen gelernt, bin ich zu meiner Familie gekommen. Es ist viel, das ich dem Tennis verdanke. Es ist ein wichtiger, aber auch abgeschlossener Teil meines Lebens.

Also ist die Distanz doch eher gross, wenn Sie zurückblicken? Die Entfernung kam schon sehr schnell, überraschend schnell. Ich hatte mich aber auch immer auf die Zeit nach dem Tennis gefreut, ich hatte viele Wünsche und Ziele; es herrschte bei mir eine gewisse Vorfreude auf die Zeit danach. Es hat sich etwas anders entwickelt, als ich gedacht hätte, aber ich fand sehr schnell ein anderes Leben. Es ist schon eine gewisse Distanz da, eine Entfernung - aber eine gute. Ich kann zurückblicken und sagen: Ich habe meiner Karriere alles gegeben. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas anders hätte machen sollen, können; ich kann mich nicht beklagen. Ich habe mich dem Tennis . . . hingegeben ist das falsche Wort. Mein Deutsch ist eben auch nicht mehr, was es einmal war. Sagen wir mal: Ich glaube nicht, dass ich mir die Umstellung von jener Zeit auf das jetzige Leben besser hätte vorstellen können. Deshalb fiel mir der Abschied von der Profikarriere sehr leicht. Man wusste ja auch, dass ich mich im Rampenlicht nicht sonderlich wohlgefühlt habe.

Erscheinen Ihnen Ihre grössten Erfolge - wie das Jahr 1988 mit dem Golden Slam und einer 86:2-Bilanz - nun etwas unwirklich? 1988 war wirklich ein aussergewöhnlich erfolgreiches Jahr, in dem alles absolut optimal zusammenkam. Über das ganze Jahr körperlich fit und emotional voll da zu sein, an allen vier Grand-Slam-Turnieren mit ihren unterschiedlichen Belägen auf höchstem Niveau spielen zu können, das ist schon sehr selten. Die Olympischen Spiele waren danach das i-Tüpfelchen. Ich kam müde in Seoul an, zwei Tage nach dem US Open. Aber Olympia war für mich ein Riesenereignis, vor allem deshalb, weil ich so sportbegeistert bin, auch wegen meiner Eltern - und speziell, was die Leichtathletik betrifft. In Seoul auch noch zu gewinnen, war fast unwirklich und machte 1988 zu einem sensationellen Jahr.

Welches ist heute Ihr wichtigster Lebensinhalt? Mit Bestimmtheit die Familie - das ist es einfach. Die Chance zu haben, meine Kinder aufwachsen zu sehen, mir Zeit für sie zu nehmen, das ist der Luxus, den mir der Sport gegeben hat.

Sie leben inzwischen in Las Vegas. Wie empfinden Sie den Alltag in dieser speziellen Stadt, und welches sind Ihre Beziehungen zu Ihrem Heimatland und Ihrer Familie? Mir ist es sehr wichtig, meine Familie um mich zu haben. Las Vegas ist die Heimatstadt meines Mannes, aber mittlerweile wohnen auch meine Mutter und mein Bruder in unmittelbarer Nähe. Ich muss sagen, es gibt nichts Besseres, als unsere Kinder alle gemeinsam aufwachsen zu sehen. Mein Bruder hat vier, Andres Bruder eines. Die sind alle etwa im selben Alter. Wir versuchen, viel als Familie zu unternehmen, und es ist unheimlich schön, diesen Zusammenhalt zwischen unseren Kindern und auch unter uns zu sehen. Schade ist nur, dass die Hitze in Las Vegas so schwer ertragbar ist. Im Sommer geht das Thermometer nie unter 34, 35 Grad, oft steigt es sogar über 45. Das ist nicht so einfach mit den Kindern. Deshalb schauen wir, dass wir im Sommer viel unterwegs sind.

Wird in Ihrer Verwandtschaft nur Englisch gesprochen oder auch Deutsch? Nur bei meinen Kindern gibts etwas Deutsch. Ich versuche Deutsch noch zu erhalten und zu verbessern. Aber es wird eigentlich zwischen allen nur Englisch gesprochen, Englisch ist die Hauptsprache. Ich habe über den Sommer versucht, etwas mehr Deutsch hineinzubringen, aber das ist nicht so einfach.

Wie wichtig ist Ihnen Ihre Stiftung Children for Tomorrow, und in welcher Form ist sie heute aktiv? Die Stiftung liegt mir schon sehr am Herzen. Ich habe sie 1998 gegründet, noch in meiner aktiven Laufbahn. Ich hatte im Jahr zuvor Kontakt mit verschiedenen Ärzten und Professoren hergestellt, die mir ihre Problematik nahegelegt haben. Mit der Stiftung helfen wir durch Gewalt traumatisierten Kindern in der ganzen Welt mit therapeutischen Massnahmen. Wir geben ihnen die Möglichkeit, durch Therapie ihre Erlebnisse zu bewältigen. Angefangen haben wir mit Projekten in Hamburg und Kapstadt, Südafrika. Mittlerweile haben wir weitere Projekte in Kosovo, Moçambique und Nordafrika aufgebaut und schon 6000 Kinder erreichen können. Das ist sehr viel, wenn man weiss, dass die Betreuung nie vor sechs Monaten beendet ist und meistens noch länger dauert. Das heisst, die Projekte müssen über viele Jahre haltbar sein und finanziell unterstützt werden.

Wie stark beschäftigt Sie diese Stiftung? Ich bin ziemlich stark involviert. Im Sommer war ich in Eritrea, um dort unseren ersten Kindergarten zu eröffnen. Und Anfang 2009 werden wir unsere erste Station in Hamburg eröffnen, ein eigenes Gebäude, wo wir unsere Therapeuten ausbilden können, die wir danach in die verschiedenen Gebiete entsenden.

Sie spielen auch eine bedeutende Rolle beim Projekt Mrs. Sporty, das Frauen zu mehr Sport antreiben will. Wie kam es dazu, und wie stark sind Sie darin involviert? Der Anstoss kam ursprünglich von einem Freund in den USA, der mit meinem Mann zusammenarbeitet. Wenn man sich mit dem Thema Gesundheit und Bewegung auseinandersetzt, merkt man schnell, dass die Leute sich heute generell zu wenig bewegen und zu wenig Sport treiben. Da kam eben mein Anstoss: Wie kann ich einen persönlichen Sportklub wie Mrs. Sporty betreiben, wie finde ich einen Weg, Frauen in einer angenehmen Atmosphäre zu trainieren und ihnen die Kenntnis über Fitness, Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden näherzubringen? So kamen wir zum Konzept für Mrs. Sporty. Wir haben in den ersten zweieinhalb Jahren schon über 270 Fitnessklubs in Deutschland eröffnet.

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