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Der Kraftprotz und der Surfboy

Mischa Zverev (29) fordert in Wimbledon Roger Federer, sein Bruder Alexander (20) gilt als künftige Nummer 1.

Ungleiche Brüder: Mischa (l.) und Alexander Zverev, hier bei einem gemeinsamen Doppelauftritt in Halle. (25. Juni 2017)
Ungleiche Brüder: Mischa (l.) und Alexander Zverev, hier bei einem gemeinsamen Doppelauftritt in Halle. (25. Juni 2017)
Keystone
Ein Mann wie eine Machine: Mischa Zverev würde auch als Eishockeyspieler durchgehen. (4. Juli 2017)
Ein Mann wie eine Machine: Mischa Zverev würde auch als Eishockeyspieler durchgehen. (4. Juli 2017)
Keystone
Gute Laune trotz Niederlage: Den Final von Halle verlor der 20-Jährige gegen Roger Federer klar in zwei Sätzen. (25. Juni 2017)
Gute Laune trotz Niederlage: Den Final von Halle verlor der 20-Jährige gegen Roger Federer klar in zwei Sätzen. (25. Juni 2017)
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Mischa Zverev sieht aus wie ein russischer Hockeyspieler. Wie ein kräftiger Flügel, der es an der Bande gerne krachen lässt und ab und zu eine Schramme davonträgt. Alexander sieht aus wie ein kalifornischer Surfboy, der sich morgens die langen blonden Haare aus dem Gesicht schüttelt, die Badehosen anzieht und mit den Flipflops an den Füssen und dem Surfbrett unter dem Arm an den Strand schlendert.

Viel deutet bei den beiden Deutschen nicht darauf hin, dass sie Brüder sind. Ausser vielleicht ihre markanten Nasen. Auch im Auftreten sind sie ganz verschieden. Mischa wird von den Journalisten geschätzt als anregender, stets höflicher Gesprächspartner, der acht Jahre jüngere Alexander, genannt Sascha, kann auch hochnäsig rüberkommen. Es sei ihm nachgesehen – wer mit 20 schon in den Himmel gelobt wird, darf auch kurz abheben.

Über neun Jahre liegen zwischen den ungleichen Brüdern, die immer öfter auf der grossen Tennisbühne auf sich aufmerksam machen. In der Regel planen Eltern das zweite Kind etwas früher, doch die Zverevs übersiedelten 1991 von Moskau nach Hamburg, als Mischa vier war. Die Wohnung war klein, die Familie musste sich zuerst in der neuen Heimat etablieren. Es fehlte am Geld und am Platz für ein zweites Kind.

So kam Alexander erst 1997 dazu. Mischa spielte da schon ganz passabel Tennis – kein Wunder bei diesen Eltern: Vater Alexander senior war von 1979 bis 1987 sowjetischer Davis-Cup-Spieler gewesen, immerhin die Nummer 175, und schlug einmal Miloslav Mecir. Mutter Irina ist Tennislehrerin (und wird im Internet oft fälschlicherweise als frühere Weltnummer 22 bezeichnet).

Jedenfalls machten sich die sportlichen Eltern daran, Sohn Mischa zum erfolgreichen Tennisprofi zu formen. Und seine Anfänge auf der Profitour waren verheissungsvoll. Mit 19 spielte er sich in Melbourne und Wimbledon durch die Qualifikation, mit 20 stiess er in die Top 100 vor, mit 21 in die Top 50.

Mischas zweiter Frühling

Doch eine Kombination aus Verletzungen, vor allem am Handgelenk, und der Mühe, den hohen Erwartungen der Eltern gerecht zu werden, warfen ihn aus der Bahn. Vor drei, vier Jahren überlegte er sich sogar, mit dem Tennis aufzuhören. Doch da ging langsam der Stern von Alexander auf. Und das inspirierte den älteren Bruder, es doch nochmals zu versuchen. Alexander hatte davon profitiert, dass er dank Mischa praktisch auf der Tour gross wurde, so schon früh Bälle mit Profis schlagen durfte. Nun war es der Jüngere, der dem Grösseren zu einem zweiten Frühling verhalf.

Mit 29 ist der Linkshänder so gut wie noch nie, sein Sieg gegen Andy Murray im Achtelfinal Melbournes sorgte für Aufsehen. Nachdem ihn Roger Federer dann gestoppt hatte, musste er aber alles zuerst einmal verdauen. Er verlor 12 der nächsten 14 Matchs und fand erst in Genf, wo er sich als Qualifikant bis in den Final spielte, den Tritt wieder.

Mit seinem exzellenten Netzspiel ist er wie geschaffen für Rasen, in den ersten zwei Runden von Wimbledon spielte er zu 81 Prozent Aufschlag-Volley ( Federer 18 Prozent). In Halle überraschte er Federer kürzlich, indem er von weit hinter der Grundlinie spielte. Diesmal werde er wieder alles auf die Karte Angriff setzen, kündigte er an.

Alexanders Parallele zu Federer

Alexander stiess in Rom mit dem ersten Masters-1000-Titel erstmals in die Top 10 vor. «Da wird er auch lange bleiben, sofern er sich nicht verletzt», glaubt Federer. Eine interessante Parallele: Auch er wurde dank des ersten Masters-1000-Titels, 2002 in Hamburg, erstmals Top 10. Und beide scheiterten danach in Paris sang- und klanglos in Runde 1. Wie einst Federer wird Zverev als kommende Nummer 1 gehandelt – ja das ist fast schon untertrieben. Es findet sich kaum mehr jemand, der dagegen wettet.

Die Symbiose von Mischa und Alexander gäbe den perfekten Tennisspieler. Die kräftigen Beine und das Netzspiel vom Älteren, den Rest vom Jüngeren. Dessen zweihändige Rückhand, die er der Mutter verdankt, ist ein Gedicht, das Selbstverständnis, mit dem er auftritt, das eines kommenden Champions. Sie hätten ihre Lektion gelernt und seien bei Alexander etwas weniger streng gewesen, sagte der Vater. Das habe Alexanders Entwicklung gutgetan.

Der Youngster wirkt stets so cool, doch dem «Telegraph» verriet er, einmal sei er nervös geworden, als er einem Star begegnet sei – Roger Federer.

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