«Beat war aber auch ein fauler Hund»

Sepp Brunner, Abfahrtschef der Schweizer, über den schwierigen Weg von Beat Feuz bis zum WM-Titel.

Beat Feuz habe den grössten Anteil an seinem Sieg, nicht er: Abfahrtschef Sepp Brunner. Foto: Keystone

Beat Feuz habe den grössten Anteil an seinem Sieg, nicht er: Abfahrtschef Sepp Brunner. Foto: Keystone

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Wie emotional ist das Gold für Sie?
Sehr emotional, weil ich weiss, was Beat über all die Jahre durchgemacht hat. Jetzt hat er den Lohn dafür, dass er sich immer wieder zurückgekämpft hat. Sein Sieg zeigt, was herauskommen kann, wenn einer nie aufgibt.

Sie begleiten ihn seit Jahren. Wie gross ist Ihr Anteil an seinem Sieg?
Es muss einfach alles passen, die Vor­bereitung, das Training, wo er nicht zu viel machen darf. Wir als Team haben da gute Entscheidungen getroffen. Mein ­Anteil ist eher klein, alles andere ist Beat.

Was macht ihn aus?
Seine Nervenstärke. Wie er mit der Situation umging, dass er als Favorit gehandelt wurde, ist beeindruckend. Oder auch mit der Verschiebung des Starts nach unten. Ich war mit ihm auf dem Sessellift, als diese Entscheidung fiel. Da wurde er richtig wütend, sagte: «Das ist der Wahnsinn! Am besten fahren wir gar nicht!» Beim Aussteigen sagte ich ihm: «Beat, konzentrier dich. Stell dich darauf ein und zeig, was du draufhast.»

«Vor dieser Saison litt er an einer Gesichtslähmung: Das war der grösste Schock.»Sepp Brunner, Abfahrtschef von Beat Feuz

Das hat er getan.
Ja. Er ist einer, der sich aufregen kann, dann aber auch wieder herunterkommt und sich auf die Sache einzustellen vermag, die auf ihn zukommt. Er schafft es dann auch, das umzusetzen, was er sich vorgenommen hat. Nicht zu übertreiben, wie es manch anderer Athlet tut, der dann Fehler macht. Deshalb: Hut ab!

Sie haben ihn als Privattrainer betreut, als er nach seiner schweren Knieverletzung und der verheerenden Fischölkur, die ihn beinahe das linke Bein gekostet hätte, 2013 zurückkam. In welchem körper­lichen Zustand war er da?
Der war nicht gut. Ich dachte, er würde nie mehr Tennis oder Fussballtennis spielen, was er sehr gern tat. Es ist ein Wunder, dass er das wieder tun kann.

Wie ging er damit um?
Er war mental nie gebrochen, obwohl keiner wusste, wie es weitergeht, ob er je wieder Ski fahren kann. Und vor dieser Saison litt er an einer Gesichtslähmung: Das war der grösste Schock.

Weil niemand wusste, ob sie wieder verschwindet?
Ja, deswegen und weil er sich sehr viel vorgenommen hatte für diesen Winter. Dann litt er im Herbst an einer Mittelohrentzündung, die ihn zurückwarf – und dann diese Lähmung! Er konnte in den USA nicht trainieren. Solche Sachen muss ein Athlet erst einmal wegstecken.

Früher liess seine Athletik zu wünschen übrig. Wie ist das heute?
Er macht körperlich viel mehr, als alle glauben. Er weiss genau, was er braucht und wie er mit seinem Körper umgehen muss. Das macht er phänomenal.

Wie war das, als er jung war?
Da war er ein Rohdiamant, aber auch ein fauler Hund. Er musste seinen Weg finden, nachdem er an der Junioren-WM 2007 drei Goldmedaillen gewonnen hatte und in ein Loch fiel. Er wusste: Wenn ich jetzt nicht Gas gebe, bin ich weg. Er hat Gas gegeben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2017, 21:55 Uhr

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