Sauber kann Löhne nicht zahlen

Gesichert ist beim Hinwiler Rennstall nur der Saisonstart in Melbourne, ein Titelsponsor lässt auf sich warten.

«Wir werden die Probleme in den Griff bekommen»: Teamchefin Monisha Kaltenborn. Foto: Thomas Melzer (imago)

«Wir werden die Probleme in den Griff bekommen»: Teamchefin Monisha Kaltenborn. Foto: Thomas Melzer (imago)

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Peter Sauber hat im Hochrisikogeschäft Formel 1 schon einige Krisenzeiten durchgemacht. Etwa am Anfang, als sich Mercedes als Partner verabschiedete. Oder 2009, als sich BMW zurückzog und er sein Lebenswerk wieder selbst führen musste. Doch egal, wie prekär die finanzielle Lage danach immer wieder aussah, auf eines hat der Patron stets grössten Wert gelegt: auf die Löhne und deren rechtzeitige Auszahlung an die Mitarbeitenden.

Deshalb muss die jetzige Situation für die rund 300 Angestellten in Hinwil umso alarmierender sein. Denn einige von ­ihnen haben die Februarlöhne noch nicht erhalten. Definitiv. Monisha Kaltenborn, seit 2012 Teamchefin des Rennstalls, bestätigte gegenüber «Blick»: «Ja, das stimmt, und ich bedaure es ausserordentlich.» Dass es nun, knapp zwei Wochen vor dem Start zur neuen Saison in Melbourne, so weit kam, lässt darauf schliessen, dass die finanziellen Probleme des angeschlagenen Rennstalls enorm sind. Dem Team nahestehende Personen sprechen von Schulden deutlich im zweistelligen Millionenbereich.

Erst vor Kurzem stellte Sauber den Wagen für die neue Saison vor:

Gemäss «Handelszeitung» lief zuletzt eine Betreibung von América Móvil (5,3 Millionen Franken), das über seine Tochter Telmex eine Partnerschaft mit Sauber einging, um die mexikanischen Fahrer Esteban Gutiérrez und Sergio Pérez in der Formel 1 unterzubringen. Ende vorletzten Jahres trennten sich die Schweizer von Gutiérrez – die Betreibung dürfte nun eine Folge davon sein.

Die unangenehmen Ex-Piloten

Ebenfalls seit dann nicht mehr dabei ist Adrian Sutil, der für letztes Jahr über einen Vertrag als Stammpilot verfügt ­haben soll. Auch der Deutsche geht den juristischen Weg und fordert knapp 7 Millionen Franken – die Hälfte davon für das Jahr 2014, worüber derzeit vor dem Bezirksgericht verhandelt wird. Die andere Hälfte für 2015. Dafür zuständig ist ein Genfer Schiedsgericht.

Die Verpflichtung der beiden jungen Fahrer Felipe Nasr und Marcus Ericsson, die Gutiérrez und Sutil Ende 2014 bei Sauber ersetzten, hat den Rennstall aber ohnehin bereits 15 Millionen Franken gekostet. Der einstige Ersatzfahrer Giedo van der Garde wurde damit ruhiggestellt, nachdem er sich vor dem obersten Gericht in Melbourne erfolgreich einen Platz in einem der beiden Sauber C34 ­erstritten hatte. Der Grund für die Ausbootung der Fahrer: Mit Nasr und Ericsson hatte Sauber zwei Piloten gefunden, die fast 40 Millionen Franken zum 100-Millionen-Budget beitragen.

Das ist Geld, auf das der Rennstall nicht mehr verzichten kann. Denn die Zeiten, als ein Titelsponsor wie Petronas 50 Millionen Franken pro Jahr einschoss, sind längst vorbei. Jedoch, so zumindest lautet der Plan in Hinwil, sollen diese nun wiederkehren. Dafür kämpft Kaltenborn in diesen Tagen. Ein Titel­sponsor sei bereits gefunden, heisst es bei Sauber. Allerdings warte man noch auf das entsprechende Geld, weshalb auch noch nicht alle Februarlöhne bezahlt werden konnten. Die Österreicherin begründete das gegenüber «Blick» mit «überweisungstechnischen Problemen». Vielmehr aber dürfte es so sein, dass sich die Parteien über die Vertragsbedingungen noch nicht einig sind.

In der Situation, in der sich Sauber derzeit befindet, sportlich und finanziell, hält es nur wenige Trümpfe in der Hand. Der Sponsor dürfte versuchen, für sich möglichst viel herauszuholen – und hat dabei gute Aussichten.

Und wenn der Deal doch noch platzt? Wenn gar kein Geld nach Hinwil fliesst? Dann sieht es ganz düster aus. Der Start in Melbourne sei zwar nicht in Gefahr, sagt ein Insider, doch was danach komme, wäre dann «äusserst ungewiss».

Kaltenborn aber mag sich mit solchen Szenarien nicht auseinandersetzen. Sie glaubt daran, dass das Bangen, das seit Wochen anhält, ein baldiges Ende hat. Die 44-Jährige sagt: «Wir werden die ­jetzigen Probleme in den Griff bekommen und uns aus dieser misslichen ­Situation befreien.» Es wäre nicht das erste Mal.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2016, 23:54 Uhr

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