Zum Hauptinhalt springen

Djokovics Aprilscherz zu Weihnachten

Novak Djokovic holt Boris Becker an seine Seite. Dumm nur: Der Deutsche wird als Coach nie ernst genommen werden.

Der erste Reflex ist ein Blick auf den Kalender. Aber nein, es ist nicht der 1. April, sondern der 18. Dezember, und die Meldung, dass Novak Djokovic Boris Becker zu seinem Chefcoach macht, stimmt tatsächlich.

Tennisexperten weltweit kratzen sich seither am Kopf. Zwar ist Becker mit seinem reich befrachteten Palmarès einer der erfolgreichsten Spieler der Geschichte, und der sechsfache Grand-Slam-Sieger ist an grossen Turnieren als BBC-Kommentator auch noch gelegentlich präsent. Aber wirklich ernst genommen wird er in der Branche inzwischen nicht mehr von vielen. Zu oberflächlich bleiben seine Kommentare, zu wenig Tiefgang haben seine Analysen, in sehr seichte Gebiete ist er in seinem Privatleben abgedriftet – nach dem Motto: Hauptsache, es wird über mich gesprochen.

Die grosse Frage ist deshalb: Was sieht Djokovic im Deutschen, das ihn weiterbringen könnte? Natürlich war Becker als Offensiv- und Netzspieler einst in einer Domäne stark, in welcher der Serbe noch Verbesserungspotenzial aufweist. Doch das Tennis hat sich verändert, und zudem geht Becker bisher fast jegliche Coachingerfahrung ab. Er ist kein Arbeiter wie Ivan Lendl, der es geschafft hat, Andy Murray zum Wimbledon-Sieg zu führen. Seit seinem Rücktritt war er vornehmlich in eigener Sache und in tennisfremden Domänen unterwegs, heute hier und morgen dort, ein Hansdampf in allen Gassen, ein Strahlemann mit einer schönen Prise Selbstverliebtheit. Deshalb stellt sich auch die Frage, wie er es schaffen will, sich nun plötzlich ganz in den Dienst eines Zweiten zu stellen.

Djokovics Schritt mutet verzweifelt an, doch dazu hat der Serbe keinen Grund. Immerhin gewann er auch dieses Jahr mit dem Australian Open und den ATP-Finals zwei grosse Turniere und verpasste den Wimbledon-Sieg und die Nummer 1 nur knapp. Wer darauf wetten will, dass diese neue Verbindung das Jahr 2014 übersteht, sollte seinen Einsatz jedenfalls sehr vorsichtig dosieren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch