«Am liebsten mag ich den Geruch meiner Babys»

Das Schweizer Tennis-Ass Roger Federer stellte sich beim ATP-Event in Madrid für einmal ganz persönlichen Fragen.

Basketball statt Tennis: Roger Federer war zu Gast bei den Los Angeles Lakers.

Basketball statt Tennis: Roger Federer war zu Gast bei den Los Angeles Lakers.

(Bild: Keystone)

René Stauffer@staffsky

Schon 66 in der Schweiz aktive oder hier geborene Sportlerinnen, Sportler, Trainer oder Funktionäre aus den verschiedensten Disziplinen haben bisher in der wöchentlichen und stets am Samstag erscheinenden TA-Rubrik «Fragebogen» teilgenommen, die im Oktober 2009 eingeführt wurde – mit Heliane Canepa auch die Frau des FCZ-Präsidenten. Immer wieder fiel dabei in den Antworten zur Frage «Welche Persönlichkeit fasziniert Sie?» der Name Roger Federer. In Madrid stellte sich der 16-fache Grand-Slam-Sieger nun selber unseren Fragen.

Roger Federer, was ist Ihre zweite grosse Leidenschaft neben dem Sport? Die Familie, ganz klar. Ich bin ein Familienmensch, mit meinen Eltern, mit den Eltern von Mirka, mit meinen Kindern. Und auch meine Freunde sind mir extrem wichtig.

Was wären Sie geworden wenn nicht Profisportler? Ich hätte als Erstes Fussballer gesagt, aber das zählt ja nicht. Die letzten Jahre meiner Schultätigkeit waren schon sehr auf das Tennis ausgerichtet. Ich hätte mich nie mit Zahlen arbeiten sehen – wobei mich das inzwischen wieder mehr interessiert. Ich verliess die Schule wahrscheinlich zu früh, um zu wissen, was ich sonst hätte machen wollen. Mit 12 oder 14 hätte ich das noch nicht gewusst, das hätte ich wohl erst mit 16, 18 oder 20 herausgefunden. Und jene Jahre habe ich in dieser Hinsicht leider ein wenig verpasst.

Was haben Sie im Sport gelernt, was man im normalen Leben nicht lernt? Mit extremem Druck umzugehen. Die verschiedensten Kulturen und Leute kennenzulernen. Wie man sich beherrschen, sich emotional kontrollieren kann. Das hätte ich nie geschafft, wenn ich nicht Tennisspieler geworden wäre, das war in dieser Hinsicht ein grosser Vorteil. Und ich habe durch den Sport extrem viele Freunde gewonnen, wobei ich wohl auch sonst viele Freundschaften geknüpft hätte.

Welchen Luxus haben Sie sich zuletzt geleistet? Ich war shoppen in den USA; Kleider, Freizeitkleider. Das war das Letzte.

Welchen Sportanlass haben Sie zuletzt als Privatperson besucht? Zwei NBA-Partien, die LA Lakers, als ich in Beverly Hills war, und die Miami Heat in Florida. Beide Spiele erlebte ich vom Floor (Spielfeldrand) aus, das war schon sehr speziell.

Welches ist Ihr Lieblingsort? Die Schweiz, eindeutig. Auch wenn ich manchmal meine Ferien an anderen Orten verbringe, damit ich von allem wegkommen und an den Strand gehen kann und damit die Chancen am grössten sind, dass das Wetter am schönsten ist.

Was bedeutet die Schweiz für Sie? Heimat. Hier bin ich am liebsten, hier fühle ich mich wohl, die Schweiz bedeutet mir extrem viel. Meine Familie und Verwandtschaft und die meisten Freunde leben hier, hier möchte ich alt werden, und ich will auch, dass meine Kinder einst hier in die Schule gehen.

Was würden Sie als König der Schweiz verändern? (lacht) Das erinnert mich an Miami, wo mir gesagt wurde, dass die Leute in der Schweiz gemäss einer Umfrage mich zum König wählen würden. Ich antwortete: Ich bin kein König, dazu müsste ich zuerst etwas älter werden und ein paar graue Haare haben. Ich finde: Die Sachen, die wir an der Schweiz so mögen, die sind einfach so, und jene, die wir nicht gerne haben, ebenfalls. Es gehört zur Schweiz, dass man nicht alles haben kann, dass man sich dem auch fügt und nicht immer das Negative herausstreicht. Ich bin auch sehr dafür, dass alle gleich behandelt werden. In Miami, Dubai oder anderswo kann ich um halb neun noch in jedem Restaurant einen Tisch buchen, die lassen immer Tische frei für Prominente. Das geht in der Schweiz nicht. Wenn es voll ist, ist es voll. Es ist, wie es ist in der Schweiz, und es ist gut so.

Wie oft gehen Sie zum Coiffeur und wie viel darf es kosten? Gerade jetzt wäre es wieder nötig, aber manchmal fehlt mir die Zeit, manchmal die Lust. Ich versuche, alle anderthalb Monate zu gehen. Manchmal kostet es halt mehr, manchmal überraschenderweise weniger. Und manchmal werde ich sogar eingeladen.

Welches Menü haben Sie zuletzt gekocht? Ich koche eben leider nicht. Das ist etwas, das ich gerne lernen würde, wenn ich mal fertiggespielt habe. Ich hatte immer Glück: Mirka kann gut kochen, ihre Eltern kochen gut, meine Eltern auch, und auch meine Pflegefamilie in Ecublens hat damals gut gekocht für mich. Und sonst ging ich meistens in Restaurants. Früher, als ich mit Yves (Allegro) oder Michi (Lammer) oder Sven (Swinnen) ein Zimmer oder eine Wohnung teilte, versuchten wir uns so gut wie möglich durchzuschlagen. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal gekocht habe, das ist etwas traurig. Aber das eigentlich Schlimme ist, dass ich gar nicht kochen kann.

Woran glauben Sie? An vieles. Ein wenig auch an die Religion, so gut es geht.

Welchen Geruch mögen Sie? Den meiner Babys. Und Parfüm.

Welche Persönlichkeit fasziniert Sie? (lacht) Ich komme aus dem Sport, deshalb ist es lässig für mich, andere Spitzensportler zu treffen, man versteht sich irgendwie. Gleichzeitig muss ich sagen, dass ich meinen Horizont viel mehr geöffnet habe als andere. Es könnte ein Maler sein, oder der Leader eines Landes. Nelson Mandela oder Muhammad Ali würde ich gerne kennen lernen, auch Michael Jordan. Generell geniesse ich es aber auch, ganz normale Leute zu treffen. Es muss nicht immer jemand sein, der im Rampenlicht steht. Ich bin auch froh, wenn es normal zu- und hergeht.

Wofür haben Sie kein Verständnis? Für alles Böse und Schlimme. Und davon gibt es genug auf der Welt. Leider sind unsere Medien – ich möchte nicht sagen: dem Ganzen verfallen. Aber am Fernsehen wird schon meistens über Tragisches berichtet, das wird mit der Zeit etwas traurig. Deshalb war ich froh, einmal etwas Lässigeres zu sehen, wie die Hochzeit von Kate und William. Das tat auch einmal gut.

Was müssen Sie in Ihrem Leben unbedingt noch machen, sehen oder erleben? Es gibt für mich nach dem Tennis hoffentlich noch ein grossartiges Leben. Nicht, dass ich mich langsam darauf einstellen würde. Aber ich bin nicht mehr 23, werde bald 30, da versucht man sich schon vorzustellen, was noch alles kommt. Ich würde es gerne etwas ruhiger haben, in der Schweiz ein normaleres Leben führen. Aber das Reisen werde ich wahrscheinlich vermissen und es wieder machen wollen. Ich würde an Orte gehen, an denen ich noch nicht war, oder an Orte zurückgehen, wo ich schon war, die ich aber nicht richtig besuchen konnte wegen des ganzen Stresses. Und vor allem würde ich gerne mit meinen Eltern und meiner Familie viel Zeit verbringen und Dinge unternehmen.

Tages-Anzeiger

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