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Einer schob eine ruhige Kugel

Am Mittelländischen Schwingfest auf dem Gurten reüssierte Christian Stucki mit einem Start-Ziel-Sieg.

Gegen diese Übermacht war kein Kraut gewachsen: Der im Schlussgang unterlegene Curdin Orlik (links) gratuliert Sieger Christian Stucki.
Gegen diese Übermacht war kein Kraut gewachsen: Der im Schlussgang unterlegene Curdin Orlik (links) gratuliert Sieger Christian Stucki.
Peter Klaunzer, Keystone

Der Schlussgang war auf 12 Minuten angesetzt, und das Thermometer zeigte auf dem Berner Hausberg 33 Grad an. Christian Stucki entledigte sich seines Trainers und schaute etwas missmutig zum Himmel. Soeben war die Arena von einer Woge des Gelächters erfasst worden, als der Platzspeaker Stucki vorstellte und sagte, dieser gebe sein Gewicht mit «100 Kilogramm und etwas» an. Die schmucke kleine Arena war mit 5600 Zuschauerinnen und Zuschauern bestens gefüllt, auf drei Seiten standen Tribünen, Richtung Süden war sie offen, der sanft ansteigende Hang mit Bänken gefüllt. Und ganz oben thronte «Silvester», die Eisenskulptur von Bernhard Luginbühl, die von einer grossen Kugel gekrönt wird.

Eine ruhige Kugel hatte Christian Stucki bis dahin in der Tat geschoben, ein Silvesterfeuerwerk musste er nicht zünden im Sägemehl, zu überlegen war er in diesem Feld, in dem weder die drei Berner Könige Glarner, Sempach und Wenger noch diverse andere Berner Spitzen figurierten – Matthias Sempach hatte wegen einer Oberschenkelzerrung ebenso kurzfristig absagen müssen wie Remo Käser, der eine Ellbogenverletzung auskuriert.

Nein, das tue sich der «Chrigel» nicht an, meinte eine Frau im Publikum und schüttelte energisch den Kopf. «Er wird mit diesem Berner aus dem Bündnerland kurzen Prozess machen und weiter Kurzarbeit abliefern.» Curdin Orlik ist der ältere Bruder von Armon, der im vergangenen August den Schlussgang am Eidgenössischen in Estavayer erreicht hatte. Aus beruflichen Gründen lebt Curdin Orlik seit einiger Zeit in Kandersteg und ist dem Schwingclub Frutigen beigetreten.

Der Gegner taumelte und fiel

Die vereinzelten «Viva la Grischa»-Rufe erinnerten an die Herkunft des in Bern «eingebürgerten» Bündners, der seine Vielseitigkeit an diesem Tag wiederholt unter Beweis stellte, allerdings nicht das überragende Talent von Bruder Armon besitzt. Noch vor Ablauf der zweiten Minute attackierte der Seeländer Kurz-Spezialist mit seiner zweiten Lieblingswaffe: dem Gammen. Er hakte mit dem rechten Beim am linken des Gegner ein und setzte sein ganzes Lebendgewicht von rund 140 Kilogramm ein, um seinen Kontrahenten mit Vorwärtsdrücken aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Orlik wehrte sich einige Sekunden tapfer, taumelte und fiel. Nach dem Sieg am Seeländischen vor zwei Wochen mit dem Maximum von 60,00 Punkten doppelte Stucki nun mit sechs Siegen und 59,75 Punkten nach – nur der Emmentaler Eidgenosse Philip Reusser durfte sich rühmen, im vierten Gang von Stucki nicht direkt auf den Rücken geworfen worden zu sein, sondern diesen immerhin noch zu etwas Nachdrückarbeit am Boden gezwungen zu haben.

Sieben Jahre nach der letzten Austragung des Mittelländischen auf dem Gurten war das Fest bei der Austragung 2017 einmal mehr hervorragend besucht – ein speziell urbanes Publikum war allerdings hoch über der Stadt nicht auszumachen. Zu den fünf Sägemehlringen in der Arena gesellte sich noch ein sechster, auf dem man – ohne in Zwilchhosen zu steigen – etwas Schwingerluft schnuppern konnte. Hier waren vor allem Teenager zu beobachten, die sich unter Gejohle und anfeuernden Rufen Zweikämpfe im Freistil lieferten – inklusive Kratzen, Beissen und an den Haaren ziehen.

Auf den anderen fünf Plätzen ging es dagegen fair zu und her, wenn auch selten begeisternd. Lokalmatador Willy Graber aus Bolligen ist gerade am Boden eigentlich ein Garant für spektakuläre Kämpfe. Er kam aber nie richtig auf Touren und holte den Kranz mit zwei Gestellten und einer Niederlage nur ganz knapp. Noch schlechter erging es dem Aarberger Turnerschwinger Florian Gnägi, auch er als Ringer im «Nebenberuf» ein Bodenspezialist. Er wirkte planlos in seinen Aktionen, schien unter der Hitze besonders zu leiden und verpasste den Kranz.

Zu den positiven Überraschungen gehörte der 25-jährige Sennenschwinger Florian Weyermann vom Schwingclub Langenthal, der zwar relativ klein, aber ungemein kräftig und zäh ist. Er bezwang im zweiten Durchgang Willy Graber und landete schliesslich hinter dem Eidgenossen Patrick Schenk auf dem dritten Platz.

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