«Vor fast 20'000 Leuten macht keiner den Clown»

Roger Federer sagt, warum er sich am Laver-Cup nicht um die Qualität des Tennis sorgt und was ihn überrascht hat.

Federer und Nadal betätigen sich auch als Trainer.
Adrian Ruch

Befürchteten Sie vor dem Laver-Cup, die Spieler würden den Anlass als Exhibition behandeln?
Das ist eine berechtigte Frage. Aber ich glaube an die Spieler und daran, dass sie gutes Tennis zeigen und gewinnen wollen. In unserem Sport gibt es keine Unentschieden, die du allenfalls anstreben könntest. Ich machte mir also keine ­Sorgen wegen der Qualität des Tennis. Wenn Topspieler vor fast 20'000 Leuten antreten, machen sie nicht den Clown. Mehr überrascht bin ich über die grossartige Kameradschaft.

Weshalb?
Ich dachte, die meisten würden ihren gewohnten Rhythmus einhalten und nach dem eigenen Match zurück ins Hotel gehen. Doch alle geniessen es, Zeit zusammen zu verbringen. Jeder hat erkannt, wie wichtig es ist, dass möglichst viele Spieler die Teamkollegen unterstützen.

Sie wirkten gegen Nick Kyrgios wie schon im Doppel vom Freitag sehr emotional. Was bedeuten Ihnen die Laver-Cup-Partien?
Es war der zweite Match am ­zweiten Tag und persönlich mein erstes Einzel; da könnte man meinen, das Empfinden sei wie in einer ersten Runde. Aber so ist es nicht, jeder Match fühlt sich wie ein ­Final an, wenn du vor so einem Publikum spielen kannst und wenn durch die starken Gegner so viel Druck entsteht.

Das Publikum verhielt sich zuweilen fast wie im Fussball. Erhöhte das Ihre Motivation?
Du hoffst immer darauf, einen speziellen Moment zu erleben, denn das passiert nicht jeden Tag. Diesmal gab es einen dieser grossartigen Momente – wäre ich schon zurückgetreten, hätte ich ihn nicht erleben können. Ich hatte während des Matchs Gänsehaut, das kann ich nicht abstreiten.

Inwiefern waren die Zuschauer gegen Kyrgios ein Faktor?
Ich kann nicht dauernd aufspringen und die Faust ballen. Ich muss auf den richtigen Moment warten. Das Timing muss stimmen in ­Bezug auf den Punkt und auch auf meine Reaktion, damit ich das ­Publikum involvieren kann. Insofern ist der Plan perfekt aufgegangen, weil wir das Beste für den Schluss aufgespart hatten. Ich bin sehr dankbar für den unglaublichen Support. Die Zuschauer ­waren da, als ich sie brauchte.

Wie war die Stimmung im Vergleich zu anderen Orten?
Es war extrem laut, wobei die ­Halle als Verstärker wirkt. Als mir der Reflexvolley (zum 3:2 im Match-Tiebreak) gelang, war die Stimmung verrückt. Ich denke nicht, dass es auf der Tour je so laut war. Ich erinnere mich nur an eine ­Exhibition in Bogotá – damals bekam ich Angst, als ich den Court betrat. Dies waren wohl meine ­beiden lautesten Momente.

Das Programm für den Sonntag:

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