Basels Pech kann Federers Glück werden

Mit der Swiss-Indoors-Absage Rafael Nadals steigen die Chancen des Schweizers, das Jahr doch noch als Nummer 1 abzuschliessen.

In Basel wird es nicht zur Final-Reprise von 2015 kommen.

In Basel wird es nicht zur Final-Reprise von 2015 kommen.

(Bild: Keystone)

René Stauffer@staffsky

Für die Swiss Indoors kam die schlechte Nachricht nicht ganz unerwartet. Rafael Nadal war am vergangenen Sonntag im Final von Shanghai gegen Roger Federer mit einbandagiertem rechtem Knie angetreten. Nach diesem und zu Basel befragt, wich er nach der Niederlage aus. Was in China genau passiert ist, bleibt unklar. Videobilder zeigen aber, wie er im Halbfinal zweimal seinen Schläger wutentbrannt aufs rechte Knie schlägt, als ihn Marin Cilic im 2. Satz zum 3:3 gebreakt hat.

Die Absage für Basel habe ihm der Arzt nahegelegt, den er nach der Rückkehr in Barcelona sogleich aufgesucht habe, erklärte der zehnfache Paris-Sieger über Facebook nur. Nach den zwei Wochen in China mit einem Titel (Peking) und einem Final sei sein Knie überlastet; es habe ihn schon in Shanghai beeinträchtigt und brauche Erholung. Davon hatte ­Federer indes nichts bemerkt: «Ich stellte bei ihm keine Probleme fest», sagte er nach seinem fünften Sieg in Folge gegen seinen Hauptrivalen.

Die 500-Punkte-Chance

Egal, was geschehen ist – für die Swiss Indoors ist sein Forfait ein harter Schlag. Er war als Haupt­attraktion für den Montag vorgesehen, an dem die Schottin Amy Macdonald den Showteil bestreitet. Nadal ist nach Stan Wawrinka (Knieoperation) die zweite gewichtige Absage. Kommen keine weiteren dazu, ist das Turnier immer noch hervorragend besetzt, mit Spielern wie Marin Cilic, Juan Martin Del Potro, David Goffin, Jack Sock oder Nick Kyrgios. Und natürlich Roger Federer.

Für den 19-fachen Grand-Slam-Champion könnte Basels Pech mit Nadal gar zum persönlichen Glücksfall werden. Sollte er es schaffen, seinen 8. Swiss-Indoors-Titel zu holen, würde er den Rückstand auf den Spanier von 1960 auf 1460 Punkte reduzieren. Dann wäre das Rennen um Rang 1 per Ende Jahr plötzlich wieder spannend – umso mehr, als unklar ist, wie schlimm es um Nadals Knie wirklich steht. In Paris-Bercy und in London am ATP-Finale – das Federer schon sechsmal gewann, Nadal aber nie – sind an den letzten beiden Turnieren maximal weitere 2500 Punkte zu gewinnen.

Nadal ergänzte derweil die Mitteilung seiner Absage mit einer «Spezialnachricht für meine vielen Fans in der Schweiz», die ihn immer unterstützt und respektiert hätten, auch in Partien gegen Federer: «Ich hoffe, ich sehe euch nächstes Jahr.»

Vier Teilnahmen, fünf Absagen

Ein Blick in seine Basler Vergangenheit zeigt allerdings, wie viel es braucht, bis der verletzungsanfällige Mallorquiner tatsächlich im Spätherbst in guter Form in der St.-Jakobs-Halle antreten kann. Vier Teilnahmen stehen inzwischen schon fünf Absagen gegenüber. 2005 hinderte ihn das Knie am Start, 2006 und 2013 fehlte er wegen Erschöpfung, 2016 brach er unmittelbar vor Basel die Saison wegen Problemen mit dem Handgelenk ab.

Dem gegenüber stehen zwei Startniederlagen aus seinen Teenagerjahren (2003/04) sowie, vor drei Jahren, ein mühevoller Vorstoss in die Viertel­finals, wo er dem 17-jährigen Borna Coric unterlag, ehe er die Saison abbrach und sich am Blinddarm operieren liess. Den einsamen Höhepunkt seiner Basler Auftritte bildet das Turnier von 2015, als er mit Siegen über Cilic, Dimitrov und Gasquet in den Final vorstiess, den er gegen Federer sehr knapp verlor (3:6, 7:5, 3:6). Auf diesen Final hatten viele dieses Jahr erneut gehofft. Es soll nicht sein.

DerBund.ch/Newsnet

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