Zum Hauptinhalt springen

Wawrinkas Zeigefinger als gutes Omen

Stan Wawrinkas Steigerungslauf in New York könnte ihn zum 3. Major-Titel führen.

MeinungSimon Graf
Der Kopf ist stark, sind es auch Wawrinkas Beine? Der Schweizer trifft heute Nacht (nicht vor 24 Uhr) im Halbfinal des US Open auf Kei Nishikori. Foto: Jerry Lai (Reuters)
Der Kopf ist stark, sind es auch Wawrinkas Beine? Der Schweizer trifft heute Nacht (nicht vor 24 Uhr) im Halbfinal des US Open auf Kei Nishikori. Foto: Jerry Lai (Reuters)

Da war sie wieder, die Geste, die man vom Australian Open 2014 kennt: Stan Wawrinka tippte sich mit dem rechten Zeigefinger an den Kopf, als er sich in diesem zähen, lange so ausgeglichenen Viertelfinal gegen Juan Martin Del Potro endlich einen Vorteil verschafft, mit einem Rückhandwinner die Linie entlang das wegweisende Break im dritten Satz realisiert hatte.

Damit bedeutete er: Es spielt sich alles hier drin im Kopf ab. Es ist für die Gegner kein gutes Zeichen, wenn der Zeigefinger Wawrinkas kommt. Auch am French Open 2015 sah man ihn immer wieder. Und wie in ­Melbourne gewann er da auch das Turnier, mit einem Abschlussfeuerwerk im Final gegen Novak Djokovic.

Dritter Halbfinal in vier Jahren

Man kennt Wawrinka als unberechenbar und heissblütig. Sein Coach Magnus Norman, der ruhende Pol, verzweifelt zuweilen fast daran, wie wenig es braucht, um den Vaudois aus der Fassung zu bringen. Doch an Grand Slams ist alles anders, zeigt ­Wawrinka seit Jahren eine imposante Konstanz. An 11 von 15 Majors erreichte er zuletzt mindestens den Viertelfinal, am US Open steht er zum dritten Mal seit 2013 im Halbfinal. Und obschon es ihm diesmal in New York lange nicht nach Wunsch lief, er in Runde 3 gegen Daniel Evans sogar einen Matchball abwehren musste, bewahrte er seine Beherrschung, seinen Fokus.

Er gehe die Grand Slams, weil sie ihm so viel bedeuteten, eben mit einer anderen Konzentration an, erklärte er am Donnerstag früh. Zudem gibt ihm die Formel «Best of 5» mehr Marge. An einem normalen Turnier wäre er gegen Evans ausgeschieden. Worauf man sich bei Wawrinka an Majors auch verlassen kann: dass er je länger, desto besser spielt. Er habe gewusst, dass er gegen Del Potro seinen mit Abstand besten Match zeigen müsse, sagte er – der gelang ihm auch. Es war gegen den schlagstarken Argentinier eine reife Leistung. Ist Wawrinka erst einmal in der zweiten Woche, misslingt ihm kaum mehr ein Auftritt. In Melbourne unterlag er einem entfesselten Milos Raonic (im Achtelfinal), in Paris verlor er den Halbfinal gegen einen starken Andy Murray.

Dass der Schotte nun nicht auch in Flushing Meadows sein Halbfinalgegner ist, eröffnet ihm gute Perspektiven. Gegen Kei Nishikori liegt der Sieg in ­seinen Händen. Der Japaner hat in New York zwar zu seinem besten Niveau zurückgefunden, aber er ist ein Spieler, der Wawrinka keine grundsätzlichen Probleme bereitet. Das zeigt auch dessen positive Bilanz gegen ihn (3:2).

Der Lausanner unterlag Nishikori zwar Ende Juli in Toronto, vergab da aber vier Satzbälle, ehe der Faden riss. Jene Partie kann ihm nun zur Spielvorbereitung dienen. Und er ist ja bekannt dafür, mehr aus Niederlagen als aus Siegen zu lernen. Das ist für ihn ja auch die Botschaft des Zitats von Samuel Beckett («Fail better»), das er auf den linken Unterarm tätowieren liess.

Nishikori ist kein Angstgegner

2013 und 2015 hatte Wawrinka im New Yorker Halbfinal mit Djokovic und Federer zwei Gegner, gegen die er sich traditionell schwertut. Bei Nishikori ist das nicht der Fall. Und dann bleibt noch der Verweis, dass Wawrinka seine letzten zehn Finals gewonnen hat.

Fragt sich nur, wie gut er die Strapazen der letzten Tage wegsteckt. Keiner der Halbfinalisten hat so viel Zeit auf dem Court verbracht wie er (14 Stunden, 44 Minuten), davon entfielen fast 10 Stunden auf seine letzten drei ­Partien. Doch auch Nishikori hatte ­intensive Matches, spielte schon exakt 13 Stunden. Wawrinka weiss, sein Spielniveau stimmt, das Training konnte er deshalb gestern getrost ausfallen lassen. Und schliesslich bevorzugt er einen Spitznamen, der seine physischen Stärken betont: Stanimal.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch