Hingis’ indischer Sommer

Wie in Wimbledon gewinnt sie mit Mirza und Paes am US Open Doppel und Mixed – ihre Majortitel 19 und 20.

Das beste Frauendoppel: Martina Hingis (l.) und Sania Mirza. Foto: Robert Deutsch

Das beste Frauendoppel: Martina Hingis (l.) und Sania Mirza. Foto: Robert Deutsch

René Stauffer@staffsky

Martina Hingis und Sania Mirza liessen die Rackets fallen, hüpften, fielen sich in die Arme. Auch im Final gaben sie an diesem Sonntag keinen Satz ab, schlugen Casey Dellacqua und Jaroslawa Schwedowa in 70 Minuten 6:3, 6:3 und holten ihre zweite gemeinsame Grand-Slam-Trophäe nach Wimbledon. Der 34-jährigen St. Gallerin gelang damit das «doppelte Double», indem sie wie im All England Club auch in Flushing Meadows beide Doppelwettbewerbe gewann. Auch im Mixed siegte sie mit ­einem indischen Partner, dem 42-jährigen Leander Paes.

5. Grand-Slam-Titel des Jahres

Mit Paes hatte sie schon in Melbourne triumphiert, womit sie dieses Jahr ihre Sammlung an Grand-Slam-Trophäen um fünf auf zwanzig erhöhen konnte. «So etwas hätte ich nie erwartet», sagte Hingis und wies darauf hin, dass ihr diese Erfolge heute mehr bedeuten als in ihrer ersten Karriere. Fünf Majortitel hatte sie erst einmal geholt – 1998, als sie auch ­ihren bisher einzigen Doppeltitel am US Open errang. Sie vollendete damit damals den Doppel-Grand-Slam: In Melbourne, wo sie auch im Einzel triumphierte, hatte sie mit Mirjana Lucic gewonnen, die weiteren drei Titel holte sie mit der Tschechin Jana Novotna.

Hingis und Mirza hatten sich Anfang März zusammengetan mit dem erklärten Ziel, Grand-Slam-Titel zu gewinnen. In New York fehlte das neben ihnen stärkste Paar: Bethanie Mattek-Sands/Lucie Safarova, die Melbourne- und ­Paris-Siegerinnen, erklärten nach einer Verletzung der Tschechin Forfait. Hingis/Mirza kamen bereits zum sechsten Turniersieg und sind klar die Nummer 1.

«Es ist schade, dass wir uns nicht früher gefunden haben. Wir ergänzen uns so gut», sagte Mirza, die von der Grundlinie ungemeinen Druck entwickelt, während Hingis am Netz die Flugbälle meisterhaft platziert. 2014 hatte die Ende Monat 35 Jahre alt werdende Ostschweizerin den Doppelfinal am US Open neben Flavia Pennetta noch verloren. Nun verlassen beide New York siegreich, wenn auch nicht Seite an Seite. Hingis/Mirza können sich 570'000 Dollar Preisgeld teilen, für den Sieg im Mixed gab es 150'000 Dollar. Mit Paes wurde die einst jüngste Nummer 1 des Frauentennis zum ersten gemischten Doppel seit 1969 und Margaret Court/Marty Riessen, das im gleichen Jahr drei Grand Slams gewinnt.

Neuer indischer Sponsor

Die Erfolge von Hingis/Mirza sind auch die Folge einer hochprofessionellen Vorbereitung. Die zwei pflegen ihre Partien auf Video aufzunehmen und die Gegnerinnen genau zu analysieren. Dabei hatte ihre Partnerschaft einst höchst zwiespältig begonnen. «In unserem ersten gemeinsamen Training in Doha ­waren wir wirklich schlecht, es war ­unser schlechtestes überhaupt», erinnerte sich die 28-jährige Mirza gestern.

Hingis bestätigte, dass sie auch 2016 mit den gleichen Partnern weiterfahren wird. «Ein Aufhören steht gar nicht in- frage, immerhin dominieren wir das Doppel und haben Spass zusammen», ergänzte Mirza. «Wir sind inzwischen gute Freundinnen geworden und vertrauen uns auf und neben dem Court.»

Ihren erfolgreichen indischen Partnerschaften hat Hingis auch einen neuen Sponsor zu verdanken. Neu figuriert das Logo QNet auf ihrer Kleidung, wobei es sich um eine international tätige indische Firma handelt, die im Internet-Direktverkauf tätig ist. Die Doppelspezialistin steht nun vor einem gedrängten Programm. Nach der Rückkehr in die Schweiz folgt der nächste Trip nach Asien, für drei Turniere und zwei Abstecher zu Sponsoren in Tokio und Dubai.

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