Grosse Pläne nach der Premiere

Agron Dzila präsentiert sich erstmals am Boxing Day im Kursaal. Der Cruisergewichtler will nach der Zwangspause zeigen, dass er bereit ist für Grossbühnen in Deutschland oder Russland.

Der in Burgdorf lebende Agron Dzila hat nach seiner verletzungsbedingten Pause rund 20 Kilogramm abgenommen.

Der in Burgdorf lebende Agron Dzila hat nach seiner verletzungsbedingten Pause rund 20 Kilogramm abgenommen.

(Bild: Adrian Moser)

Ruedi Kunz

2016 war in sportlicher Hinsicht kein gutes Jahr für Agron Dzila. Im Januar zog er sich beim Joggen einen Muskelanriss in der linken Wade zu. Die Verletzung hinderte ihn wochenlang an einem vernünftigen Boxtraining, was ihn zunehmend unruhiger werden liess. Wie sollte er am 28. Mai am verschobenen Boxing Day in Visp eine gute Figur abgeben, wenn er keinen geordneten Aufbau betreiben konnte? Also wagte er sich im April wieder in den Ring, obwohl die Wade immer noch zwickte.

Es war kein weiser Entscheid, denn die Verletzung brach wieder auf. Statt sich im Oberwallis mit dem Tansanier Mbaruku Kheri zu messen, musste Dzila wohl oder übel ein zweites Mal für längere Zeit kürzertreten. Die lästige Verletzung hatte auch ihr Gutes. Als der 28-jährige Burgdorfer endlich wieder beschwerdefrei trainieren konnte, tat er es mit einem Eifer wie schon lange nicht mehr. Innert weniger Wochen verbrannte er die fast 20 Kilogramm, die er während der Zwangspause zugelegt hatte. «Agron hat wirklich sehr hart trainiert und ist so fit wie fast noch nie», sagt Nuri Seferi.

Es ist ein Urteil aus berufenem Mund, denn der 40-Jährige ist Dzilas Trainer und Mentor, seit dieser mit 11 erstmals im Boxkeller der Brüder Seferi auftauchte. «Agron ist Teil der Familie», sagt der renommierte Cruisergewichtler, der in seiner Karriere schon gegen fünf ehemalige Weltmeister im Ring stand. Dzila betont, dass er ohne Nuri und Sefer Seferi nicht dort stünde, wo er heute steht. «Wir haben einander über all die Jahre gepusht.» Zugute kam den drei Athleten bei den unzähligen Sparringrunden, dass sie fast gleich schwer sind.

Sparring mit der Nummer 1

Ein weiterer regelmässiger Trainingspartner ist der momentan beste Schwergewichtsboxer der Schweiz, Arnold Gjergjai. Der in Basel lebende Boxer rückte im Mai ins mediale Rampenlicht, als er sich in London mit dem ehemaligen WBA-Weltmeister David Haye mass und dabei eine wenig rühmliche Figur machte (technischer K. o. in der 2. Runde). Wie die Seferis gehört auch Gjergjaj zum Betreuerstab, der am Boxing Day im Berner Kursaal in Dzilas Ringecke präsent ist.

«Kein Boxer, der schnell umfällt»

Dzila trifft bei seiner Premiere am Berner Boxing Day auf Jorge Rodriguez Olivera (28 Siege, 14 Niederlagen). Der Uruguayer sei «kein Boxer, der schnell umfällt», urteilt Dzilas Manager Oliver Dütschler. Sein Schützling habe einen starken Gegner gewünscht nach der langen Zwangspause. Er wolle wissen, wo er nach 15 Monaten ohne Ernstkampf stehe, sagt Dzila. Bei allem Respekt vor den Qualitäten des 35-jährigen Olivera: alles andere als ein Sieg des Burgdorfers in seinem 25. Profikampf wäre eine Sensation.

Dieser will das traditionelle Stephanstag-Meeting nutzen, um sich wieder für eine international renommiertere Bühne ins Gespräch zu bringen. Eine erste Kostprobe lieferte Dzila im März 2015 ab, als er in Rostock im Vorprogramm des WBA-Titelkampfes zwischen Jürgen Brähmer und Robin Krasniqi den starken Kenianer Bernard Adie bezwang. Dütschlers Kontakte zu namhaften Promotoren in Deutschland könnten mithelfen, dass sich für Dzila schon 2017 die Türen zu Veranstaltungen mit Sat-1-Beteiligung öffnen. Ein anderer, finanziell lukrativer Markt ist Russland.

Zieht sich Dzila an einem dieser Meetings gut aus der Affäre, täte er einen ersten Schritt, um aus dem Schatten seines Mentors Seferi zu treten. «Mein Ziel ist es, möglichst rasch in die Fussstapfen von Nuri zu treten.»

Am Boxing Day vom 26. Dezember im Berner Kursaal boxen die Profis Alain Chervet, Agron Dzila, Gábor Vetö und Davice Faraci. Im Weiteren stehen sieben Amateurkämpfe auf dem Programm.

Der Bund

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