Djokovic jagt Federer – und die Nummer 1

In Shanghai beginnt der Endspurt einer Saison, die sich für die beiden völlig unterschiedlich entwickelt hat.

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René Stauffer@staffsky

Während das Shanghai Masters für Stan Wawrinka gegen Borna Coric bereits zu Ende ging, muss sich Roger Federer in China noch gedulden. Er greift nach seinem Freilos erst am Mittwoch ein, was bedeutet, dass er fünf Tage in Folge spielen müsste, um seinen Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Der Grund für diesen Spätstart ist Daniil Medwedew, der erst heute mit dem Chinesen Zhang Ze seinen ersten Gegner ausmacht. Der Russe hatte nach seinem Finalsieg über Kei Nishikori in Tokio – seinem dritten und grössten Titel des Jahres – gestern einen Tag Pause zugute. Als Nummer 22 ist der 22-Jährige besser denn je klassiert.

Federer nur zweiter Favorit

Obwohl Federer in Abwesenheit von Rafael Nadal (Knieprobleme) topgesetzt ist, ist er im ­Qi-Zhong-Stadion nur zweiter Favorit. Mann der Stunde ist Novak Djokovic, der zuletzt in Cincinnati und New York 13 Partien in Folge gewann, nachdem er im Juli schon Wimbledonsieger geworden war. In der Jahreswertung (Race to London) ist der Serbe an Federer bereits vorbeigezogen und hat realistische Chancen, zum 5. Mal eine Saison als Erster zu beenden.

«Die letzten drei Monate verliefen hervorragend», sagt der 31-jährige Serbe, der in Shanghai heute gegen Jérémy Chardy antritt. «Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass ich zwei Grand Slams gewinnen und um die Nummer 1 kämpfen würde, wäre mir das unrealistisch erschienen.» Sollte er in Shanghai zum vierten Mal gewinnen, läge er im Race nur noch 35 Punkte hinter Nadal und hätte ausgezeichnete Chancen, wieder an die Spitze zurückzukehren, nach zwei Jahren Unterbruch.

Ohne Chance auf die Nummer 1

Djokovic hatte in den ersten drei Monaten der Saison nur drei Partien gewonnen und sich im Februar am Schlagarm operieren lassen. Federer startete derweil mit 17 Siegen in Folge so gut wie nie zuvor in ein Jahr. Seit dem Final in Indian Wells, den er gegen Juan Martin Del Potro trotz Matchbällen verlor, gewann er aber nur noch 19 von 25 Partien, seine Saisonbilanz nach neun Turnieren steht bei 36:6.

Federer löste zwar dieses Jahr Nadal dreimal als Nummer 1 ab und stand noch im Juni letztmals zuoberst. Inzwischen mit 37 der älteste Top-100-Spieler, hat er aber keine Chancen mehr, in diesem Jahr nochmals in den Kampf um die Spitze einzugreifen. Im Gegenteil: Er hat in Shanghai, Basel und London noch 2100 seiner 6900 Weltranglistenpunkte zu verteidigen und liegt im Race nur noch an vierter Stelle, hinter Nadal, Djokovic und Del Potro.

Der Weg zurück zum Siegen

Federer musste seine letzten vier Turniere als Verlierer verlassen, gegen Borna Coric (Halle), Kevin Anderson (Wimbledon), Djokovic (Cincinnati) und John Millman (US Open). Für ihn geht es vor allem darum, zum Siegen zurückzufinden. Drei Pokale hat er bisher dieses Jahr errungen, in Melbourne, Rotterdam und Stuttgart. Sein Total steht seit Juni bei 98 Turniersiegen. Die Marke von 100 hat erst Jimmy Connors erreicht.

Für Stan Wawrinka entwickelte sich der Abstecher nach Asien nicht wie erhofft. Nach der Zweitrundenniederlage gegen Denis Shapovalov in Tokio schied der Lausanner (ATP 69) in Shanghai mit Coric gegen einen Spieler aus, gegen den er alle drei ­vorangegangenen Duelle gewonnen hatte. Er unterlag dem 21-jährigen Kroaten (ATP 21) nach knapp zwei Stunden 6:4, 4:6, 3:6. Dabei kam er im zweiten Satz bei 3:3 noch zu zwei Breakchancen, ehe er zum 4:6 erstmals gebreakt wurde.

Danach entglitt ihm die Partie, das Break zum 1:3 verschuldete er mit einem seiner 38 unerzwungenen Fehlern (bei 33 Winnern). Es war bereits die Entscheidung. Wawrinkas Saison­bilanz steht nun bei 17:17, wobei acht seiner Niederlagen in Entscheidungssätzen zustande kamen, zuletzt drei in Folge.

Tages-Anzeiger

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