18 Flugstunden und 19'000 Franken für 3 Stunden Federer

Was Tennis-Fans auf sich nahmen, um den historischen Melbourne-Final live zu sehen.

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Als «grösstes Tennisspiel in der Geschichte» bezeichnete Andy Roddick, ehemalige Weltnummer 1, das Duell zwischen Roger Federer und Rafael Nadal im Vorfeld. Im Gegensatz zum als «Kampf des Jahrhunderts» hochgejubelten Boxfight zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao Anfang Mai 2015 war der Australian-Open-Final tatsächlich ein episches Match, das dreieinhalb Stunden lang nicht nur Tennisfans in Atem hielt.

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Glücklich durfte sich schätzen, wer an diesem denkwürdigen 29. Januar 2017 in der Rod Laver Arena sass. Obwohl: Nur mit Glück hatte dies nicht zu tun. Jedenfalls nicht für alle. Vielmehr mussten sich etliche Fans im Vorfeld fragen: Ist es mir das wert? Denn die regulären Ticketpreise von 300 bis 600 Franken hielten in etwa so lange an, wie ein Aufschlagspiel von Roger Federer dauerte. So waren innert kürzester Zeit keine Karten mehr für unter 1500 Franken zu haben. Gegenüber der «New York Times» sagten zwei chinesische Studentinnen nach dem Match: «Wir haben auf Viagogo 1900 US-Dollar für ein Ticket bezahlt, aber es hat sich gelohnt.»

Dieser Betrag wirkt aber fast schon lächerlich im Vergleich zum Aufwand, den Ronny Chow auf sich nahm. Der Anwalt aus Hongkong sagte der «Times», er sei nach der ersten Turnierwoche nach Hause geflogen. Um den Final zu sehen, buchte er ein Last-Minute-Ticket nach Melbourne: «Der Flug dauert pro Weg 9 Stunden. Das Abenteuer kostete mich 19'000 Dollar, inklusive Eintrittskarten.» Zum Vergleich: Für die kommende Superbowl werden auf dem Schwarzmarkt bis zu 6000 US-Dollar bezahlt.

Auf 15'000 US-Dollar verzichtet

Chow war bei Federers letztem Major-Triumph 2012 in Wimbledon bereits im Stadion: «Deshalb hatte ich das Gefühl, dass ich auch diesen Final unbedingt live miterleben muss.» Seine Liebe zum Tennis und insbesondere zu Federers Spiel bezeichnet er selber als «krankhaft».

Lange auf ihr Glück warten musste Fiona Wong. Die Australierin kaufte in den vergangenen fünf Jahren jeweils schon im Vorfeld ein Finalticket, verkaufte es aber umgehend, als feststand, dass Federer den Final nicht bestreiten wird. Im Jahr 2017 war es dann endlich so weit: Sie durfte ihren Liebling in der Rod Laver Arena im Endspiel sehen.

Diesen Moment wollte Wong auf keinen Fall verpassen. Auch nicht, als sie ein Angebot sah, das sie eigentlich nicht ablehnen konnte: «Ich hätte mein Ticket für 15'000 US-Dollar verkaufen können, aber ich habe darauf verzichtet. Es tönt so klischeehaft, aber Federer hier im Final zu sehen, ist einfach unbezahlbar.»

fas

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