«Das sch ... mich natürlich an»

Was Roger Federer vor dem Start zum Turnier in Madrid missfällt.

Verpasst den Geburtstag seiner Buben: Roger Federer. (Archiv)

Verpasst den Geburtstag seiner Buben: Roger Federer. (Archiv)

(Bild: Reuters)

Roger ­Federer braucht an diesem Dienstag in der Players Lounge der Caja Mágica, des ­futuristischen Betonstadions im südlichen Teil Madrids, ungewohnt deutliche Worte. «Das sch . . . mich natürlich an.» Er ist an diesem Morgen aus der Schweiz in Spanien angekommen und hat eben auf Court 7 erstmals trainiert – 70 Minuten mit dem jungen Australier Thanasi Kokkinakis.

Was ihm ein so deutliches Missfallens­votum abringt, ist nicht die minimale Vorbereitungszeit, die ihm nach dem Sieg am Istanbul Open in Spanien bleibt – sondern die Tatsache, dass er wegen des zweitgrössten Sandturniers heute den ersten Geburtstag seiner Zwillingssöhne Leo und Lenny verpasst.

Auch das war ein Grund, weshalb er aus der Türkei mit einem Abstecher in die Schweiz nach Spanien gereist ist. «Es war schön, dass ich sie wenigstens ­sehen konnte. Da mussten wir halt etwas vorfeiern.» Der Entscheid, ohne Familie nach Istanbul und Madrid zu fliegen, fiel ihm sonst aber nicht schwer: An einwöchige Turniere in hektischen Grossstädten reist er vorzugsweise allein – wo er doch mit Familie durch das viele Gepäck inzwischen «wie eine Lawine» unterwegs ist, wie er in einem Interview sagte.

«Total erholt»

«Ohne Familie bin ich sehr flexibel und schnell», erklärt Federer. «Und ich weiss: Sobald ich ausscheide oder das Turnier fertig ist, kann ich nach Hause.» Die Woche in Istanbul sei zudem kurz ­gewesen, da er erst am Sonntag angereist sei – und Madrid dauert für ihn maximal sechs Tage. Ob er kommende Woche in Rom antritt, sei weiter offen. «Das hängt davon ab, wie es hier läuft. Wenn ich halbwegs okay spiele, gehe ich wahrscheinlich nicht nach Rom.»

Obwohl er am Istanbul Open auf dem Weg zum 85. Turniersieg – dem siebten innert elf Monaten – von Freitag bis Sonntag sechs Stunden im Einsatz stand, fühlt er sich fit. Er überrascht sogar mit der Aussage, er sei «total erholt, kein Scherz». Die Erklärung liefert er nach: Der erste harte Match eines Turniers – in Istanbul der Viertelfinal gegen Daniel Gimeno-Traver –, sei stets derjenige, den er am heftigsten spüre. «Meistens zeigen sich die stärksten Folgen zwei Tage später. Deshalb war der freie Montag Gold wert, nun fühle ich mich viel besser.»

Ein anderes Thema ist die kurze Vorbereitungszeit in Madrid, das 650 m über Meer liegt, wodurch die Bälle schneller fliegen und schwerer kontrollierbar sind als auf Meereshöhe. Aber das beunruhige ihn nicht: «Dies ist ein Turnier, an dem ich mich total auf mein Selbstvertrauen verlassen muss, da ich praktisch keine Vorbereitung hatte. Am Mittwoch spiele ich höchstens noch 30 Minuten, ehe es ernst gilt.» Solche Kraftakte seien für ihn nichts Neues, und er sieht in ­einer beeinträchtigten Vorbereitung sogar gewisse Vorteile: «Manchmal befreit dich das vom Druck. Du probierst einfach das Beste.»

Sein Startgegner ist heute Nachmittag ein guter Freund seines gestrigen Trainingspartners: Er trifft erstmals auf den 20-jährigen Australier Nick Kyrgios (ATP 35), der 2014 in Wimbledon Nadal eliminierte und gestern gegen Gimeno-Traver gross aufspielte (6:2, 6:3).

Das Hochgefühl von Istanbul

Federer konzentriert sich vor allem auf sein Spiel – im Bewusstsein, dass er eine schwierige Auslosung erhalten habe, sagte ­er. Auf Nadal, den er als ­Favorit bezeichnet, könnte er im Halb­final treffen, doch schon Kyrgios dürfte ihm mit seinem Aufschlag gefährlich werden. Federer hofft, vom Hochgefühl seines Istanbul-Sieges zehren zu können. «Ich bin froh, dass ich dort angetreten bin. Istanbul ist eine unglaubliche Stadt, und weil ich gewonnen habe, konnte ich sie noch länger geniessen.»

Überrascht war er, als er las, dass Istanbul sein erster Turniersieg auf ­rotem Sand seit dem French Open 2009 gewesen sei. Severin Lüthi habe ihm darauf erklärt, dass er 2012 in Madrid auf blauem Sand gewonnen habe. Diese Abgrenzung finde er unnötig, hielt er gestern fest. «Der blaue Sand war zwar etwas rutschiger – aber damit sogar noch sandiger als rote Plätze.» An Madrid hat Federer gute Erinnerungen: 2006 gewann er das Turnier schon in der Halle und 2009 die Premiere auf Sand, auch 2007 und 2010 stand er im Final. Beim letzten Start, 2013, scheiterte er aber in Runde 3 an Nishikori.

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