«Ich hoffe, ich muss nie mehr gegen Simon spielen»

Roger Federer musste schon in der 2. Runde des Australian Open einen harten Test bestehen. Er bezwang den Franzosen Gilles Simon in einem dreistündigen Abnützungskampf.

Schrei der Erlösung: Nach 3:13 Stunden verwertete Roger Federer den fünften Matchball.

Schrei der Erlösung: Nach 3:13 Stunden verwertete Roger Federer den fünften Matchball.

(Bild: Reuters)

Richtig nahe am Ausscheiden war Roger Federer im Match gegen Gilles Simon eigentlich nie, doch der Franzose durfte bis zum Schluss hoffen, die grosse Sensation zu schaffen. Dabei hatte für Federer alles ideal begonnen. Er schlug stark auf, spielte ungemein aggressiv und offensiv und drängte Simon immer wieder in die Defensive. «Ich habe nicht erwartet, dass ich locker in drei Sätzen gewinnen würde», erklärte Federer nach dem über dreistündigen Abnützungskampf.

Nach nur 68 Minuten hatte Federer die ersten beiden Sätze 6:2, 6:3 gewonnen und niemand hätte auch nur einen Fünfer auf den Franzosen gesetzt. «Schon gegen Ende des zweiten Satzes merkte man, dass er stärker wird», hatte aber Federer auf dem Platz gemerkt. «Ich wusste, dass es sehr schwierig wird, wenn er ins Spiel kommt», erklärte der Schweizer im Interview mit SF. Während Simon sich von Ballwechsel zu Ballwechsel steigerte und seine Fehlerquote sichtbar reduzierte, konnte Federer das unglaubliche Tempo, das er zu Matchbeginn angeschlagen hatte, nicht mehr gehen.

«Komische Spiele gegen Simon»

«Mir passierten zu viele Fehler», gab er hernach auch zu. 53 unerzwungene Fehler notierten die Statistiker am Ende des Tennis-Marathons, der erst nach Mitternacht Ortszeit zu ende gegangen war. «Auch der Aufschlag war nicht mehr optimal», so Federer weiter. Gleich dreimal musste er sich im dritten Satz den Service abnehmen lassen. «Und ich hatte selber zwei Breaks, das sollte normalerweise reichen, um den Match nach Hause zu bringen», sagte er. Er habe auch in den Sätzen drei und vier nicht schlecht gespielt, fand Federer.

«Es war ein komisches Spiel», musste er dagegen nach dem Match konstatieren, «es sind immer komische Spiele gegen Gilles Simon.» Die beiden bisherigen Direktbegegnungen hatte Federer im Jahr 2008 verloren. Er lobte den 26-Jährigen für dessen gute Beinarbeit und als «guten Returnspieler». Vor dem fünften Satz seien ihm deshalb all diese Gedanken durch den Kopf geschossen. «Ich hoffte, dass er nicht mehr so gut ist, dass er vielleicht etwas müde ist, dass er vielleicht nach dem Turniersieg in Sydney schlecht vorbereitet ist. Ich wunderte mich, ob er nicht vielleicht etwas weniger treffen sollte», so schilderte er im Platzinterview mit dem früheren Profi Jim Courier seine (wohl nicht ganz ernst gemeinten) Gedanken. Und er schob – ebenfalls mit einem Augenzwinkern – nach: «Ich hoffe, ich muss nie mehr gegen Simon spielen.»

Im fünften Satz fand Federer ebenfalls nicht zurück zum Spiel der ersten beiden Sätze. Vor allem der Aufschlag, sonst seine stärkste Waffe, funktionierte nicht wunschgemäss. Immer wieder geriet er bei eigenem Service in Schieflage. Er hatte Mühe, seine Aufschlagspiele zum 2:1 (nach 0:30-Rückstand) und 3:2 (nach 30:30) durchzubringen. Die Nightsession sei eventuell ein kleiner Vorteil für Simon gewesen, meinte Gegner. «Die Bedingungen sind da etwas langsamer», begründete er.

Die Tipps von Wawrinka

Die Vorentscheidung fiel im sechsten Game des fünften Satzes, als Gilles Simon nur einen ersten Aufschlag ins Spiel brachte und nach einer 40:15-Führung den Aufschlag schliesslich nicht mehr durchbrachte. Federer servierte anschliessend die Partie nach Hause, er nützte mit dem elften Ass den fünften Matchball. «Heute war ich der Glücklichere. Ich bin froh, noch im Turnier zu sein», sagte Federer. Und auf die Frage, wann er letztmals schon in der 3. Runde eines Grand-Slam-Turniers ausgeschieden sei, gab er Courier die korrekte Antwort (French Open 2004 gegen Gustavo Kuerten). Erst als dieser seine Frage etwas nachbesserte, sagte der Schweizer lachend: «Ich hatte eben einen Fünfsätzer.»

In der 3. Runde trifft Federer auf Xavier Malisse (ATP 45). Gegen den Belgier führt Federer in den Direktbegegnungen mit 7:1. «Ich habe schon lange nicht mehr gegen ihn gespielt. Aber er war einer meiner Gegner, als ich bei U-12-Junioren mein erstes Turnier bestritt», erinnert sich Federer. Die einzige Niederlage kassierte er vor zwölf Jahren im Davis Cup. Aber auch Federers Siege liegen weit zurück: In den letzten acht Jahren standen sich Federer und Malisse nur einmal gegenüber, 2006 in Toronto setzte sich Federer 7:6, 6:7, 6:3 durch. Malisse unterlag zuletzt im Final in Chennai (Indien) dem Schweizer Wawrinka. «Ich werde Stan noch um einige Tipps bitten», sagte Federer.

DerBund.ch/Newsnet

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