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Der Flegel, der selbst Federer imponiert

Bernard Tomic, 18, ist der jüngste Wimbledon-Viertelfinalist seit Boris Becker 1986. Unter der Ägide seines Vaters hat er sich zwar viele Feinde geschaffen, aber auch zahlreiche Bewunderer, darunter Roger Federer.

Bernard Tomic hat in Wimbledon als erster Qualifikant seit elf Jahren die Viertelfinals erreicht.
Bernard Tomic hat in Wimbledon als erster Qualifikant seit elf Jahren die Viertelfinals erreicht.
Keystone
Formel-1-Pilot Mark Webber im Dialog mit dem Tennis-Talent.
Formel-1-Pilot Mark Webber im Dialog mit dem Tennis-Talent.
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193 m gross und nur 77 kg schwer: Der Spargeltarzan in Aktion.
193 m gross und nur 77 kg schwer: Der Spargeltarzan in Aktion.
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In Wimbledon ist Ende Juni Spargelzeit. Nicht weil auf der Anlage des All England Club statt Erdbeeren mit Schlagrahm neuerdings Spargel verkauft würde, sondern wegen Bernard Tomic, dem Tennis-Spargeltarzan aus Australien. Tomic bringt bei einer Körpergrösse von 1,93 m gerade einmal 77 kg auf die Waage, wirft seinen Körper aber so geschickt in die Schlacht, dass selbst der Weltranglistenzweite Novak Djokovic ins Schwärmen kommt. «Bernard hat ein unglaubliches Talent», sagt der Serbe, der am Mittwoch zum Viertelfinal gegen Tomic antritt. Roger Federer sieht in ihm den «Spieler mit dem grössten Potenzial» der nachkommenden Generation.

«Atomic Bernard», so nennen die Australier ihren Wunderknaben, hat in Wimbledon bislang einen beeindruckenden Parcours hingelegt. Nachdem er als Nummer 158 des ATP-Rankings in der Qualifikation zwei Punkte vor dem Ausscheiden gestanden hatte, servierte er der Reihe nach Nikolai Dawidenko, Igor Andrejew, Robin Söderling und Xavier Malisse ab. Den einstigen Wimbledon-Halbfinalisten Malisse zerlegte Tomic in gerade einmal 81 Minuten – mit 37 Winnern bei nur acht unerzwungenen Fehlern.

Tomics Trainer ist sein Vater

Brad Gilbert, der als Spieler der Weltspitze angehörte und als Trainer unter anderem Andre Agassi, Andy Roddick und Andy Murray betreute, schwärmte bereits Anfang Jahr am Australien Open von Tomic. «Er wird mehr als das erreichen – und schon bald», antwortete der Amerikaner auf die Frage, ob der Teenager in die Top 10 vorstossen könne. Tomic selbst sagt: «Ich will mit aller Macht an die Weltspitze.»

Trainiert wird Bernard Tomic, der in Stuttgart als Sohn von Kriegsflüchtlingen aus Bosnien zur Welt kam, von seinem Vater. Eine Parallele zu Sabine Lisicki und Marion Bartoli, die in den Frauen-Viertelfinals aufeinander trafen, und zum 12-jährigen Schweizer Ausnahmetalent Marko Osmakcic, dem Sieger des U-13-Turniers Longines Future Tennis Aces in Roland Garros. Tomic senior arbeitet mit seinem Sohn seit elf Jahren auf dem Tennisplatz, argwöhnisch beäugt vom australischen Verband, der selbst seit dem inzwischen 30-jährigen Lleyton Hewitt keinen absoluten Spitzenspieler mehr produziert hat.

Der Zorn von Federers Ex-Coach

Zu Hewitt hat Tomic kein gutes Verhältnis. Im vorletzten Jahr weigerte er sich während des Turniers von Wimbledon, mit seinem 12 Jahre älteren Landsmann zu trainieren. Dies löste in Australien einen Sturm der Entrüstung aus. Roger Federers Ex-Coach Tony Roche befand, Tomics Verhalten sei beschämend. Vor dem diesjährigen Australian Open, bei dem Tomic erst in Runde 3 an Rafael Nadal scheiterte, hatte die Starkolumnistin Linda Pearce die Organisatoren aufgefordert, dem Supertalent keine Wildcard zu geben. Hintergrund der Polemik waren die ständigen Streitigkeiten zwischen der Familie Tomic und Tennis Australia.

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