«Das ist kein Grund zu weinen»

Was Rafael Nadals abrupter Abbruch seiner grossartigen Saison in London über seine Karriere sagt.

Rafael Nadal: Hatte zu grosse Schmerzen und zu wenig Power. Foto: Getty Images

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Er machte es kurz und schmerzlos. Rafael Nadal stürmte nach dem 6:7, 7:6, 4:6 gegen den Belgier David Goffin direkt von der O2-Arena in den Interviewraum. «Das wars. Meine Saison ist beendet», sagte er. «Ich hatte Verpflichtungen, mit dem Anlass, mit der Stadt, mit mir. Ich gab alles, tat, was ich tun musste, um bereit zu sein. Aber ich bin nicht einsatzfähig, nicht wahr?»

Und so endet seine grosse Saison mit einem Abgang durch die Hintertür, wie er ihn am Saisonfinale schon oft erlebt hatte. Zum 13. Mal war er qualifiziert, erst zum 8. Mal trat er auch an – wobei er auch dieses ausgelassen hätte, wäre es nicht das letzte Turnier der Saison und für ihn als Nummer 1 ein spezielles gewesen. Ein Verzicht auf London hätte auch spürbare finanzielle Einbussen mit sich gebracht.

Nadals Bilanz am fünftwichtigsten Turnier der Saison belegt exemplarisch, welchen Preis er für seine Erfolge zu bezahlen hat. Seit Beginn seiner Karriere, die ihm schon 75 Turniersiege gebracht hat, setzt er seinen Körper durch sein intensives, kräftezehrendes Power- und Laufspiel immer wieder enormen Belastungen aus, denen dieser wiederholt nicht gewachsen ist. Der Verschleiss ist regelmässig Ende Saison am besten spürbar (auch Basel musste er schon fünfmal absagen), doch in der Regel gelingt es ihm, sich über Weihnachten in Mallorca wieder gesund zu pflegen.

Die Skeptiker Lügen gestraft

Seit Jahren wird Nadal denn auch von Unkenrufen begleitet, seine Karriere sei ein Strohfeuer, dass hell brenne, aber rasch verglühen werde. Doch diese Einschätzung wurde vom 16-fachen Grand-Slam-Sieger längst widerlegt und hat sich als eine der grösseren Fehlprognosen im Profitennis entpuppt. Rafael Nadal ist mit 31 ½ Jahren 2017 zum ältesten Spieler in der Geschichte der ATP-Weltrangliste geworden, der eine Saison als Nummer 1 beendet. Noch Fragen?

Video – Rafael Nadal triumphiert

Der Spanier bezwingt im US-Open-Final Kevin Anderson ohne Satzverlust. (Video: Tamedia mit Material der AP)

Der Entschluss, die Saison abzubrechen, sei während der Partie gereift, sagte der 10-fache Paris-Sieger. Je länger sie dauerte, desto mehr humpelte und hinkte er, desto schmerzverzerrter wurde sein Gesichtsausdruck. Dass er dennoch zweieinhalb Stunden durchhielt, dabei im 2. Satz vier Matchbälle abwehrte, zeigt seinen Charakter und sorgte für einen spannungsgeladenen Abend. Ersetzt wird er in den folgenden zwei Gruppenspielen gegen Thiem und Dimitrov durch Pablo Carreño Busta.

«Der Schmerz war zu gross. Ich hatte zu wenig Power, und es war ein Wunder, dass ich das Resultat so lange so ausgeglichen halten konnte», bekannte Nadal, der nicht als Jammerer bekannt ist. «Es hat einfach keinen Sinn.» Selbst wenn er gewonnen hätte, hätte er das Turnier abgebrochen. «Denn es macht überhaupt keinen Spass, so zu spielen. Ich verdiene es nicht, nach dieser grossartigen Saison zwei weitere Tage mit so schrecklichen Gefühlen auf dem Platz zu stehen.»

Das Gute der Verletzung des rechten Knies, die er im Halbfinal in Shanghai erlitten hatte, sei die Tatsache, dass sie für ihn und sein Team nichts Neues darstelle. «Wir wissen, was wir zu tun haben, immerhin habe ich meine Erfahrungen mit solchen Sachen. Ob die Behandlung anspricht oder nicht, werden wir sehen.» Er werde sich nun erholen, dann trainieren und hoffe, Anfang 2018 bereit zu sein.

Video – Final gegen Federer in Shanghai

Da hatte er schon Knieprobleme: Nadal verliert in Shanghai gegen Federer in zwei Sätzen. (Video: Tamedia mit Material der AP)

Glück hatte Nadal auch, dass er in Paris-Bercy wenigstens antreten und die wenigen Punkte noch holen konnte, die ihm fehlten, um sich Rang 1 per Ende Saison zu sichern. Sollte Federer in London ungeschlagen bleiben, würde sein Vorsprung auf 145 Punkte schrumpfen. Der Kampf um die Weltranglistenspitze bliebe zu Beginn der nächsten Saison spannend.

Trotz seiner vielen Verletzungen und Absenzen am Saisonfinale wolle er sich nicht beklagen, sagt Nadal. «Das ist kein kein Grund zu weinen. Ich fehlte hier zwar so oft. Aber so läuft meine Karriere eben, und es stimmt, dass ich wahrscheinlich der Spitzenspieler mit den meisten Verletzungen und Problemen bin. Aber ich bin mich daran gewöhnt, diese Herausforderungen anzunehmen, auch jetzt.»

«Schöne Weihnachten»

Der Mann von der Ferieninsel weiss: Sein Abgang in London wird bald vergessen sein – die Erfolge seines Jahres, mit den Siegen in Paris und New York, aber werden in Erinnerung bleiben. «Ich bin glücklich mit allem, was mir widerfahren ist», sagte er. «Schöne Weihnachten.» Und weg war er, verschwunden in der Londoner Nacht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.11.2017, 11:37 Uhr

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