«Ich dachte: Oh Gott, oh je»

Nach dem hart erkämpften Sieg über den Briten Evans sprach Roger Federer über die umstrittenen neuen Bälle am Australian Open.

Der Matchball: So machte Federer den Sieg gegen Dan Evans perfekt. Video: SRF
René Stauffer@staffsky

Seine Turniersiege 5 und 6 am Australian Open hatte Roger Federer mit Bällen der Marke Wilson errungen. Diese haben inzwischen ausgedient, verwendet wird 2019 ein Dunlop-Produkt, und dieses ist bereits heftig in die Kritik gerückt. John Millman, Federers Bezwinger am letzten US Open, bezeichnete sie als «Sch…». Sie seien tot, vor allem bei kühlen Temperaturen könne man mit ihnen keinen Druck erzeugen.

Nach dem überraschend schwierigen 7:6, 7:6, 6:3 gegen den Briten Dan Evans – seinem 16. Sieg in Serie an diesem Turnier – wird auch Federer zum Thema befragt. «Es sind schon kleinere Anpassungen nötig», sagt er auf Englisch. «Die neuen Bälle nehmen den Drall weniger an als die alten, besonders wenn es kühl wird.» Gegenüber DerBund.ch/Newsnet wird Federer dann aber deutlicher: «Logisch, dass ich lieber weiter mit den alten Bällen spielen würde, nachdem ich die letzten zwei Jahre hier gewonnen habe», sagt er. «Als ich hörte, dass sie nicht mehr verwendet werden, dachte ich: Oh Gott, oh je.»

Besser flach spielen als mit Drall

Inzwischen hat er sich mit den neuen Bällen arrangiert. Diese wurden auch schon in Perth am Hopman-Cup verwendet. «Dort spielte ich sogleich gut mit ihnen und hier in Melbourne bisher auch.» Der Unterschied sei, dass man mit diesen Bällen mehr erreiche, wenn man flach und schnell spiele als mit viel Slice oder Topspin. «Man muss eher spielen wie in Shanghai.» Dort holte er bei zwei seiner letzten vier Starts den Titel. Die Bedingungen am Australian Open haben sich über die Jahre immer wieder verändert.

Als noch auf einem Rebound-Ace-Belag gespielt wurde, seien die Bälle in alle Richtungen versprungen, erinnert sich Federer, «vor allem, wenn es heiss war». Für ihn sollte der Ballwechsel kaum Nachteile mit sich bringen, ist er doch ein Meister des schnellen Spiels. Was ihm aber an den Bällen auch schon aufgefallen ist: Sie nutzen sich relativ schnell ab, verfusseln und werden dadurch grösser und langsamer. «Wenn man viele lange Ballwechsel hat, werden sie mit der Zeit immer langsamer, speziell abends. Und irgendwann denkst du: Wie viele gute Bälle muss ich denn noch schlagen, damit ich einen Punkt gewinne?»

  • loading indicator

Bei seinem dritten Sieg gegen den Qualifikanten Evans, der nach einer einjährigen Sperre (Kokain) nur noch die Nummer 189 ist, wurde Federer erstmals in diesem Jahr gebreakt – als er bei 5:4 zum Gewinn des zweiten Satzes aufschlug. «Ich hatte gewusst, dass er gefährlich werden konnte. In meinen Augen ist Evans immer noch ein Top-100-Spieler, er kann auch wieder in die Top 50 zurückkehren», sagte Federer. Er spiele variantenreich und offensiv, «es war, als ob ich gegen mein Spiegelbild spielen würde», übertrieb er.

Gewonnen habe er auch, weil er besser aufschlage und mit etwas mehr Selbstvertrauen in die Partie gegangen sei. «Ich musste aber hart arbeiten, es gab viele intensive Ballwechsel. Es war eine Art Katz-und-Maus-Spiel, ein wenig wie Schach», er habe die Partie genossen. Der Titelverteidiger hat in Melbourne beim 20. Start zum 20. Mal die Sechzehntelfinals erreicht. Allzu viele Energien sollte er dabei nicht verbraucht haben, zumal es an diesem Nachmittag eher kühl (22 Grad) war, bewölkt und ziemlich windig. Nächster Gegner ist am Freitag der Amerikaner Taylor Fritz, der den Franzosen Gaël Monfils niederrang. Der 21-jährige Kalifornier (ATP 50) ist ein ganz anderer Spielertyp als Evans, agiert vornehmlich von der Grundlinie und versucht, Druck zu machen. Die bisher einzige Begegnung gewann Federer 2016 in Stuttgart auf Rasen 6:4, 5:7, 6:4.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt