Am besten war Serena Williams an der Siegerehrung

Naomi Osaka hat das US Open dank einem 6:2, 6:4-Sieg in einem aussergewöhnlichen Match gegen Serena Williams gewonnen. Sie ist damit die erste Grand-Slam-Gewinnerin aus Japan.

War mit dem Schiedsrichter überhaupt nicht einer Meinung: Serena Williams. (Video: Tamedia/AP/SRF)

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Es war eine merkwürdige Siegerehrung. Serena Williams, die Verliererin, hatte feuchte Augen und versuchte doch zu lächeln. Naomi Osaka, die Siegerin, weinte. Die Mehrzahl der knapp 24‘000 Zuschauer buhte. Es war allerdings auch ein merkwürdiger US-Open-Final gewesen. Und das nicht, weil die Aussenseiterin von Beginn weg dominierte und den ersten Satz souverän mit 6:2 gewann. Ungewöhnlich wurde der Match erst im zweiten Game des zweiten Durchgangs.

Carlos Ramos verwarnte Williams, weil ihr Trainer Patrick Mouratoglou ein Zeichen machte. Coaching ist an Grand-Slam-Turnieren nicht erlaubt (auf der WTA-Tour dürfen die Coaches einmal pro Satz auf die Bank kommen und Ratschläge geben). Der Franzose sollte nach dem Match sein Vergehen zugeben. «Ich war am Coachen, wie es jeder Coach tut.» Er sagte aber auch, dass seine Spielerin wohl gar nicht hingesehen habe. Williams reklamierte sofort heftig. «Es war kein Coaching, ich betrüge nicht, um zu gewinnen, da verliere ich lieber. Ich will, dass Sie das wissen», sagte sie zu Ramos. Anfänglich schien es, als ob ihr die Emotionen helfen würde, die Intensität zu erhöhen. Jedenfalls gelang ihr kurz darauf das Break zum 3:1.

Auseinandersetzung mit dem Schiedsrichter

Doch die Gewinnerin von 23 Grand-Slam-Turnieren gab ihren Aufschlag gleich wieder ab, auch weil ihr zwei Doppelfehler unterliefen. Aus Frustration zertrümmerte sie ihren Schläger, was ihr erneut eine Verwarnung eintrug. Auf der Bank redete sie auf den Schiedsrichter ein. «Sie schulden mir eine Entschuldigung», sagte sie immer wieder. Und: «Ich habe noch nie in meinem Leben betrogen.» In diesem Moment war ihr wohl nicht klar, dass ihr dies einen Strafpunkt einbringen würde. Beim nächsten Seitenwechsel, Osaka führte mittlerweile 4:3, nahm sie die Diskussionen wieder auf, bezeichnete Ramos als «Dieb», weil er ihr einen Punkt gestohlen habe. Dass die Japanerin das Game zu 0 gewonnen hatte, blendete sie aus.

Der portugiesische Schiedsrichter konnte fast nicht anders, als die Amerikanerin wegen der Beleidigung erneut zu verwarnen und deshalb mit einem Gameverlust zu bestrafen. So bekam Osaka das Aufschlaggame zum 5:3 geschenkt, Williams musste gleich wieder servieren. Die 36-Jährige beorderte zwar noch den Oberschiedsrichter sowie den Supervisor auf den Platz, um ihm mitzuteilen, dass sie sich nicht fair behandelt fühle. Aber es nützte alles nichts.

«Müssen uns zusammenreissen»

Osaka blieb ruhig und verwertete kurz darauf ihren zweiten Matchball zum 6:2, 6:4-Sieg. Die Verliererin verweigerte Ramos den Handschlag, aber sie umarmte ihre Bezwingerin am Netz herzlich. In diesem Moment habe sie sich wieder wie ein kleines Kind gefühlt, sagte Osaka. Dann kam es eben zur merkwürdigen Siegerehrung, und auf dem Podest hatte Serena Williams ihre stärksten Szenen. Die erste Grand-Slam-Siegerin aus Japan wirkte etwas verloren und versuchte, ihre Tränen zu verstecken, als Williams den Arm um sie legte.

Und dann forderte Williams, ins Mikrofon sprechend, die Besucher zur Vernunft auf: «Lasst uns nicht mehr buhen. Gratulation Naomi.» So kam die 20-Jährige doch noch zum wohl verdienten Applaus. «Ich fühlte mich schlecht, weil ich weinte und sie weinte. Ich war mir wegen der Umstände nicht sicher, ob es Tränen des Glücks oder der Trauer waren», erzählte die geschlagene Favoritin später. «Ich dachte: Wow, so habe ich mich nicht gefühlt, als ich meinen ersten Grand-Slam-Titel gewann. Ich will nicht, dass sie sich schlecht fühlt. Vielleicht war es die Mutter in mir, die dachte: Hör mal zu, wir müssen uns zusammenreissen.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2018, 03:27 Uhr

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