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Unerwarteter Umsturz im Radweltverband

Der bisherige Präsident wird überraschend und deutlich abgewählt. Mit David Lappartient übernimmt Einer mit Flair für Machtspiele.

Der neue UCI-Präsident David Lappartient. Bild: Getty Images
Der neue UCI-Präsident David Lappartient. Bild: Getty Images

Einer der beiden Kandidaten irrte sich. Vor der Wahl im Rahmen der Strassen-­­WM im norwegischen Bergen hatten ­sowohl der bisherige Präsident Brian ­Cookson als auch sein Herausforderer David Lappartient versichert, eine Mehrheit der Stimmen hinter sich zu wissen, die es für die Präsidentschaft des Radweltverbandes UCI braucht.

Entsprechend ernüchternd verlief der Donnerstagmittag für Cookson. Er unterlag seinem Herausforderer und bisherigen Vizepräsidenten überdeutlich, mit 8:37 Stimmen. Damit ist er der erste ­Präsident der UCI-Geschichte, der nach nur einer Amtszeit abtreten muss. 2013 hatte er sich als Alternative zur schwierigen Vergangenheit präsentiert, als Neuanfang. Damals hatte der Brite gegen Pat McQuaid gesiegt.

Tatsächlich gelang es Cookson, in gewissen Bereichen Fortschritte zu erzielen, etwa im Frauenradsport und bei der Loslösung der Anti-Doping-Abteilung. Diese war bei seinem Amts­antritt noch eng mit der UCI verschränkt. Heute operiert sie komplett unabhängig. In vielen anderen Bereichen stockten die Reformen jedoch. Das lag einerseits am mangelnden Charisma Cooksons, der vom Naturell her alles andere als ein Leader ist. Andererseits stellte sich gerade Vize Lappartient besonders in der ­Strassenradkommission immer wieder gegen ihn – obwohl er im Präsidium die Entscheidungen noch mitgetragen hatte.

Die erste Opposition wird zum Chef

Mit der klaren Wahl ist klar, dass sich der Franzose einen gewissen Kredit verschafft hat. Er gilt als Funktionär mit Flair für Machtspiele. Zudem ist ­völlig unklar, wie gross Lappartients Nähe zu Tour-Organisator ASO nach wie vor ist respektive wie unabhängig er angesichts von dessen Versuchen der Einflussnahme bleibt. Gerade die ASO hatte sich bei einem grossen Reformvorhaben Cooksons quergestellt.

Das Wahlprogramm Lappartients, der einst den französischen und zuletzt den europäischen Verband präsidierte, ist sehr stringent, seine Ziele tönen hehr. Aber in der Vergangenheit stimmte nicht immer überein, was er nach aussen vertrat und wie er nach innen handelte. Entsprechend gespannt darf man sein, wie er nun agieren wird, als Chef und nicht mehr als erste Opposition.

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