Wenn der Youtube-Millionär Zürich aufmischt

Danny MacAskill fährt mit seinem Velo immer am Abgrund. Dieses Wochenende ist er die Attraktion am Urban Bike Festival.

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Ueli Kägi@ukaegi

Das Publikum auf dem Turbinenplatz: Steht in drei, vier, fünf Reihen rundherum. Und in der Mitte: Da tanzen Danny MacAskill und seine Freunde am Abgrund.

MacAskill ist ein Youtube-Star. Oder: Superstar. Ein verrückter Schotte mit Fahrrad. Immer am Abgrund unterwegs. Über Felswänden. Auf Hausdächern. Mauern. Geländern. Er hüpft auch über alles, was überhüpft werden kann. Und das ist ziemlich vieles. Sein erfolgreichstes Video wurde mehr als 50 Millionen Mal angeklickt. Mit dem Handschweiss der Zuschauer liesse sich das Seebecken füllen.

An diesem Wochenende ist der 30-Jährige bei der ersten Ausgabe des Urban Bike Festivals in Zürich-West mit seiner Drop and Roll Show. Dass er gekommen ist «hat schon seinen Preis», so sagt das Mitorganisator Erwin Flury. Das Festival im Schiffbau, auf dem Turbinenplatz und mit einem Ausläufer bis zur Josefwiese, 500’000 Franken Budget, getragen von Herstellern, Sponsoren und Stadt, ist Messe, ist Schauen, ist Geschäften, ist Mitmachen, ist Essen, ist Zirkus. Und in der Nacht auch noch Party.

MacAskill, nicht völlig überraschend von einem österreichischen Brausehersteller gesponsert, springt mit seinen drei Kollegen vorwärts und rückwärts, Hindernisse rauf, Hindernisse runter. Mehr als eine halbe Stunde lang geht das so (heute Sonntag starten die Shows um 13.30 und 15.30 Uhr). Es ist blendende Unterhaltung, auch weil Hendry Jackson ein Mikrofon in der Hand hält. Jackson nennt sich Event-Speaker. Hat Tempo und Witz. Einmal gehts um einen Hochsprung Wettbewerb, über die Latte mit beiden Rädern. Jackson schreit: «Wenn Danny verliert, ist er gefeuert.» Danny verliert. Und darf trotzdem weitermachen.

Einmal heben sie aus dem Stand vom Boden ab, 140 Zentimeter hoch auf eine Box. Ja, mit dem Fahrrad unter den Füssen! Einmal fahren sie über daumenbreite Rohre oder Zäune. Einmal gibts Rückwärtssaltos. Einmal springen sie tagg, tagg, tagg, und stehen schon oben auf einem vier Meter hohen Podest. Runter gehts, wenns sein muss, direkt.

MacAskill gibt noch lange nach der Show Unterschriften. Oder stellt sich hin für Fotos. Nebenan rollen schon längst wieder die Kleinen oder ganz Kleinen mit Mini-Velos oder Laufrädern über den Pumptrack, eine schmale Bahn mit vielen Wellen. Und bald ist es da wie vor dem Gotthard. Zu viele Fahrzeuge auf zu wenig Raum. Also Stau.

Es gibt für die Grösseren auch einen Sprint auf Rollen oder den Mini-Drome, ein Holzoval fast wie früher im alten Hallenstadion, einfach im Kleinformat. Es gibt beim Urban Bike Festival auch BMX-Flatland, einen Langsamfahr-Wettkampf, Designer-Räder mit Holzfelgen, Faltvelos und Probefahren mit oder ohne Elektromotor. Und so wie der Biathlon auf Schalke angekommen ist, so hat es das Radquer fürs Urban Bike Festival in die Stadt geschafft. Ohne Schlamm und Dreck. Dafür mit Viadukt und Josefwiese, mit Treppen und Rampen. Mit Plattfüssen und Schürfwunden.

Frauen und Männer schneiden auf ihren Quervelos mitten durch den Spielplatz auf der Josefwiese. Auch hier sind viele Leute. Nicht alle sind wegen der Räder gekommen. Hinten auf dem Kiesweg spielen die Boulespieler, wie sie es immer tun. Auf dem Rasen wird gekickt. Beim Kiosk gibts urbane Gelassenheit auch mit einem Goldsprint von Turbinenbräu. Aber es hat einige, die unbedingt in der ersten Reihe sitzen wollen, gleich an der Rennstrecke. Bis die letzte Welle bezwungen ist. Und das letzte Rad gedreht.

DerBund.ch/Newsnet

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