«Auch Federer hat seine Ticks»

Hose, Schultern, Nase und Haare: Rafael Nadal ist berühmt für seine Rituale auf dem Platz. Sportpsychologe Hanspeter Gubelmann erklärt die Macken der Tennisspieler.

Altbekannt: Rafael Nadals Rituale, eingefangen am Australian Open 2014. (Video: Youtube)


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Wenn Rafael Nadal heute im letzten Gruppenspiel bei den ATP World Tour Finals gegen seinen Landsmann David Ferrer auf den Platz tritt, dann kann alles passieren – rein sportlich gesehen. Denn einige Dinge sind sicher: Der Mallorquiner wird zwischen den Ballwechseln garantiert auf keine Linie treten, und bei den Seitenwechseln wird er seine Trinkflaschen perfekt ausgerichtet hinstellen. Vor dem eigenen Service wird er mit seiner Hand zunächst die Hose zurechtzupfen, dann sein T-Shirt. Anschliessend fährt er sich über die Nase und dann hinter das linke Ohr, gefolgt von der gleichen Bewegung auf der anderen Seite.

So mancher Tennisfan macht sich über Nadals vermeintlichen Aberglauben lustig. Doch Hanspeter Gubelmann, Sportpsychologe an der ETH Zürich, erklärt: «Die Rituale haben kaum etwas mit Aberglauben zu tun. Sonst würde Nadal sie nach einer Niederlage verändern.» Vielmehr schöpfe der Spanier aus den immer gleichen Bewegungsabläufen Sicherheit und Stabilität. Solche Rituale dienen eigentlich ausschliesslich der Konzentration auf die bevorstehende Aufgabe, doch manchmal sind auch Effekte auf den Gegner möglich. «Umso besser, wenn sich der Gegner darüber ärgert», so Gubelmann.

Nadal selbst ist sich seiner Ticks natürlich bewusst. «Es ist mein Weg, um mich in einem Spiel zu positionieren, die Dinge um mich herum so zu ordnen, wie ich meinen Kopf gern sortiert hätte», schreibt er in seiner Biografie. Auch der routinemässige Blick in die Box zu seiner Familie gehört dazu: «Ich lasse sie während eines Spiels nicht in meine Gedanken. Ich baue eine Wand um mich herum, während ich spiele. Aber meine Familie ist der Zement, der diese Wand zusammenhält.»

«Ein Eingriff in die Intimsphäre»

Solche kleinen Macken sind keineswegs nur bei Nadal zu finden. Gubelmann weiss: «Jeder macht etwas.» Die Athleten lernen ganz früh, ihre eigenen Drehbücher zu finden. «Sie werden dazu ausgebildet, Routinen zu finden, die zu ihrem Naturell als Spieler passen. Ein Kämpfertyp wie Nadal hat dabei ein eher extrovertierteres, besser sichtbares Ritual als ein eleganter Spieler wie Federer, der sich von aussen nicht in die Karten blicken lassen will. Doch auch er hat seine Ticks.» Der Baselbieter habe zielgerichtet darauf hingearbeitet, sich durch bewusste Abläufe zu einem ruhigeren Spieler zu machen.

Grundsätzlich gehören die kleinen Ticks der Tennisspieler schlicht und einfach dazu. Gubelmann betont: «Ich möchte ein Lanze brechen für die Sportler und ihre Rituale, sie brauchen das und haben sich das lange antrainiert.» Problematisch werde es, wenn diese Rituale durch äussere Einflüsse gestört werden. Als der Australier Marinko Matosevic 2013 in Monte Carlo Nadals Flaschen beim Seitenwechsel umwarf, konnte der Spanier darüber lachen – er lag 6:1 und 5:2 in Führung. Doch Gubelmann warnt: «Solche Aktionen sind meiner Meinung nach ein Eingriff in die Intimsphäre, ein Angriff auf die Person!»

Die Flaschen umgeworfen: Marinko Matosevic in Monte Carlo. (Video: Youtube) (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.11.2015, 16:30 Uhr

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