Exploit von Belinda Bencic

Die 18-jährige Ostschweizerin schlägt erstmals in ihrer Karriere eine Top-5-Spielerin. Nach dem klaren Sieg gegen Caroline Wozniacki erklärte Bencic, was sich zu früher änderte.

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René Stauffer@staffsky

Obwohl Stan Wawrinka schon im Startspiel gescheitert ist, stehen in der Nacht auf den Mittwoch gleich drei der vier gestarteten Schweizer in den Achtelfinals von Indian Wells, dem Rentner- und Golfmekka in der kalifornischen Mojave-Wüste. Einen Tag nach Timea Bacsinszky schlug auch ihre Fed-Cup-Kollegin Belinda Bencic eine Top-10-Spielerin – wobei es sich bei ihrem Opfer sogar um die Nummer 5 handelte, Caroline Wozniacki. «Sie war früher mein Vorbild, mein Idol. Ich sah sie oft am Fernsehen und wollte auch so spielen wie sie», sagte die Nummer 37, «zudem ist sie eine der nettesten Spielerinnen auf der Tour. Sie war eine der Ersten, die mich grüsste und mit mir trainierte.»

Bencic trifft nun auf die Serbin Jelena Jankovic (WTA 21), gegen die sie am US Open 2014 auf dem Weg in die Viertelfinals zu einem ihrer grössten Siege gekommen war. Doch wie war es möglich, dass sie mit Wozniacki eine Gegnerin so klar (6:4, 6:4) schlug, gegen die sie die erste Partie im vergangenen Jahr in Istanbul noch 0:6, 0:6 verloren hatte? Sie wusste die Antwort: «Damals war ich nervös, hatte Angst und zu viel Respekt vor ihr», gibt sie rückblickend zu. «Zudem hatte ich diesmal die richtige Taktik und servierte sehr gut.» Der Plan, den sie mit Melanie Molitor – der Mutter von Martina Hingis, mit der sie regelmässig in der Schweiz trainiert – und ihrem Vater ausgeheckt hatte, bestand darin, geduldig zu bleiben. «Ich durfte nicht zu früh den Punktgewinn suchen, weil das wohl zu vielen Fehlern geführt hätte», so Bencic.

Die Baisse nicht dramatisiert

Das tönt einfacher, als es war. Doch die in Wollerau wohnende Ostschweizerin zeigte auch wieder einmal in einem Ernstkampf jene Qualitäten, die sie zum Newcomer des Jahres 2014 und einem der viel versprechendsten Teenager auf der WTA-Tour gemacht haben. Dabei schien sie eben noch in einer kleinen Krise zu stecken, hatte sie doch zwei ihrer ersten sieben Partien der Saison gewonnen. «Mein Start in dieses Jahr war zwar nicht gut, aber das ist normal, es kann nicht immer nur aufwärts gehen», sagte sie. Mit dem ersten Sieg im vierten Spiel gegen eine Top-5-Spielerin zeigte sie nun, dass sie und ihr Umfeld richtig auf die schwierige Phase reagiert haben.

Bemerkenswert war zudem, wie abgeklärt Bencic in den wichtigen Momenten reagierte und wie gut sie aufschlug; im zweiten Satz musste sie nicht einmal einen Breakball abwehren, obwohl Wozniacki enorm viel Druck machte. «Zweimal gelang es mir, bei 5:4 den Satz auszuservieren. Ich spielte sehr solide und geriet auch nie in Panik, spielte kontrolliert, aber trotzdem aggressiv», freute sie sich. Ob sie die aktuelle Siegesserie von Timea Bacsinszky inspiriert habe? Ein wenig schon, sagte sie: «Aber Tennis ist ein Einzelsport, in dem man sich vor allem auf sich selber konzentriert.»

Alle Spiele mitten in der Nacht MEZ

Die Partie Bencic - Jankovic findet mitten in der Nacht auf morgen auf Court 3 statt, gleich nach der Begegnung zwischen Bacsinszky, die mit Jekaterina Makarowa die Nummer 9 geschlagen hatte, und Switolina. Roger Federer darf derweil in der Nightsession (ab 3 Uhr morgens MEZ) auf dem Centre Court gegen Andreas Seppi antreten.

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