«Ich muss damit umgehen können»

Roger Federer bezog im Halbfinal von Madrid die 16. Niederlage im 24. Duell gegen Rafael Nadal. Der Schweizer verlor nach grosser Gegenwehr 7:5, 1:6, 3:6.

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Das Resultat widerspiegelt die Leistung von Federer nur ungenügend. Die letzten beiden Sätze waren nicht einseitig, der Schweizer hatte seine Chancen und hielt von der Grundlinie gut mit dem Mallorquiner mit. Nur war dieser nach dem verlorenen Startsatz bei den entscheidenden Punkten effizienter: Er wehrte alle fünf Breakchancen von Federer ab und nutzte seinerseits vier von sieben Chancen zum Servicedurchbruch.

«Ich habe richtig gespielt, so wie ich es gegen Nadal tun muss», urteilte Federer, der in den letzten Tagen mit Muskelbeschwerden zu kämpfen hatte. Im Hinblick auf die kommenden Aufgaben auf Sand und insbesondere auf das French Open wird ihm diese Partie Mut machen. Im Vergleich zur klaren Halbfinal-Niederlage gegen Nadal in Miami Ende März zeigte er eine deutliche Leistungssteigerung. Vieles, was er sich vornahm, gelang.

Pfeifkonzert als Wendepunkt

Zwar geriet er unter geschlossenem Dach in der «Caja Magica» im ersten Satz 0:2 und 2:4 in Rückstand, doch danach fand er eine exzellente Mischung aus Risiko und Geduld. Er diktierte die Ballwechsel oft, kam auf 5:5 heran und nachdem er drei Breakbälle abgewehrt hatte, zeigte er ein Returngame der Extraklasse, das ihm den ersten Satz einbrachte. Wie stark er aus dem Spiel heraus agierte, macht eine negative Statistik deutlich: Im ersten Satz brachte er nur knapp die Hälfte der ersten Aufschläge ins Feld. Das heisst, einfache Punkte gab es beinahe keine für den Schweizer.

In den letzten zwölf Begegnungen zwischen den beiden Rivalen sicherte sich jeweils derjenige den Match, der den ersten Satz für sich entschieden hatte. Diesmal war es anders. Nadal schaffte auch im zweiten Umgang gleich zu Beginn ein Break mit einem Ball, den Federer neben der Linie gesehen hatte. Sein Klagen beim Schiedsrichter quittierte das Publikum mit einem Pfeifkonzert.

Für Nadal hatten die Pfiffe Signalwirkung. Der Spanier spielte nun aggressiver und war vor allem dann tonangebend, wenn es entscheidend war. Bis zum Matchende gab er seinen Aufschlag nicht mehr ab. Für Federer war insbesondere der Serviceverlust im dritten Satz ärgerlich, weil er in diesem Game (beim Stand von 1:2) 40:15 geführt hatte. Nadal gab die Führung nicht mehr aus der Hand. Er wehrte im letzten Aufschlagsgame nochmals eine Breakchance ab und beendete die Partie nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden. Es war der 37. Matchgewinn in Folge auf Sand für den fünffachen French-Open-Sieger. Er trifft nun im Final auf Novak Djokovic, der sich gegen den Brasilianer Thomaz Bellucci nach 4:6, 1:3-Rückstand noch 4:6, 6:4, 6:1 durchsetzte. Djokoivc ist seit nunmehr 33 Partien ohne Niederlage.

«Ich muss damit umgehen können»

«Ich kann diese Niederlage eher akzeptieren als diejenige in Miami. Hier habe ich mir Chancen erspielt», so Federer kurz nach der 16. Niederlage im 24. Duell gegen Nadal. Die Woche in Madrid, die beinahe mit der Niederlage gegen Feliciano Lopez begonnen hatte, war für Federer insofern zufriedenstellend, als er hier sein bestes Sandplatztennis in der laufenden Saison zeigte. Federer: «Ich bin in Sachen Spiel und Intensität dort, wo ich sein will.»

Dass er nun erneut, zum vierten Mal in dieser Saison nach dem Australian Open, Indian Wells und Miami, den Final eines grossen Turniers verpasst hat, nimmt Federer zumindest äusserlich gelassen hin: «Ich muss damit umgehen können.» Die nächste Chance auf einen bedeutenden Titel in diesem Jahr bietet sich nächste Woche in Rom.

Eine Serie wird reissen

Im sonntäglichen Final wird eine eindrückliche Serie reissen, wenn Nadal auf Djokovic trifft. In diesem Jahr hat Djokovic alle seine 31 Partien gewonnen. Einen besseren Saisonstart legte in den letzten 36 Jahren nur John McEnroe hin, der 1984 42 Matches lang ungeschlagen blieb. Nadal blickt derweil auf eine Serie von 37 Sandpartien ohne Niederlage zurück.

Asarenka im Final Favorit

Im Final der Frauen treffen Victoria Asarenka (WTA 5) und Petra Kvitova (WTA 18) aufeinander. Asarenka beendete die zehn Matches andauernde Siegesserie der Deutschen Julia Görges (WTA 27) und wird nächste Woche im WTA-Ranking Platz 4 einnehmen. Die Tschechien Kvitova deklassierte in etwas mehr als einer Stunde die chinesische Australian-Open-Finalistin Li Na (WTA 6) 6:3, 6:1.

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