Analyse

Wie sexistisch ist der Radsport?

Die besten Radrennfahrerinnen der Welt wollen sich endlich den Strapazen der Tour de France stellen dürfen. Doch noch verhindern merkwürdige Paragrafen dieses Vorhaben.

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Weltmeisterin Marianne Vos und Emma Pooley, die Olympiazweite von Peking 2008, stehen an der Spitze einer Bewegung, die sich für eine echte Frauen-Tour-de-France einsetzt. Sie fordern, dass das Rennen im Rahmen jenes der Männer über die Bühne geht und ihnen jene Aufmerksamkeit beschert, die dem Frauen-Radsport sonst versagt bleibt. 95'000 Unterschriften kamen während der sogenannten Le-Tour-Entier-Kampagne zusammen – eine Zahl, welche Vos und Pooley in ihrem Glauben an die Gleichberechtigung im Radsport bestärkt, obwohl sie mit ihrem ersten Vorstoss noch abblitzten.

Gewichtigen medialen Beistand leistete den beiden Radsport-Reformatorinnen am Sonntag der britische «Guardian». «Stellen Sie sich Wimbledon ohne ein Frauenturnier vor oder die Leichtathletik-WM nur mit Männern. Das wäre so unzeitgemäss wie ein Aufschlag aus dem Unterarm oder ein 60-Yard-Sprint», schrieb die Zeitung. «Selbst Boxerinnen nehmen heute an den Olympischen Spielen teil, nur das grösste Radrennen der Welt hat keine weibliche Entsprechung, seit die Grande Boucle Féminine 2009 nach 25 Jahren fast unbeachtet einging.»

Die eigenartigen Vorschriften der UCI

Die ersten Hindernisse, die es für eine Frauen-Tour nach dem Gusto der Topfahrerinnen zu beseitigen gilt, sind die seltsam anmutenden Paragrafen im Reglement des Radsport-Weltverbands UCI. Sie besagen unter anderem, dass Rundfahrten für Frauen nicht länger als acht Tage dauern dürfen und eine Etappe nach 130 Kilometern zu Ende gehen muss. Zum Vergleich: Ein Ironman-Triathlon dauert etwa acht bis neun Stunden, Frauen und Männer betreiben diesen extrem fordernden Sport gleichermassen.

Die US-Amerikanerin Mary Ann Martin gewann 1984 die Frauen-Tour, während der die Rennfahrerinnen jeweils 80 Kilometer der Männer-Etappen absolvierten. Sie berichtete dem «Guardian» von einer geradezu beschämenden Ignoranz: «Ich habe im abgesperrten Bereich mit einem Reporter gesprochen, und er hat mich gefragt, was ich hier mache. Er wusste nicht, dass es auch eine Tour für Frauen gab, und das am Schlusstag.» Immerhin hat der neue UCI-Präsident Brian Cookson versprochen, eine Kommission zur Förderung des Frauen-Radsports ins Leben zu rufen. (ak)

Erstellt: 29.10.2013, 12:07 Uhr

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