Baustelle Sauber

Das Formel-1-Team war chancenlos und geht mit vielen Fragezeichen in die Zukunft.

Sauber 2017: Meist abgeschlagen hinterher. Ändert sich das 2018 durch eine engere Zusammenarbeit mit Ferrari? Foto: Imago

Sauber 2017: Meist abgeschlagen hinterher. Ändert sich das 2018 durch eine engere Zusammenarbeit mit Ferrari? Foto: Imago

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Der Weltmeister auf Platz 2? Ziemlich standesgemäss. Die Fahrer des Sauber-Teams auf den Rängen 14 und 17? Ganz standesgemäss.

Es sind die Resultate aus Abu Dhabi, wo die Formel 1 gestern ihre letzten Rennrunden dieser Saison drehte. Sie widerspiegeln das ganze Jahr. Fahrten in die Top 10 waren für die Schweizer nur dann überhaupt in Reichweite, wenn die Gegner gleich reihenweise sündigten oder eine experimentelle Strategie aufging. Zweimal gelang Pascal Wehrlein der Coup, in Barcelona als Achter, in Baku als Zehnter. Ein Coup, nichts anderes ist es, wenn es ein Sauber-Pilot in die Punkte schafft. Wenig überraschend ergab das den 10. und letzten Platz in der Konstrukteurswertung.

Nun waren es auch nicht günstige Voraussetzungen, unter denen das Team in diese Saison startete. Mit der Entwicklung des Autos konnte der zuvor stets klamme Rennstall erst beginnen, als mit der Übernahme durch die Investmentgesellschaft Longbow Finance im Sommer 2016 die finanzielle Sicherheit kam. Zudem setzte Sauber auf einen Vorjahresmotor von Ferrari, damit auf kurzfristige Änderungen am Antrieb nicht mehr mit Anpassungen am Chassis reagiert werden musste.

Doch es greift zu kurz, die Probleme darauf zu reduzieren. Keine der vermeintlichen aerodynamischen Verbesserungen, die am Auto das Jahr über angebracht wurden, hatte die gewünschte Wirkung. Dabei hätten sie als Basis für das nächstjährige Modell dienen sollen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass die Mannschaft um den – intern nicht unumstrittenen – Technischen Direktor Jörg Zander die Lösung findet.

Die Demotivation für das Team

Denn auch wenn Frédéric Vasseur, der die entlassene Teamchefin Monisha Kaltenborn ersetzte, bald sagte, sie würden sich ganz auf das künftige Auto konzentrieren, so ist die Zeit auch diesmal knapp. Ganz abgesehen davon, dass diese Aussage diejenigen demotivierte, die an der Rennstrecke hätten versuchen sollen, das Maximum herauszuholen. Die Stimmung bei Sauber ist nicht nur deshalb angespannt.

Nach dem Abgang von Kaltenborn, die den Machtkampf mit den Besitzern verlor, machte sich Vasseur daran, das Team um- und auszubauen. Dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Fachkräfte sind jedoch Mangelware – und Sauber nicht erste Adresse.

Eine weitere Baustelle ist der Rennwagen, mit dessen Entwicklung man spät dran ist – obwohl man früh auf diese umschwenkte. Der Rückstand lässt sich im Sommer finden. Erst dann wurde entschieden, mit welchem Motor 2018 gefahren wird. Die Konkurrenz war da längst am Bau des neuen Autos. Kaum im Amt, verkündete Vasseur Ende Juli, es gebe keine Zukunft mit Honda – diesen Deal hatte noch Kaltenborn ausgehandelt. Er scheiterte, weil die Japaner darüber pikiert waren, dass sie nicht vorab über die Entlassung der Österreicherin informiert worden waren.

Zum anderen war Vasseur nie begeistert von der Aussicht, künftig jenen Motorenhersteller an seiner Seite zu haben, der bei McLaren in den letzten Jahren für so viel Ärger gesorgt hatte. Vasseur einigte sich mit Ferrari auf eine weitere Zusammenarbeit. Sauber werden wieder aktuelle Motoren zur Verfügung stehen. Zudem träumt der Franzose von einer engeren Anbindung an den Traditionsrennstall.

Zukunft als Sauber-Alfa-Romeo?

Es gibt das Gerücht, die Schweizer könnten als Sauber-Alfa-Romeo antreten, als Nachwuchsteam der Scuderia fungieren – analog zu Redbull/Toro Rosso. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne plant, die Marke in den Motorsport zurückzubringen. Zudem sähe er gerne seine Nachwuchspiloten Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi in der Formel 1. Entsprechende Verhandlungen mit Sauber laufen.

Wahrscheinlich ist, dass Leclerc für Pascal Wehrlein kommt – obwohl es dieser 2017 zweimal in die Punkte schaffte, während das Noch-Teamkollege Marcus Ericsson letztmals vor über zwei Jahren gelang.

Ob der Schwede bleiben darf, ist ebenfalls noch ungewiss. Weil die Sauber-Besitzer ihm aber nahestehen, seine Karriere mitfinanzierten und scheiterten, ihn woanders unterzubringen, dürften sie trotzdem weiter auf ihn setzen – sofern der Einfluss von Ferrari nicht zu gross ist.

Ruhe brächte ein baldiger Entscheid – wenigstens in dieser Frage.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.11.2017, 23:05 Uhr

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