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«Ich ahmte Federer immer nach»

Der 18-jährige Denis Shapovalov ist die Entdeckung der Saison. An den Swiss Indoors spricht der Kanadier über seinen Durchbruch und warum der Wimbledon-Sieger sein Vorbild ist.

Einst mit Federer-Postern im Schlafzimmer, heute mit dem Basler auf der Tour: Der Kanadier Denis Shapovalov. Foto: Intertopics/Mediapunch
Einst mit Federer-Postern im Schlafzimmer, heute mit dem Basler auf der Tour: Der Kanadier Denis Shapovalov. Foto: Intertopics/Mediapunch

Ihr Ziel Anfang Jahr waren die Top 150. Nun stehen Sie schon unter den ersten 50, nach einem Halbfinal in Montreal und dem Achtelfinal am US Open. Wie fühlt sich das an?

Es ist komplett verrückt, welche Traumsaison mir gelungen ist. Diese zwei Turniere haben mich hochkatapultiert, Top 100, 70, 60, 50 . . . Und ich kann mich noch immer stark verbessern. Gerade auf Sand muss ich noch viel lernen, auch körperlich kann ich noch zulegen.

Was änderte sich durch den Erfolg?

Ich habe mehr Verpflichtungen wie Interviews usw. Aber das ist der Lebensstil, den ich gewählt habe, und das ­gehört dazu. Ich mache es gern und finde, ich mache es sehr professionell.

Spüren Sie die gesteigerte Erwartungshaltung?

Wenn ich spiele, spiele ich für mich, mein Team und mein Land. Wenn jemand schlecht über mich spricht, interessiert mich das nicht. Ich achte auch nicht gross auf die Medien.

Ihre Mutter Tessa war schon Profi. Wie wichtig ist sie für Ihr Tennis?

Ohne sie würde ich bestimmt nicht Tennis spielen. Alles, was ich erreicht habe, verdanke ich ihr. Sie selber hatte nicht viel Geld, konnte nicht viel reisen und kam deshalb nicht so weit, wie es möglich gewesen wäre. Aber mir gab sie ein ­Racket in die Hand und arbeitete permanent mit mir, bis ich 13 war. Dann übergab sie mich einem anderen Coach, sie hat aber immer noch grossen Einfluss, überwacht alles und hilft mir und dem Team. Meine Eltern gaben alles Geld, das sie verdienten, dafür aus, dass ich und mein Bruder so leben konnten, wie wir es wünschten. Und weil unser Verhältnis zum Tennisverband nicht einfach war, bezahlten sie vieles selber. Dafür bin ich sehr dankbar.

Sie werden oft mit Grössen wie Federer oder Borg verglichen. Wie sehen Sie sich selber, welche Vision haben Sie von Ihrem Spiel?

Ich betrachte den Aufschlag als enorm wichtig. Weil ich einer der wenigen Linkshänder bin, verschafft mir das ­Vorteile, und die will ich bestmöglich ausnutzen. Eine andere Stärke ist meine Vorhand, mit ihr attackiere ich unablässig mit vollem Risiko. Wie Roger Federer komme ich auch gerne ans Netz.

Er gibt ein Zitat von Ihnen, dass Sie in Kanada mehr Junge zum Tennis statt zum Eishockey bewegen ­möchten. Mögen Sie Eishockey nicht?

Ich spielte zwar selber nie, aber ich liebe diesen Sport. Wenn ich kein Tennis­spieler wäre, würde ich bestimmt Eis­hockey spielen. Es geht mir auch nicht darum, dass mehr Kids Tennis als Eis­hockey spielen, aber ich wünsche mir, dass sich immer mehr auch im Tennis versuchen. Ich denke, dass das auch langsam geschieht. Hoffentlich können Felix und ich einmal zeigen, dass man es im Tennis weit bringen kann.

Sie sprechen von Felix Auger-Aliassime aus Montreal, der mit 17 schon die Nummer 155 der Welt ist. Wie stehen Sie zu ihm?

Wir sind sehr eng befreundet. Er ist für mich wie ein Bruder.

Was war Ihr grösster Kindheitstraum im Tennis?

Die Wimbledon-Trophäe hochzuhalten. Dass mir das bei den Junioren letztes Jahr gelang, ist fantastisch.

Was fasziniert Sie am Tennis?

Der Wettkampf, wenn es hart auf hart geht. Es ist verrückt, wie intensiv jede Partie ist, meistens entscheiden nur ­wenige Punkte. Letzte Woche verlor ich gegen Escobedo, der die Nummer 114 war, aber wie einer der Top-50 spielte. Dafür schlug ich hier in Basel Sugita, die Nummer 38. Ich liebe diese umkämpften Partien, diese Atmosphäre, wenn beide grossartige Schläge zeigen, vor viel ­Publikum. Davon habe ich mein ganzes Leben geträumt, und nun habe ich die Chance, es zu tun.

Was wollen Sie 2018 erreichen?

Dies werde ich erst nach der Saison ­definieren. Für mich folgen ja noch Turniere in Paris und Mailand (Saisonfinal der besten unter 21-Jährigen).

Welches sind Ihre ersten Eindrücke von der Schweiz?

Ich bin gerne hier. Vor dem Turnier war ich für einen Sponsor in einem Vorort (er meint La Chaux-de-Fonds), und die Landschaft mit den Bergen war herrlich. Ich lief auch schon durch die Altstadt. Alles war so schön und sauber. Die alten Gebäude erinnerten mich an Prag. Es ist cool, in Federers Heimat zu sein, wo er aufwuchs.

Stimmt es, dass er Ihr Idol war?

Ja, und er ist es immer noch. Ich versuchte immer, ihn nachzuahmen, seine Schläge zu kopieren, vor allem mit der Rückhand. Ich hatte Poster von ihm an den Wänden, ging mit ihm schlafen und wachte mit ihm wieder auf.

Wie gut kennen Sie ihn?

Ich schlug mit ihm in Kanada schon Bälle, als ich 14 oder 15 war, dieses Jahr auch in Australien. In letzter Zeit spielten wir oft die gleichen Turniere und sprechen immer mal wieder miteinander. Er ist ein unglaublicher Typ und im richtigen Leben genau so, wie er am Fernsehen rüberkommt. Einfach ein Gentleman. Kürzlich unterhielt er sich zehn Minuten lang mit meinem Team. Nach etwa zwei Minuten dachte ich: Was, Roger spricht mit uns? Er hat hier wahrscheinlich viel zu tun, doch er nimmt sich Zeit, um mit Leuten wie uns zu sprechen? Das zeigt seinen Charakter.

Zu einer Partie gegen Federer kamen Sie bisher noch nie.

In Montreal war ich nahe dran. Doch weil ich im Halbfinal Zverev unterlag, kam es leider nicht dazu.

Das Interview wurde ermöglicht durch TAG-Heuer, einen Vertragspartner des Kanadiers.

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