Plötzlich ist Sauber wieder jemand

Kein anderes Team hat sich in einem Jahr so verbessert wie jenes aus der Schweiz. Für 2019 ist das verheissungsvoll.

Es geht bergauf: Sauber-Pilot Marcus Ericsson beim GP von Ungarn. Bild: Keystone.

Es geht bergauf: Sauber-Pilot Marcus Ericsson beim GP von Ungarn. Bild: Keystone.

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Pascal Picci ist Bankier. Als solcher mag er Diskretion – und diskret war bisher jeweils auch sein Auftreten. Der Westschweizer äusserte sich nur schriftlich, als er vor zwei Jahren Verwaltungsratspräsident der Sauber Holding AG wurde. Und auch danach blieben die öffentlichen Auftritte des Mannes, wie man es von einem Bankier eben erwartet – und wie es der öffentlichkeitsscheuen Rausing-Familie entspricht, die er vertritt.

Umso bemerkenswerter war, was Picci vor rund einem Monat sagte: «Unsere Ambition ist, nächstes Jahr das viertbeste Team zu sein.» Er wisse, dass das hoch gegriffen sei, «aber wenn man keine Träume hat, hat man auch keinen Erfolg».

Nimmt man die aktuelle WM-Klassierung zum Mass, ist Piccis Traum reine Utopie. Vor dem GP von Belgien vom Wochenende ist Sauber auf dem 9. und zweitletzten Rang klassiert. Damit ist man zwar einen Rang besser als im letzten Jahr – aber nicht mehr. Es ist auf den ersten Blick ein Schrittchen, kein Sprung.

Die Konkurrenz lobt

Doch dem Schrittchen liegt eine Verbesserung zugrunde, die in der Formel 1 ihresgleichen sucht. Die Rangliste, die das Fachmagazin «Autosport» errechnete, spricht eine deutliche Sprache. Zwar ist Sauber auch dabei das zweitschwächste Team mit 102,886 Prozentpunkten (wobei 100 Prozent die absolut schnellste Runde darstellen), im Vergleich zu 2017 steigerten sich die Hinwiler aber um 1,243 Prozentpunkte. Eine ähnliche Steigerung gelang nur Haas (0,938). Bei den Topteams sind die Veränderungen marginal (Ferrari um 0,071 Prozent schneller, Mercedes um 0,085 Prozent langsamer).

Die Zahlen illustrieren den «riesigen» Schritt, wie sich Teamchef Frédéric Vasseur ausdrückt, und auch der Konkurrenz ist der nicht verborgen geblieben. «Bewundernswert» sei die Entwicklung, sagte etwa Renault-­Pilot Carlos Sainz, und Toro-­Rosso-Fahrer Pierre Gasly fand, es werde «sehr, sehr schwierig», vor Sauber zu bleiben. «Sie haben das stärkere Gesamtpaket.»

Gasly liegt mit Toro Rosso zehn Punkte vor Sauber auf dem 8. WM-Rang, der das nächste Ziel der Hinwiler ist. Für Vasseur ist es zwar «kein riesiger Unterschied, ob wir nun Achter, Neunter oder Siebenter werden». Doch das hat weniger mit den kurzfristigen Zielen zu tun als vielmehr mit dem längerfristigen Fokus. Und dieser liegt bei Sauber ab sofort auf 2019. Die Weiterentwicklung des aktuellen Boliden wurde Ende Juli eingestellt.

Das hat diesmal im Gegensatz zu den letzten mageren Jahren nicht mit mangelnden Ressourcen zu tun, sondern mit den neuen Aerodynamik-Regeln für 2019. Die Frontflügel werden breiter und die Heckflügel etwas grösser – für Vasseur ist das eine «grosse Chance», weil die neuen Regeln die Teams dazu zwingen, ein neues Auto zu bauen. «Wenn wir dieses Jahr schon fähig waren, von ganz hinten aufzuholen, muss uns dies nächstes Jahr erneut gelingen, wenn alle auf demselben Level beginnen.»

Noch mehr Wachstum

Unter diesem Gesichtspunkt wirkt Piccis Traum, das viertbeste Team zu werden, gar nicht mehr so abwegig. Denn seit Vasseur vor etwas mehr als einem Jahr zu Sauber kam, ist ein Wachstumsprozess im Gang. Rund 350 Mitarbeiter waren es in Hinwil zu Beginn, unterdessen sind es etwa 400 – und diese Zahl soll noch mal um ein Drittel gesteigert werden, wie der neue Technikchef Simone Resta gegenüber «Speedweek» erklärte. «Wir müssen weiter wachsen. Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen», sagt der Italiener.

Erst seit Anfang Juli ist der langjährige Ferrari-Ingenieur Resta in Hinwil – auch seine Verpflichtung ist als Baustein in einem Mosaik zu sehen, das Sauber ­zumindest an die Spitze des Mittelfelds bringen soll. Den womöglich wichtigsten Baustein legte Vasseur aber gleich am Anfang, als er statt Honda wieder Ferrari als Partner ins Boot holte – und damit auch Jungstar Charles Leclerc.

Der Monegasse verkörperte die Hoffnung auf den Aufschwung bei Sauber, die schon jetzt erfüllt ist. Fünfmal fuhr er in die Top Ten, dreimal stiess er in den dritten Teil des Qualifyings vor. Und dies, obschon er als Rookie Zeit benötigt hatte, sich anzupassen. Auch er spricht von einem «riesigen» Entwicklungsschritt, glaubt aber auch, dass «er grösser aussieht, als er ist». Er sei zu Beginn nicht gut gefahren – «die Performance war da meinetwegen nicht so gut, wie sie hätte sein können». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.08.2018, 19:34 Uhr

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