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Die Tränen von Onkel Toni

Der zehnte Pariser Titel von Rafael Nadal wurde besonders gefeiert – und sorgte für Gefühlsausbrüche.

Das muss Liebe sein: Rafael Nadal herzt die Coupe des Mousquetaires.
Das muss Liebe sein: Rafael Nadal herzt die Coupe des Mousquetaires.
Keystone
Von den Emotionen überwältigt: Der Champion sinkt nach dem verwandelten Matchball zu Boden.
Von den Emotionen überwältigt: Der Champion sinkt nach dem verwandelten Matchball zu Boden.
AFP
Der Court Philippe Chatrier ist so etwas wie das sportliche Wohnzimmer von Rafael Nadal. Neun Titel holte er bsi 2014 hier.
Der Court Philippe Chatrier ist so etwas wie das sportliche Wohnzimmer von Rafael Nadal. Neun Titel holte er bsi 2014 hier.
AFP
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Für die «Décima» hatten sich die Organisatoren etwas Spezielles ausgedacht. Ein Film mit Szenen von allen zehn ­Paris-Siegen Rafael Nadals flimmerte über die Leinwand. Ein paarmal huschte auch Roger Federer durchs Bild. Was man auch sah: Früher war die Haarpracht des Spaniers noch etwas reicher gewesen. Doch die Leidenschaft des 31-Jährigen ist ungebrochen.

Und dann betrat Onkel Toni die Arena, mit einer Nachbildung des Coupe des Mousquetaires. Es war ein Moment mit Symbolcharakter, als Toni Rafael diese Trophäe übergab. Denn für den Mann, der den 15-fachen Majorsieger geformt hat, den Rechtshänder zum linkshändigen ­Tennisspieler machte, war es das letzte Roland Garros. Per Ende Jahr tritt der 56-Jährige als sein Trainer zurück, widmet er sich ganz der Nachwuchsakademie auf Mallorca.

Als er später in der Player’s Lounge von Reportern umringt wurde und in ­gebrochenem Französisch Auskunft gab, waren Toni Nadals Augen gerötet. Er hatte geweint, und während des Interviews musste er auch plötzlich einhalten, vergrub er das Gesicht in seinen Händen. Wenn ein Mann in diesem Alter weint, hat das etwas sehr ­Berührendes. Sofort schnellten alle ­Mikrofone zurück. Doch er fing sich schnell wieder.

Allein Nummer 2 hinter Federer

«Jetzt ist Rafa eine Legende!», schmetterte ihm eine französische Radioreporterin entgegen. «Eine Legende? Nein, so denke ich nicht», gab er zurück. «Er ist mein Neffe, keine Legende. Aber er ist ein sehr guter Tennisspieler. Das stimmt.» Viele hätten ihn in den letzten Jahren gefragt, ob Rafael nochmals ein Grand-Slam-Turnier gewinne, erzählte er. «Ich sagte immer: Ja. Es wird nicht einfach. Aber es ist möglich. Im Leben ist so vieles möglich.»

Bei Titel Nummer 10 war sein Neffe sogar so überlegen wie noch nie. So ­wenige Games wie diesmal hatte er noch nie abgegeben (35). Zum dritten Mal siegte er ohne Satzverlust – wie 2008 und 2010. Zehn Titel am gleichen ­Turnier, das hatte er zuvor schon in ­Barcelona und Monte Carlo geschafft. An einem Grand Slam ist es eine Marke für die Ewigkeit, die höchstens er noch verbessern kann. Roger Federer und Pete Sampras gewannen Wimbledon je siebenmal.

Apropos Sampras. Mit dem 15. Grand-Slam-Titel schob sich Nadal vor Pete Sampras, ist die alleinige Nummer 2 und wieder nur noch drei Majorsiege von Federer entfernt. Und mit der ­aggressiveren Spielweise, die er seit ­Jahresbeginn pflegt, dürfte er auch auf schnelleren Unterlagen wieder bessere Chancen ­haben.

Das Knie wird entscheiden

Wie es seinem Naturell entspricht, gab er sich für Wimbledon aber skeptisch. «Ich liebe es, auf Rasen zu spielen», sagte er. «Aber ich muss hoffen, dass meine Knie dieser Belastung stand­halten. Denn wenn ich Schmerzen habe, wird es für mich fast unmöglich sein. Ich muss gut in die Knie gehen können, um in Wimbledon gut zu spielen.»

2012, 13, 14 und 15 scheiterte er in London früh, 2016 konnte er wegen seiner Handgelenkverletzung nicht antreten. Doch in diesem Jahr blieb er beschwerdenfrei. Das weckt bereits wieder Fantasien. «Federer hat ja gezeigt, dass man auch mit 35 noch Majors gewinnen kann», sagte jemand zu Onkel Toni. «Schafft das Rafa auch in Paris?» «Ich hoffe, Rafael kann hier nächstes Jahr nochmals gewinnen», sagte er mit ruhiger Stimme. Und wird er dann hier sein, auf der Tribüne? Er lächelte: «Wenn mir Rafael das Flugticket kauft, komme ich.»

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