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Federers späte Chance zur Revanche

In Belgien erlebte Roger Federer seine schlimmste Begegnung im Davis-Cup. In Lausanne soll ab heute gegen den gleichen Gegner alles viel besser werden.

Hartes Los für das Schweizer Davis-Cup-Team: In der ersten Runde der Weltgruppe treffen Federer und Co. auf die amerikanischen Tennis-Cracks. 2007 konnte das Team um Roddick und Blake die «hässlichste Salatschüssel der Welt» gewinnen. Die USA sind Rekordsieger im prestigeträchtigen Nationen-Wettkampf.
Hartes Los für das Schweizer Davis-Cup-Team: In der ersten Runde der Weltgruppe treffen Federer und Co. auf die amerikanischen Tennis-Cracks. 2007 konnte das Team um Roddick und Blake die «hässlichste Salatschüssel der Welt» gewinnen. Die USA sind Rekordsieger im prestigeträchtigen Nationen-Wettkampf.
Keystone
Roger Federer hat angekündigt, dass er die erste Partie im Davis-Cup 2009 bestreiten wird. Dass der Gegner USA heisst, wird ihn zusätzlich anspornen.
Roger Federer hat angekündigt, dass er die erste Partie im Davis-Cup 2009 bestreiten wird. Dass der Gegner USA heisst, wird ihn zusätzlich anspornen.
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Patrick McEnroe ist seit dem Jahr 2000 der Captain des amerikanischen Davis-Cup-Teams. Er zeigte sich nach der Halbfinal-Niederlage gegen Spanien in Madrid sehr sportlich und gratulierte Rafael Nadal für dessen Leistungen. McEnroe, der Bruder des berühmteren John, war als Doppelspieler ein sicherer Wert für die USA.
Patrick McEnroe ist seit dem Jahr 2000 der Captain des amerikanischen Davis-Cup-Teams. Er zeigte sich nach der Halbfinal-Niederlage gegen Spanien in Madrid sehr sportlich und gratulierte Rafael Nadal für dessen Leistungen. McEnroe, der Bruder des berühmteren John, war als Doppelspieler ein sicherer Wert für die USA.
Keystone
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Vieles ist seit dem Sommer 1999 passiert. Doch Roger Federer erinnerte sich auch gestern, bei der Auslosung der Davis-Cup-Partie gegen Belgien im Olympischen Museum von Lausanne, noch gut an die Vorkommnisse in jenem Viertelfinal in Brüssel. Wie Marc Rosset kurzfristig krank geworden war - und er sich bei seinem erst zweiten Davis-Cup-Einsatz plötzlich in der Leaderrolle fand, mit nicht einmal 18 Jahren. Wie er als Nummer 109 gegen Christophe van Garsse (146) nach einer 2:1-Satzführung Krämpfe bekam; wie er gegen Xavier Malisse (111) im vierten Satz bei 5:5 einen Smash verzog und das Tiebreak und den Match verlor, obwohl nun der Gegner wegen Krämpfen kaum laufen konnte.

Federer blieb in Brüssel sieglos, als einziges Mal in bisher 17 Davis-Cup-Begegnungen. Er war danach in Tränen aufgelöst und wurde von einer belgischen Zeitung sogar zynisch als «Weihnachtsmann» bezeichnet. «Es war damals ein Schock für mich, plötzlich Leader zu sein», blickt er nun zurück. «Ich war noch jung und zu wenig fit.» Jene Niederlage habe das Team weit zurückgeworfen, zumal darauf Captain Claudio Mezzadri entlassen und durch den von ihm ungewünschten Jakob Hlasek ersetzt worden war, so Federer. Er habe lange gebraucht, um jene Niederlage zu verarbeiten, «und dies ist nun eine Möglichkeit zur Revanche».

Wawrinkas erstes Heimspiel

Malisse (ATP 163) gehört zwar erstmals seit vier Jahren wieder zum belgischen Team, das seit 1999 je zweimal ab- und aufstieg und in Lausanne gegen die Relegation spielt. Er ist aber nur Ersatz. Federer bekommt es heute mit dem 1,93 m grossen und 26 Jahre alten Kristof Vliegen (ATP 95) zu tun, der im Davis-Cup 2007 Lleyton Hewitt schlug und in den letzten Wochen Challengerturniere in Düsseldorf und Genf gewann. «Vliegen ist ein grosses Talent und vor allem auf schnellen Böden stark», so Federer, der 22 seiner letzten 24 Einzel im Davis-Cup gewonnen hat, darunter die letzten 9.

Am meisten unter Druck steht in der Patinoire de Malley der Lausanner Stanislas Wawrinka, der zum ersten Mal im Davis-Cup vor seinem Heimpublikum antreten kann. Der HC-Lausanne-Fan trifft erstmals auf den 24-jährigen Steve Darcis, den als Nummer 58 bestklassierten Belgier, der in Memphis dieses Jahr sein erstes ATP-Turnier gewann. «Von einer solchen Begegnung träume ich seit Jahren», sagt der 23-jährige Weltranglistenneunte. «Die Stimmung wird grossartig sein. Darcis ist ein kompletter Spieler, aber ich bin zuversichtlich und fit, das ist das Wichtigste.»

Wawrinka hatte 2004 offiziell nicht zum Team gehört, das beim letzten Auftritt in Lausanne im Viertelfinal gegen Frankreich antrat. Damals spielte Federer erstmals als Nummer 1 in der Schweiz auf, wobei er so frenetisch gefeiert wurde, dass er im Rückblick von der besten Atmosphäre spricht, die er in diesem Wettbewerb erlebt hat. Die jetzige Ausgangslage erinnere ihn etwas an damals, sagt Federer mit Blick auf den Olympiasieg im Doppel und seinen 5. Coup am US Open. «Die Atmosphäre dürfte wieder unvergleichbar werden.»

In allen Partien favorisiert

Gegen Frankreich verlor die Schweiz damals, obwohl Federer beide Einzel gewann. Gegen Belgien sind die Schweizer nun in allen fünf Partien favorisiert. Sie wollen sich die Möglichkeit nicht entgehen lassen, dem 2007 in Prag erlittenen ersten Abstieg seit 13 Jahren den sofortigen Wiederaufstieg in die Weltgruppe folgen zu lassen.

Deshalb ist auch noch offen, ob morgen Wawrinka/Federer tatsächlich ihr erstes gemeinsames Davis-Cup-Doppel bestreiten werden. «Das ist zwar die logischste Paarung», sagte Captain Severin Lüthi, «aber wir werden am Freitagabend die Lage nochmals besprechen.» Sollte einer der beiden zu viele Kräfte verlieren oder im Hinblick auf den Sonntag geschont werden müssen, stünde mit Yves Allegro eine valable Alternative bereit.

Nicht mehr zum offiziellen Team gehört nach Federers Rückkehr der Dübendorfer Michael Lammer (ATP 395), der den vierten Platz dem Genfer Stéphane Bohli (126) überlassen musste. Lammer gewann zwar im Februar in Kreuzlingen neben Allegro das Doppel gegen das polnische Weltklasseduo Fyrstenberg/Matkowski - doch eine solche Referenz reicht nicht mehr für einen Platz im Schweizer Team. Für das soll der Aufstieg nämlich nur eine Zwischenstation sein auf dem Weg zum erstmaligen Gewinn der «hässlichsten Salatschüssel der Welt».

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