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Tritt für Tritt zurück an die Weltspitze

Nach Zeiten des Zweifelns nähert sich Jolanda Neff wieder ihrer früheren Weltklasseform – auf der Lenzerheide wird sie Vierte.

Wieder erfolgreich: Jolanda Neff hat die Balance zwischen Sport und Studium gefunden.
Wieder erfolgreich: Jolanda Neff hat die Balance zwischen Sport und Studium gefunden.
Keystone

Sie sprudelt und kichert und scherzt, Zeit scheint sie ewig zu haben. Eben ist über dem Zielgelände auf der Lenzerheide ein zünftiger Wolkenbruch niedergegangen, doch gegen die prächtige Laune von Jolanda Neff kann das bisschen Wasser nichts ausrichten. Happy sei sie, «extrem glücklich» sogar, ver­sichert sie.

Vierte wird die St. Gallerin bei der dritten Auflage des Weltcups auf der Lenzerheide, doch was noch vor einem Jahr als Enttäuschung registriert worden wäre, ist jetzt ein Schritt zurück auf den richtigen Weg. In noch jüngeren Jahren galt Neff als Talent, das es nur einmal pro Jahrzehnt gibt. Sie distanzierte ihre Konkurrenz, obwohl sie erst Nachwuchsfahrerin war. Sie war Seriensiegerin und bald die Nummer 1 der Weltrangliste; obschon erst 24 Jahre alt, hat sie bereits zweimal den Weltcup gewonnen.

Aber es kamen schnell auch Zeiten des Zweifelns. Die WM 2015, auch jene von 2016, die Olympischen Spiele in Rio – in den wichtigsten Rennen klappte nichts wie gehofft oder von ihr erwartet. Sie begann den Druck der Öffentlichkeit zu spüren, die Unbekümmertheit wich, Neff stürzte mehrfach unglücklich und hatte im Herbst 2016 auch noch das Pech, dass sich ihr Team überraschend zurückzog. Bei der polnischen Equipe Kross kam sie wohl unter, doch dafür hat sie finanzielle Einbussen in Kauf ­nehmen müssen.

In fünf Jahren zum Bachelor

Schon im vergangenen Sommer begann Neff, ihren Alltag grundlegend neu zu strukturieren. Sie schrieb sich an der Uni Zürich für ein Geschichtsstudium ein, Französisch und Englisch sind die Nebenfächer. Einem 60- bis 70-Prozent- Pensum komme das gleich, sagt sie, die bis dahin Vollprofi gewesen war.

Eine positive Bilanz zieht sie nach einem Jahr: Nicht nur stimuliert sie das Studium intellektuell, sie hat auch die ersten ­Semesterprüfungen bestanden. Erst vor drei Tagen erhielt sie den erfreu­lichen Bescheid. Kommt sie weiterhin im angeschlagenen Tempo voran, dürfte sie den angestrebten Bachelor-Abschluss in vier bis fünf Jahren haben. «Dass es in der Startphase des Studiums schwierig werden könnte, die ­Belastung einzuschätzen, war absehbar», sagt Nationaltrainer Edmund Telser. Bei einer solchen Doppelbelastung sei es wichtig, eine Balance zu finden, fügt der Italiener an und ist überzeugt: «Sie bekommt das in den Griff.»

Eine ­Minute verliert Neff vor der Rekord­kulisse von 10 000 Zuschauern auf ­Siegerin Annie Last und 36 Sekunden auf die drittplatzierte Ukrainerin Yana Belomoina, die sie eine Woche zuvor als Weltranglistenerste ablöste und an der WM Anfang September in Australien zu den Topfavoritinnen zählt.

Kopfvoran in einen Baum

Nachdem der Ostschweizerin das Rennen in ihrer Bündner Wahlheimat in den beiden Saisons davor nicht wunschgemäss geglückt ist, hat sie nun erstmals das Gefühl, die anspruchsvolle Strecke im Griff zu haben. Ein Jahr vor der WM auf der Lenzerheide kommt dieses gute Gefühl gerade rechtzeitig. Ihr Problem bis anhin: Der Bikepark darf aus Naturschutzgründen nur an wenigen ­Tagen im Jahr befahren werden. In der vergangenen Woche zum Beispiel – dies nutzte Neff aus. Auch in den kommenden Tagen bleibt sie im Dorf, trainieren muss sie nun aber auf anderen Pfaden.

Neffs Landsfrau Linda Indergand erlebt einen weniger guten Sonntag. Die 23-jährige Urnerin stürzt mehrmals, am schlimmsten erwischt es sie vor Rennhälfte: Indergand prallt kopfvoran in einen Baum. Sie entscheidet sich, das Rennen trotzdem zu beenden, wirkt im Ziel allerdings benommen. National­trainer Telser bedauert: «Ohne Stürze hätte sie sogar gewinnen können.»

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