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Die Wiedergeburt des Formel-1-Champions

Fernando Alonso ist in der WM nur noch ein Hinterherfahrer. Nun will er das 500-Meilen-Rennen von Indianapolis gewinnen.

In Indianapolis kann Fernando Alonso endlich wieder lachen.
In Indianapolis kann Fernando Alonso endlich wieder lachen.
Keystone

Obwohl die Formel 1 am Sonntag mit dem Grand Prix von Monaco eines ihrer jährlichen Highlights erlebt, dürfte Fernando Alonso dem engen Stadtkurs und dem Stelldichein der Schönen und Reichen keine Träne hinterherweinen. Dem stolzen Spanier wäre im Fürstentum wohl nur eine Rolle geblieben – diejenige des Hinterherfahrers. Fünf Grands Prix wurden bisher ausgefahren, und nur einmal sah Alonso die Ziellinie, beim letzten Rennen in Barcelona. Mit Platz 12 verpasste er aber die Punkteränge und war sogar vier Ränge schlechter als Pascal Wehrlein im Sauber.

So ist es nachvollziehbar, dass Alonsos Puls in diesen Tagen höher schlägt. Im US-Städtchen Speedway, Heimat des Indianapolis Motor Speedway, sitzt er endlich wieder einmal in einem kompetitiven Auto, dem McLaren-Andretti-Honda Dallara DW12. Das war in den letzten Jahren nicht mehr der Fall: Der zweifache Weltmeister und dreimalige WM-Zweite ergatterte seit seinem Wechsel Ende 2014 von Ferrari zu McLaren in 42 Rennen nur noch 65 Pünktchen. Ein Hohn für einen Fahrer seiner Qualität.

Dass er noch nicht zum alten Eisen gehört, stellte der 35-Jährige schon in den Trainings zur Indy500 unter Beweis. Am ersten Tag war er schnellster Rookie, anschliessend qualifizierte er sich für die «Fast Nine», die schnellsten neun des Tages. Am «Pole Day», dem Tag, an dem die Startplätze ausgefahren werden, fuhr er auf Platz 5. Damit wird er am Sonntagabend aus der zweiten Reihe in den Klassiker starten, den mehr als eine Viertelmillion Zuschauer live und viele Millionen an den Bildschirmen verfolgen werden. Den Platz an der Sonne holte sich Routinier Scott Dixon, Alonso war aber nicht allzu weit weg. Zumal erneut ein technisches Problem eine noch bessere Platzierung verhinderte, wie er nachher sagte: «In der zweiten Runde hatte ich ein Overboost-Problem aus der letzten Kurve heraus. Es fühlte sich an, als würde ich bremsen.»Fettfreie Milch statt Champagner

Die beiden Rennen lassen sich nicht vergleichen. Während in Monte Carlo das Überholen schwierig ist und die Durchschnittsgeschwindigkeit kaum 160 Kilometer übersteigt, ist das Motto in Indianapolis einfacher: Asphalt, vier Linkskurven pro Runde und den Fuss runter. 200-mal, jede Runde dauert 2,5 Meilen, mit einer Durchschnittsgeschwindgkeit von 300 km/h und einer Spitze von 380. Überholmanöver à discrétion und Nervenkitzel sind garantiert.

Unterschiedlich ist auch das Siegesprozedere: Während in der Formel 1 jeweils der Inhalt einer Champagnerflasche verspritzt wird, gönnt sich der Indy-Sieger traditionell einen Schluck Milch. Zur Auswahl stehen Vollmilch, fettfreie Milch oder Sojamilch. «Ich würde wohl fettfreie Milch nehmen», lachte Alonso, «aber ich muss noch so viel lernen. Ich habe grossen Respekt vor den Leistungen und der Erfahrung meiner Konkurrenten.»Die Diskussionen mit dem «Verfluchten»

Die letzten Tage haben gezeigt, dass er ein schneller Lerner ist. Geholfen hat ihm dabei auch ein längeres Gespräch mit Mario Andretti: Eineinhalb Stunden sass Alonso mit der 77-jährigen Rennsportlegende zusammen, und dieser sagte danach, Alonso habe alles wie ein Schwamm aufgesogen. Andretti siegte 1969 in Indy und erhielt nachher vom Teambesitzer einen Kuss auf die Wange – für abergläubische Zeitgenossen der Grund, warum eine der berühmtesten Familien des Rennsports (Mario, John, Jeff, Michael und Marco) bei 68 Starts nur diesen einen Titel gewann. Es wird vom «Andretti-Fluch» gesprochen.

Alonso wäre erst der elfte Rookie, der in der 101-jährigen Geschichte des «Greatest Spectacle in Racing» triumphiert. Zudem wäre er dann ernsthafter Kandidat auf die «Triple Crown». Einzig der bei einem Flugzeugabsturz verstorbene Graham Hill gewann sowohl die Formel-1-WM als auch in Indianapolis und das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Man glaubt Fernando Alonso aber, wenn er sagt, dass es kein Drama wäre, wenn er nicht gewinnt: «Es macht einfach unendlich viel Spass, hier dabeizusein.»

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