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Sonne gut, alles gut

Die Tour de Suisse hat im dritten Jahr unter der neuen Organisation ihren Platz gefunden. Aber: Das hat sie auch Faktoren zu verdanken, die sie nicht beeinflussen kann.

Ausgezeichnet: Damiano Caruso, Simon Spilak und Steven Kruijswijk (v. l.) bei der Siegerehrung in Schaffhausen. Foto: Alexandra Wey (Keystone)
Ausgezeichnet: Damiano Caruso, Simon Spilak und Steven Kruijswijk (v. l.) bei der Siegerehrung in Schaffhausen. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Natürlich schien sie auch zum Abschluss: Die Sonne prägte die Tour de Suisse Ausgabe 2017. Sie sorgte mit ihrer Wärme dafür, dass es ein Jahrgang wurde, der in guter Erinnerung bleiben wird: Mit spannenden Etappen, interessanten Siegern und einem bis zuletzt offenen Kampf ums Gesamtklassement.

Es fehlte nur etwas: ein Schweizer Exploit. Das Abschneiden der Einheimischen ist einer von zwei Faktoren, die die Tour-Organisatoren nicht gross beeinflussen können, von denen sie und der Erfolg ihres Rennens aber abhängig sind.

Keine Schnäppchenpreise

Klar haben die Tour-Chefs bei der Streckenplanung die Stärken der einheimischen Fahrer im Hinterkopf. Aber das allein reicht nicht. Diese müssen sich trotzdem auch gegen die anwesende Konkurrenz durchsetzen.

Der andere unbeeinflussbare Faktor ist das Wetter, wo die Tour de Suisse nach einer verregneten Ausgabe im Vorjahr heuer deutlich mehr Glück hatte. Die zwei kurzen Gewitter in Cevio und La Punt – geschenkt. Sie waren angesichts der Hitze sogar fast schon willkommene Abkühlungen.

Die beiden Faktoren beeinflussen eine andere für das Rennen wesentliche Grösse: das Publikum. Je erfolg­reicher die Schweizer sind, umso eher stellt sich dieses auch unter der ­Woche an den Strassenrand, wenn das Rennen durchs eigene Dorf rollt. Erst recht, wenn es nicht vom Himmel herunterschüttet.

Zuschauermassen wiederum sind das, was die Sponsoren suchen, die in das Rennen investieren, weil sie sich grösstmögliche Publizität erhoffen.

Tour-Direktor Olivier Senn grinst deshalb übers ganze Gesicht, wenn er vom Startwochenende in Cham erzählt, wo sich potenzielle künftige Sponsoren die Tour de Suisse anschauten. Offenbar waren sie sichtlich beeindruckt vom Publikumsaufmarsch im Zugerland. Nicht die schlechteste Ausgangslage für künftige Verhandlungen.

Das kann der Tour de Suisse nur guttun. Der Vertrag mit Hauptsponsor Vaudoise wurde zwar kürzlich bis 2020 verlängert, der Versicherer aus der Romandie will in der Deutschschweiz wachsen. Aber längst nicht alle aktuellen Sponsoren sind von nationalem Format, stehen damit etwas im Widerspruch zum Status des Rennens. Direktor Senn mag dazu verständlicherweise nicht viel sagen, nur so viel: Niemand sei zu einem Schnäppchenpreis zu seinem Werbeplatz gekommen.

Nicht nur wegen der positiven Rückmeldungen von möglichen Sponsoren gibt sich Senn optimistisch. Im dritten Jahr steht er dem Rennen für Rechteinhaber Infront-Ringier vor. Obwohl er ein positives Fazit zieht, sagt er: «Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.» Noch mehr Zuschauer und Begeisterung erhofft er sich für die Zukunft. An der kann Senn nun etwas entspannter arbeiten: Erstmals unter seiner Führung wird die Tour mit einem positiven finanziellen Ergebnis abschliessen.

Auf den Würsten sitzen bleiben

Ein Selbstläufer wird die Tour de Suisse aber nicht. Der Werbemarkt bleibt schwierig, weshalb die Organisatoren nach neuen Wegen suchen, um Geld zu verdienen. Sie betreiben künftig die Festwirtschaft in den Ziel­orten selber, unterstützt von lokalen Helfern.

Entwickelt sich die Tour weiter in Richtung Publikumsmagnet, hat das Potenzial. Doch die Abhängigkeit von den unbeeinflussbaren Faktoren bleibt: Bei schlechtem Wetter könnte Senn auf seinen Grillwürsten sitzen bleiben.

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