Sauber wendet sich an seine Fans

Nachdem Giedo van der Garde seine Sicht der Dinge ausführlich geschildert hat, meldet sich nun auch der Zürcher Formel-1-Rennstall.

Die Antwort kommt postwendend: Monisha Kaltenborn und Peter Sauber stellen ihre Sicht der Dinge dar.

Die Antwort kommt postwendend: Monisha Kaltenborn und Peter Sauber stellen ihre Sicht der Dinge dar.

(Bild: Keystone)

René Hauri@tagesanzeiger

Der holländische Rennfahrer Giedo van der Garde hat heute Morgen in einer Mitteilung Stellung zum Rechtsstreit mit dem Sauber-Team genommen. Er bestätigte unter anderem, dass ihm eine hohe Summe angeboten wurde – es wird von 15 Millionen Euro ausgegangen – und im Gegenzug sein noch gültiger Fahrervertrag aufgelöst wird. Er zeigte sich enttäuscht über das Verhalten des Teams und von Chefin Monisha Kaltenborn.

Nun wendet sich der Rennstall aus Hinwil an seine Fans: Man habe sich «ziemlich gewundert» über die Ausführungen des 29-Jährigen. «Wir kennen die Intention von Giedo nicht. Auch wenn er sich gerne als Sieger darstellen möchte, wir hatten eigentlich gehofft, mit der erzielten Einigung zur Ruhe kommen zu können. Das hat Giedo für sich anders entschieden – die Gründe dafür können wir nur schwer nachvollziehen», schreibt der Rennstall. Und weiter: «Auch wenn wir auf viele von Giedos Darstellungen und Vorwürfen sehr gut antworten könnten, es würde weder unserem Rennteam, unseren Fans noch unseren Partnern helfen! Einzig würde es eine Schlammschlacht über die Medien füttern. Dafür geben wir uns nicht her. Viel lieber fokussieren wir bereits auf das nächste Rennen in Malaysia, wo wir mit unseren beiden Piloten Marcus Ericsson und Felipe Nasr an die gezeigten Erfolge vom vergangenen Wochenende anschliessen möchten. Diesem Ziel gilt unser ganzer Einsatz. In diesem Sinne möchten wir euch ermutigen, euch euer eigenes durchaus kritisches Bild von der Angelegenheit zu machen. Für uns ist diese Geschichte abgeschlossen, und wir freuen uns bereits heute, gemeinsam mit euch kommende Erfolge auf der Rennstrecke zu feiern.» Man hofft im Zürcher Oberland, den leidigen Rechtsstreit endlich ad acta legen zu können.

Van der Garde: «Damit wollte ich nicht leben»

Dieser war letzte Woche eskaliert, als Van der Garde vor dem ersten Grand Prix in Melbourne versuchte, sich einen Platz im Cockpit des Teams zu erkämpfen, und die Beschlagnahmung des Materials von Sauber durch den Richter und gar eine Verhaftung Kaltenborns zu den möglichen Szenarien gehörten.

Dass Van der Garde über einen gültigen Fahrervertrag für 2015 verfügt, hatten zuvor ein Schweizer und ein australisches Gericht festgestellt. Letztlich aber verzichtete er noch vor dem Qualifying auf seine Ansprüche – wohl auch, weil er nicht über die nötige Superlizenz verfügte. In seinem Statement aber erklärte er das so: «Ich bin ein Rennfahrer, und alles, was ich will, ist Rennen zu fahren. Aber die Teamchefin (Monisha Kaltenborn) war unnachgiebig. Ungeachtet meiner Rechte und meiner Fahrerfähigkeiten, wollte sie mich nicht fahren lassen. Das werde ich nie verstehen. Dass das Team nicht mit mir arbeiten wollte, wurde mir schmerzvoll bewusst, als ich ins Fahrerlager kam. Hätte ich weiter auf meinem Recht beharrt, hätte ich das Team wohl zu Fall gebracht, sicher aber den Start in Melbourne zerstört, weil die Autos vom Gericht beschlagnahmt worden wären. Damit hätte ich vielleicht auch die Karrieren der beiden jungen Fahrer Marcus Ericsson und Felipe Nasr zerstört. Vielleicht wäre sogar noch die Teamchefin festgenommen worden. Damit wollte ich nicht leben. Auch wenn nur das Management des Teams für diese bizarre Situation verantwortlich war.»

Am Sonntag bestritten der Schwede Marcus Ericsson und der Brasilianer Felipe Nasr das Rennen und sorgten mit 14 Punkten für den besten Saisonstart von Sauber in seiner 23-jährigen Formel-1-Geschichte.

Gestern wurde bekannt, dass sich die beiden Parteien auf eine Lösung geeinigt haben. Für den Holländer war die Sache damit aber offensichtlich nicht erledigt.

DerBund.ch/Newsnet

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