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Federer lief die Zeit davon

Trotz des vorzeitigen Aus am US Open bleibt es für Roger Federer ein grossartiges Jahr. Doch er darf bei der Gesundheit keine Kompromisse machen.

MeinungSimon Graf
Roger Federer unterliegt im Arthur Ashe Stadium in New York dem Argentinier Juan Martin Del Potro. (Video: Tamedia/SRF)

Es wäre ein Witz, wenn er auch noch das US Open gewinnen würde, sagte Roger Federer vor ein paar Wochen. Leider verpatzte er nun die Pointe. Seine Traumsaison nahm für ihn in Nordamerika eine ungute Wendung. Er überraschte viele, als er bereits Anfang August in Montreal antrat und nicht erst in Cincinnati. Und weil er an seinem Geburtstag am 8.8. nicht spielen wollte, musste er dies danach fünf Tage in Serie tun. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Prompt meldete sich im Final gegen Alexander Zverev der Rücken wieder, und in den zwei Wochen bis zum US Open lief ihm die Zeit davon.

Federer unternahm alles, um einen Start in New York möglich zu machen. Und die gute Nachricht ist, dass er trotz mehrer Marathonmatches keinen Rückfall hatte, er die Saison voraussichtlich planmässig fertigspielen kann. Doch er fand in Flushing Meadows, fast ohne Vorbereitung angetreten und mit vielen Fragezeichen, nie zu seinem Spiel. Weil er in den ersten Runden Gegner hatte, die entweder unerfahren (Tiafoe) waren oder nicht wissen, wie man gegen ihn gewinnt (Juschni, Lopez, Kohlschreiber), kam er durch bis in den Viertelfinal. Doch wer gehofft hatte, er habe in den ersten neun Tagen wieder genug Spielpraxis und Vertrauen gesammelt, um gross aufzuspielen, wurde gegen Juan Martin Del Potro bitter enttäuscht.

Seine Zielstrebigkeit verdient Respekt

Federer spielte viel zu fehlerhaft und in den entscheidenden Momenten zu hektisch. Vor allem da war seine Unsicherheit zu spüren. Nichts mehr war zu sehen von seiner Souveränität von Wimbledon. Seine Einschätzung, er hätte gegen Rafael Nadal in dieser Form keine Chance gehabt, ist zutreffend. Es verdient trotzdem Respekt, mit was für einem positiven Denken und welcher Zielstrebigkeit der 36-Jährige versuchte, sich in New York trotz denkbar ungünstigen Voraussetzungen in eine gute Position auf den Titel zu bringen. Aber er konnte es nicht erzwingen.

Trotzdem bleibt es mit zwei Grand-Slam-Titeln ein grossartiges Jahr für ihn, das die Zuversicht auf weitere grosse Siege nährt. Federer ist aber gut beraten, die Signale seines Körpers ernst zu nehmen und in diesem Herbst beim geringsten Zweifel Turnierstarts abzusagen. Auch wenn es wehtun könnte wie bei der Premiere des Laver Cups in zwei Wochen, bei dem er ja selbst Mitbegründer ist. Doch Kompromisse bei der Gesundheit duldet es bei ihm in dieser Phase seiner Karriere keine.

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