Zum Hauptinhalt springen

Das Federer-Turnier: Klamauk oder Vermächtnis?

Der vom Schweizer lancierte Laver-Cup in Prag scheidet die Geister. Die Besetzung allerdings ist hervorragend.

Zwei Tennisgrössen und ein Pokal: Federer will Rod Laver mit dem neuen Teamwettbewerb ein Denkmal setzen. (Getty Images)
Zwei Tennisgrössen und ein Pokal: Federer will Rod Laver mit dem neuen Teamwettbewerb ein Denkmal setzen. (Getty Images)

Für die einen ist er eine willkommene Neuerung, die frischen Wind bringt und zu Roger Federers Vermächtnis im Tennis werden könnte. Für andere ist er nur eine sportlich wertlose Klamauk-Veranstaltung, die den überfüllten Turnierkalender des Profitennis unnötig weiter befrachtet: Der Laver-Cup, der kommende Woche in Prag (Freitag bis Sonntag) erstmals stattfindet, polarisiert, noch bevor der erste Ball gespielt wurde.

Während im Davis-Cup dieses Wochenende Finalisten, Aufund Absteiger ermittelt werden, stehen an der Moldau in der längst ausverkauften 02-Arena die Vorbereitungen für den neuen Kontinentalvergleich in der Endphase. Ähnlich wie im Ryder Cup der Golfer, in dem alle zwei Jahre die besten Amerikaner auf die besten Europäer treffen, duellieren sich ein Team Europa und ein Team Welt über neun Einzel und drei Doppel.

An klingenden Namen fehlt es nicht. Europa-Captain Björn Borg kann auf die fünf Top-10-Spieler Rafael Nadal, Roger Federer, Alexander Zverev, Marin Cilic, Dominic Thiem sowie Tomas Berdych zählen. Im klar schwächeren Welt-Team von John McEnroe fehlen Top-10-Spieler. Immerhin sind die drei besten Amerikaner (Isner, Sock, Querrey), der beste Südamerikaner (Del Potro) und der bestklassierte Australier (Kyrgios) dabei, dazu mit dem Kanadier Denis Shapovalov der weltbeste 18-Jährige. Besser könnte die Besetzung angesichts der vielen Verletzten (Murray, Djokovic, Nishikori, Wawrinka) kaum sein. Und über allem schwebt der Name der australischen Legende Rod Laver, der als Einziger zweimal den Grand Slam gewann und den Federer mit dem Cup ehren will.

Video: Das unglaubliche Comeback von Federer in Melbourne

Der Schweizer sagte einmal, dieses Final-Video sehe er sich immer wieder an.

Wer erwartet, dass der Anlass rasch wieder verschwindet, könnte überrascht werden. Denn er ist auch breit abgestützt von starken Partnern. Treibende Kraft war die Agentur Team-8 von Federer und Tony Godsick, mit an Bord sind aber auch der australische und der amerikanische Tennisverband sowie der Brasilien-Schweizer Jorge Paulo Lemann. Der gemäss dem Magazin «Forbes» 30-fache Dollar-Milliardär mit dem weltgrössten Bier-Imperium steht Federer schon lange nahe. Und auch die wichtigsten Sponsoren (Rolex, JPMorgan Chase und Mercedes) haben eher einen langen Atem.

Das Schweizer Fernsehen steht abseits, TV24 springt ein

In der Schweiz hat sich der Sender TV24 die Übertragungsrechte für die nächsten drei Jahre gesichert und überträgt live. Heinz Günthardt, Tennisexperte des Schweizer Fernsehens SRF, gehört derweil zu jenen, die dem neuen Anlass skeptisch entgegenblicken. Er weist darauf hin, dass der Ryder-Cup der Golfer einen grossen Teil seiner Glaubwürdigkeit der Tatsache verdankt, dass es dort nicht um Preisgeld, sondern um Stolz, Ruhm, Ehre und Tradition gehe. Im Laver-Cup werden die Spieler nach einem unbekannten Schlüssel finanziell entschädigt.

Die Frage, ob dieser Wettkampf nicht überflüssig und belastend für die sonst schon stark geforderten Spitzenspieler sei, beantwortete Federer in New York so: «Ich glaube nicht, dass drei Tage in Prag alles durcheinanderbringen und dafür sorgen, dass die Spieler komplett überspielt sind.» Aber jeder müsse selber wissen, wann genug sei. Kein Spieler wird in Prag mehr als zwei Einzel bestreiten, wobei anstelle eines 3. Satzes ein Match-Tiebreak ausgetragen wird.

Für Federer ist der Cup eine Herzensangelegenheit, die ihn schon lange inspiriert. «Einmal im gleichen Team wie Nadal zu sein, wird unglaublich», sagt er. Und er freue sich auch darauf, Zeit mit Borg verbringen zu können. McEnroe, wie Borg bereits für drei Jahre als Captain verpflichtet, wies darauf hin, dass der Davis-Cup inzwischen auch nicht mehr sei, was er einst war. Der Laver-Cup sei für ihn ein echter Wettkampf und habe das Potenzial, zu einem grossartigen Anlass zu werden. Die zweite Austragung wird 2018 in den USA steigen; die Rede ist von New York.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch