Der Stier hat rotgesehen

Nach dem ersten Sandturnier der Tennissaison stellt sich nur eine Frage: Wer kann diesen Rafael Nadal stoppen?

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In der Physik gibt es einen Begriff für eine Maschine, die – einmal in Gang gesetzt – ohne zusätzliche Energiezufuhr einfach immer weiterläuft: das Perpetuum mobile. Dieses Gerät ist nur ein utopischer Gedanke, in der Realität kaum umsetzbar. Doch wenn man das Tennisturnier in Monte Carlo und somit den unaufhaltsamen Siegeszug von Rafael Nadal verfolgt hat, muss man unweigerlich an dieses Perpetuum mobile denken.

Absolute Dominanz

Wie eine gut geölte Maschine ohne Sand im Getriebe überfuhr der Spanier die Konkurrenz. Hintereinander besiegte er den Slowenen Aljaz Bedene, den russischen Jungstar Karen Katschanow, den österreichischen Sandplatzspezialisten Dominic Thiem, die bulgarische Weltnummer 5 Grigor Dimitrov sowie den wiedererstarkten Japaner Kei Nishikori und stürmte zu seinem 11. Turniersieg an der Côte d’Azur. Nadal verlor dabei keinen Satz und gab nur 21 Games ab. In fünf Spielen. Gebreakt wurde er lediglich dreimal.

Sinnbildlich für seine Dominanz war der Matchball im Final. Nach 1 Stunde und 33 Minuten beendete Nadal mit einem satten Rückhand-Winner das Spiel. Der Mallorquiner verzichtete für einmal auf eine ausgiebige Jubelpose: Er streckt kurz die Arme in die Luft und lächelte ins Publikum. Es war mehr Erleichterung als Euphorie. Verständlich, betrachtet man die vergangenen Monate des 31-Jährigen.

Der Davis-Cup als Initialzündung

Nach der zugezogenen Hüftbeuger-Verletzung im Januar am Australian Open laborierte Nadal lange an seiner Blessur. Zuerst sagte er das Turnier in Acapulco ab, danach liess er die Hartplatzturniere in Indian Wells und Miami aus. Lange Zeit wusste der Mallorquiner selbst nicht, wann er auf die Tour zurückkehren würde.

Umso überraschender kam dann die Meldung Ende März, dass Nadal seine Zusage für den Davis-Cup-Viertelfinal gegen Deutschland gab. Und als der Spanier in der ausverkauften Stierkampfarena «Plaza de Toros» in Valencia auf der roten Asche stand, wurde schnell klar, dass der beste Sandplatzspieler der Geschichte wieder fit ist. Mit zwei eindrücklichen Siegen im Einzel gegen Philipp Kohlschreiber und Alexander Zverev war Nadal massgeblich am Halbfinaleinzug der Spanier beteiligt. Der Stier aus Manacor hat rotgesehen.

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Mit seinem Sieg in Monte Carlo kam nun auch die Bestätigung. Der Körper hat den ersten Test souverän bestanden. «Das bedeutet mir viel. Vor allem, weil es das erste Turnier der Saison war, das ich beenden konnte», sagte er erleichtert nach dem Final. Nun muss man sich die Frage stellen: Wer kann diesen Nadal auf Sand – und insbesondere am French Open – überhaupt stoppen?

Die üblichen Verdächtigen fehlen

Die Tenniswelt ist zurzeit stark zerstückelt. Viele Spieler plagen Verletzungssorgen, den Gesunden mangelt es an sportlicher Konstanz. An jedem Turnier tauchen immer wieder andere Namen unter den letzten vier auf. Und die ärgsten Konkurrenten von Nadal haben zumeist mehr Probleme mit sich selber als mit dem Spanier.

Nur schon hinter den erfolgreichsten Tennisspielern der vergangenen Jahre, eigentlich den üblichen Verdächtigen, steht ein grosses Fragezeichen. Nadals grösster Rivale, Roger Federer, ist bekanntlich bis nach den French Open abwesend, um seinen Körper für die Rasenplatzsaison zu schonen. Novak Djokovic findet nach seiner auskurierten Ellenbogenverletzung mit zwei Siegen in Monte Carlo langsam wieder den Tritt. Doch von der Form seiner besten Zeiten ist der Serbe meilenweit entfernt. Andy Murray plant nach seiner Hüftoperation seine Rückkehr auf das Rasenturnier in Rosmalen Mitte Juni. Und Stan Wawrinka, immerhin letztjähriger Finalist bei den French Open, wird in Madrid Anfang Mai sein Comeback geben. Doch wie konkurrenzfähig der Romand nach zwei Knieoperationen tatsächlich ist, wird sich noch zeigen.

Wer soll bei den Jungen auftrumpfen? Dominic Thiem, eigentlich ein Sandplatzspezialist, konnte an der Côte d’Azur gerade mal zwei Games gegen Nadal gewinnen. Der Österreicher wirkte teilweise völlig überfordert, produzierte unter dem Druck der peitschenden Vorhand des Gegners Eigenfehler en masse. Gleiches gilt für Dimitrov und Alexander Zverev, die zurzeit mit ihrer eigenen Konstanz zu kämpfen haben. Die Weltnummern 3 und 5 erreichten in Monaco zwar den Halbfinal, jedoch eher durch Kampf und Krampf als durch überzeugendes Tennis. Zudem war auch der Bulgare gegen Nadal chancenlos.

Natürlich gibt es noch weitere Namen – Del Potro, Cilic, Goffin, Gasquet, Bautista Agut, Isner –, welche als mögliche Konkurrenten infrage kommen könnten. Doch am Ende kommt man zur Einsicht, dass Nadal selbst sein grösster Konkurrent ist. Seit seinem ersten Sieg in Paris im Jahre 2005 gewann er nur dreimal das French Open nicht. Genau in diesen Jahren liess ihn sein Körper im Stich. Bei den einzigen beiden Niederlagen an Roland Garros (2009 gegen Söderling und 2015 gegen Djokovic) haderte Nadal mit der Fitness, 2016 gab er noch vor der dritten Runde aufgrund einer Handgelenkverletzung Forfait.

Die Nummer 1 im Hinterkopf

Doch dieses Jahr scheint der Körper, zumindest für die Sandplatzsaison, bereit. Nadal wird voraussichtlich bereits diese Woche als Titelverteidiger in Barcelona wieder im Einsatz stehen. Danach geht es planmässig nach Madrid und Rom. In dieser Zeit muss der Spanier insgesamt 1680 Punkte verteidigen, um in der Weltrangliste nicht hinter Federer zurückzufallen.

Natürlich wird Nadal das im Hinterkopf haben, jedoch bleibt sein Blick nach Paris gerichtet. An der Seine will der 31-Jährige seinen 11. Triumph feiern – es wäre der 17. Grand-Slam-Titel der Karriere. In der ewigen Liste würde er somit wieder auf drei Titel zu Federer aufrücken. Ein realistischer Gedanke. Denn, falls Nadals Körper bis Anfang Juni fit bleibt, was sollte da schon schiefgehen? (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.04.2018, 13:54 Uhr

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