Bencic verliert und fühlt sich im Spinnennetz

Die Ostschweizerin unterliegt nach 12 Siegen in Folge der Wimbledonsiegerin Kerber und verpasst den Final von Indian Wells.

Belinda Bencic muss nach 67 Minuten vom Platz, sie verliert gegen Angelique Kerber.

Belinda Bencic muss nach 67 Minuten vom Platz, sie verliert gegen Angelique Kerber.

(Bild: Keystone)

René Stauffer@staffsky

Zu Beginn sah es vielversprechend aus für Belinda Bencic an diesem späten Freitag in Indian Wells. Die 22-jährige Dubai-Siegerin breakte Angelique Kerber schon im ersten Game, später führte sie 4:2. Doch es sollte nicht ihr Abend werden. Die erfahrene deutsche Linkshänderin zeigte eine hervorragende Leistung, war dank ihren schnellen Beinen überall und holte mit ihrer Vorhand Punkt um Punkt. Schon nach 67 Minuten sah sich Bencic bei eigenem Aufschlag drei Matchbällen gegenüber, und schon beim ersten unterlief ihr ein Doppelfehler zum brutalen 4:6, 2:6.

«Ich fühlte mich von Anfang an nicht gut. Ich wusste nicht, wie ich gegen sie spielen sollte», sagte Bencic. «Sie ist eine grossartige Grundlinienspielerin, und als Linkshänderin mit sehr flachen Bällen schafft sie es, meine Stärken zu neutralisieren.» Sie sei bei Kerber wie auf eine Mauer gestossen. «Sie lockte mich in eine Falle, ich fühlte mich wie in einem Spinnennetz, aus dem ich nicht herauskam.»

Bencic wurde, als ihr die Partie am Entgleiten war, ungeduldig, sie nutzte die ihr zur Verfügung stehende Zeit bei den Seitenwechseln nicht aus und forcierte das Risiko oft über Gebühr. Sie führte gegen Kerber zwar auch im zweiten Satz gleich mit einem Break, fiel dann aber 1:2 zurück. Als sie beim Seitenwechsel ihren Vater Ivan kommen liess und sich mit ihm in Slowakisch unterhielt, wirkte sie frustriert und weinerlich. Sie sollte danach nur noch ein Game gewinnen gegen die dreifache Grand-Slam-Siegerin, die ihre zweite Aufschläge mit Erfolg immer wieder angriff und zu insgesamt sieben Breaks kam.

«Ich dachte, ich sei blind»

In ihrem ersten Abendspiel auf dem Centre Court von Indian Wells wurde Bencic von den gegenüber dem Tag deutlich langsameren Bedingungen nicht bevorteilt. Die St. Gallerin konnte ihr Hochtempo-Spiel dadurch weniger souverän aufziehen und kaum Winner schlagen, anders als in ihren letzten Partien in Dubai und an diesem Turnier. «Es hat mir schon nicht geholfen, dass es so extrem langsam war. Meine Aufschläge und meine Bälle hatten keine grosse Wirkung.» Zudem habe sie zu Beginn Mühe mit dem hellen Flutlicht gehabt. «Am Anfang sah ich alles wie verschwommen. Ich dachte, ich sei blind. Danach wurde es besser, dafür spielte ich schlechter.»

Ihre längste und beeindruckendste Siegesserie endete damit nach zwölf Erfolgen, wovon sechs gegen Top-10-Spielerinnen zustande gekommen waren – darunter mit Osaka, Halep und Kvitova die Nummern 1, 2 und 4. Dank dem Turnier von Indian Wells kehrt Bencic nächsten Montag auf Rang 20 zurück, ihre beste Klassierung seit August 2016. Für sie geht es nächste Woche weiter am Miami Open, das sie letztes Jahr verpasste.

Kerber steht in ihrem ersten Final seit dem Wimbledonsieg 2018, ihrem ersten in Indian Wells. In diesem ist sie am Sonntag klare Favoritin gegen die verblüffende 18-jährige Kanadierin Bianca Andreescu (WTA 60), die auch die Ukrainerin Jelina Switolina aus dem Turnier warf (6:3, 2:6, 6:4).

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt