Was hat Kasper wirklich gesagt? Die Audiofiles seiner Aussagen

In einem Interview mit dem TV-Sender ARD sagt der FIS-Präsident, er sei ungenau zitiert worden. Das stimmt nicht.

Der Präsident des internationalen Skiverbands FIS, Gian Franco Kasper, sorgte für Furore.

Der Präsident des internationalen Skiverbands FIS, Gian Franco Kasper, sorgte für Furore.

(Bild: Keystone)

Ueli Kägi@ukaegi

Gian Franco Kasper hat in dieser Woche viele Interviews gegeben, nachdem Aussagen von ihm gegenüber Tamedia-Journalisten für Furore gesorgt hatten. Etwa bezüglich Olympischen Spielen in Diktaturen: «Es ist nun einmal so, dass es für uns in Diktaturen einfacher ist. Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten.»

Nun hat der Präsident des internationalen Skiverbandes FIS auch mit dem deutschen Fernsehsender ARD geredet und gesagt, oben genannte Aussage sei folgendermassen zustande gekommen: Er sei gefragt worden: «Ist es leichter, in Diktaturen neue Skigebiete und Olympische Spiele durchzuführen oder in normalen Demokratien im Westen?» Darauf habe er geantwortet: «Natürlich ist es leichter in Diktaturen, da wird nicht lange diskutiert, sondern einfach gemacht. Aber wir leben im Westen und wir haben uns mit unseren eigenen Gesetzen auseinanderzusetzen.»

Wir halten an unserer Darstellung fest. Wortwörtlich verlief der Abschnitt dieses Gesprächs so. ­Tamedia-Journalisten: «Man (im internationalen Olympischen Komitee, Red) ist sehr gut im Ausblenden, im Verdrängen.» Antwort Kasper: «Schauen Sie, das ist der Nachteil der Diktatur. Aber es ist schon schön, in Diktaturen solche Anlässe haben zu dürfen, das läuft einfach. Also ich persönlich, vom Geschäft her, würde sagen: Wir gehen nur noch in Diktaturen, anstatt mich herumzustreiten mit Umweltschützern und was auch immer.» Ausschnitte aus dem Audio-File finden Sie unten.

«Die ist viel schlimmer»

Gegenüber der ARD sagt Kasper weiter, das Interview sei von seiner Seite nicht autorisiert worden – «absolut nicht». Kasper verlangt nur in den seltensten Fällen, Zitate gegenzulesen – was er auch gegenüber den ­Tamedia-Journalisten nicht tat. Gesagt ist eben gesagt.

Kasper sagt im ARD-Beitrag auch: «Die zweite Anschuldigung (neben der Aussage bezüglich Diktaturen, Red) ist viel schlimmer: ‹Ich leugne die Klimaerwärmung.› Das habe ich sowieso nicht gesagt.» Auch in diesem Fall halten wir an der Interview-Darstellung fest. Wörtlich sagte Kasper: «Vorläufig ist kein Beweis da (für die Klimaerwärmung, Red). Wir haben noch Schnee, und zum Teil sogar sehr viel.»


Audio: Gian Franco Kasper zum Klimawandel. Quelle: Tamedia

DerBund.ch/Newsnet

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