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Hamiltons Giftpfeile: Endlich ein richtiger Gegner

Der dreifache Formel-1-Weltmeister schwärmt von Vettel und sagt damit auch, was er von Rosberg hält.

Ein Duell auf Augenhöhe: Hamilton freut sich auf den «ultimativen Kampf gegen den Besten».
Ein Duell auf Augenhöhe: Hamilton freut sich auf den «ultimativen Kampf gegen den Besten».
Keystone

Sebastian Vettel in Redelaune, das hört sich so an: «Was war denn los? Ich dachte, du kriegst mich noch.» Der Angesprochene dreht sich ab, sitzt auf eine Bank, hüllt seinen Kopf in ein Frottiertuch. Kein Hindernis für Vettel, weiterzureden. Es sprudelt: «Als der Safety-Car kam, dachte ich: nicht schon wieder.» Und: «So, ich will jetzt den Pokal.»

Vettel lächelt, zappelt, tigert hin und her, reibt sich die Hände, als hätte er seinen Ferrari gerade zwei Stunden lang bei Minustemperaturen und nicht in der Wüste von Sakhir um die Kurven gejagt. Aufgeregt wie ein kleines Kind ist der 29-Jährige. Er will endlich sein Geschenk. Er bekommt es dann auf dem Podest, diesen Pokal für den Sieg beim Grand Prix von Bahrain, für den zweiten Triumph im erst dritten Rennen des Jahres. Sieben Punkte liegt er nun vor Lewis Hamilton, dem Mann, der zuvor noch das Tuch auf dem Kopf trug und nun danebensteht und artig klatscht.

Nur nicht den Anschein erwecken lassen, als ob sich ein nächstes Erzrivalen-, vielleicht gar das nächste Hassduell anbahnen könnte. Nein, Respekt hat er vor dem Deutschen. Den grössten Respekt. Der Brite wiederholt das bei jeder Gelegenheit.

Nicht irgendein Fahrer wie Rosberg

Schliesslich ist Vettel ja auch vierfacher Weltmeister. Und nicht irgendein Fahrer, wie es Nico Rosberg war, sein In-Team-Feind, der jahrelang vergeblich um die Krone kämpfte, den er belächelte, weil er trotz härtester Arbeit nie an ihn herankam. Und der dann doch noch Weltmeister wurde. Mit sehr viel Glück natürlich, nur deshalb. Dass Hamilton so über seinen internen Mercedes-Widersacher der letzten Jahre denkt, daraus machte der Glamour-Pilot nie einen Hehl. Zum Abschied von Rosberg, der die grösste Bühne des Motorsports nach seinem ersten Weltmeistertitel entkräftet verliess, sprach Hamilton noch die warmen Worte: «Ich habe 18 Jahre lang Rennen gegen ihn gewonnen.»

Doch dass er diese Weltmeisterschaft 2016 eben verlor gegen den Deutschen, das scheint den 32-Jährigen noch immer zu beschäftigen. Das fast schon demonstrative Zurschaustellen der Hochachtung gegenüber Vettel zeugt auch davon. So sagt er etwa: «Sebastian ist ein unglaublich guter Fahrer. Er hat vier Titel gewonnen, er hat die Formel 1 im Sturm erobert. Er wird sicher ein harter Konkurrent bleiben. Der Respekt voreinander ist der höchste, den man gegenüber einem Fahrer haben kann. Das habe ich noch bei keinem anderen gespürt.» Oder: «Ich will den ultimativen Kampf gegen den Besten haben. Wenn ich daraus als Sieger hervorgehe, ist das so viel befriedigender.» Befriedigender, als einen ohnehin schlechteren Piloten zu schlagen, das wollte er wohl sagen.

Es braucht sehr viel Egoismus

Von einer «Spitze gegen Rosberg» sprach denn auch Niki Lauda, der Vorsitzende des Mercedes-Aufsichtsrats. Dass, so ganz nebenbei, auch ein anderer Fahrer die Aussagen Hamiltons als nicht vorhandene Wertschätzung empfinden könnte, war aber nie Thema. Wenn Hamilton schon nach dem ersten Rennen in Australien sagte: «Ich bin wirklich dankbar für den Fight gegen Vettel und Ferrari. Es macht viel mehr Spass, wenn der Gegner aus einem anderen Team kommt. Viel mehr Spass!» Dann sagte er damit nach einem Zwanzigstel der Saison bereits: Valtteri Bottas, der Nico Rosberg bei Mercedes ersetzt, wird mit dem Titelkampf nichts zu tun haben. Der Finne soll die klare Nummer 2 sein im Team – und auch bleiben. Ihm und Vettel die grossen Auftritte überlassen.

Dass Bottas den schnelleren Hamilton in Bahrain zweimal passieren liess, deutet darauf hin, dass der neue Mann bei den Silberpfeilen mindestens so sehr ans Team denkt wie an sich. Dass der Titel nur mit einer grossen Portion Egoismus zu holen ist und indem sich ein Fahrer auch einmal den Anweisungen der Teamverantwortlichen widersetzt, das musste auch Rosberg erst lernen.

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